Start für Lehrbetrieb ist verschoben

Coronavirus: Das Uni-Leben in Göttingen wird gedrosselt

Betrieb runtergefahren: Göttinger Uni-Präsident Prof. Dr. Reinhard Jahn.
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Betrieb runtergefahren: Göttinger Uni-Präsident Prof. Dr. Reinhard Jahn.

Viele hatten diese Nachricht – auch schon früher – erwartet: Die Universität Göttingen hat am Freitagabend über ihren Präsidenten Reinhard Jahn bekannt gegeben, den Lehrbetrieb auszusetzen und den Vorlesungsbeginn nach den laufenden Semesterferien zunächst um eine Woche auf den 20. April zu verschieben.

Aktualisiert am 17.3. um 18.20 Uhr - Am Montag und Dienstag hat die Uni noch einmal Verschärfungen der Reglungen bekanntgegeben:

Home-Office 

Seit dem heutigen Dienstag sind alle Beschäftigten der Universität Göttingen dazu aufgerufen, ihre Arbeiten soweit möglich ausschließlich von zu Hause aus zu verrichten. Außerdem gab die Uni am Dienstag bekannt, dass es auch Einschränkungen in der Laborforschung gibt. Die Arbeit in den Forschungs- und Experimentallaboren auf dem Campus sollte auf „kritische Aktivitäten“ von einer begtrenzten Anzahl des Personals beschränkt bleiben, heißt es in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Fortgesetzt werden dürfen Forschungsaktivitäten über Covid-19 sowie solche, die „absolut notwendig sind, um kritische Forschungsgüter für den langfristigen Fortschritt zu erhalten“. Auch hier gilt aber: Soweit möglich sollte aus der Ferne gearbeitet werden. 

Prüfungen 

Alle Prüfungen – Präsenz und auch Nicht-Präsenz – werden bis zum 20. April ausgesetzt, wie die Uni am Montag ihren Studierenden in einer Mail mitteilte. Präsenzprüfungen finden in diesem Zeitraum nicht statt, eine Abmeldung ist nicht erforderlich. Bei Prüfungen ohne Präsenz wie etwa Hausarbeiten werden die Bearbeitungsfristen um den Zeitraum der Aussetzung verlängert. Zudem können die Studierenden ohne Nachteil von allen laufenden Prüfungen zurücktreten. Dafür genügt die Nicht-Abgabe.

Schon am Freitag war Folgendes bekannt geworden:

Uni-Drosselung in Göttingen: Bibliotheken sind geschlossen

Auch die O-Phasen werden abgesagt, zudem die Benutzung der Bibliotheken, inklusive SUB, ab Montag bis auf Weiteres eingestellt. Ebenfalls dicht ist ab Montag das Lern- und Studiengebäude sowie Praktikums- und Laborräume der Uni.

Uni-Drosselung in Göttingen: Forschung läuft weiter

Die Uni wird aber nicht vollständig geschlossen, sondern Forschungsbetrieb und Verwaltung werden bis auf Weiteres aufrechterhalten, „sofern dies vertretbar und verhältnismäßig ist“, wie Jahn auf der Internetseite schreibt. Das ist ein klares, wichtiges Zeichen der Uni, mit ihren etwa 30 000 Studierenden und – inklusive Uni-Medizin – mehr als 14 000 Mitarbeitern.

Uni-Drosselung in Göttingen: Prüfungen ausgesetzt

Bedeutend für viele Studierende in Göttingen ist auch die Ankündigung, dass Prüfungsleistungen in Präsenz ab sofort ausgesetzt werden. „Wir arbeiten an Regelungen, wie wir den Prüfungsbetrieb unter den gegebenen Rahmenbedingungen wieder aufnehmen können und stimmen das konkrete Vorgehen zeitnah mit den Fakultäten ab“, kündigt Reinhard Jahn an. Grundsätzlich sollen Lösungen gefunden werden, damit Studierenden keine Nachteile entstehen. Ab sofort wird es auch keine Dienstreisen, Exkursionen und von der Uni veranlasste Reisen bis auf Weiteres geben.

Uni-Drosselung in Göttingen: Keine Veranstaltungen

Gecancelt wurden zudem alle Veranstaltungen der Universität. Ausgenommen sind notwendige Gremiensitzungen und Besprechungen. Grundsätzlich soll auch dabei eine Kontaktminimierung erfolgen, sollen größere Räume sowie Telefon- und Videokonferenztechnik genutzt werden. Geschlossen ist auch der Hochschulsport am Sprangerweg.

Uni-Drosselung in Göttingen: Mensen

Mit dem Studentenwerk in Göttingen soll weiterhin geklärt werden, was mit den Mensen und Cafeterien geschieht. Hier steckt man in einer Zwangslage: Es gilt einerseits eine Grundversorgung zu sichern und andererseits Ansteckungsrisiken klein gehalten werden.

Uni-Drosselung in Göttingen: IT-Aufrüstung

Des Weiteren arbeitet die Uni daran, mit dem eigenen Rechenzentrum GWDG und den IT-Dienstleistern „für einzelne Bereiche der Uni (Studierenden-IT, Zentralverwaltung, SUB, UMG) eine ausreichende IT-Versorgung sicher zu stellen“. Man gehe davon aus, dass die Netz-Bandbreite nach außen ausreichend ist, sagt Reinhard Jahn.

Uni-Drosselung in Göttingen: Virtuelle Lehre

Die Uni will auch den Bereich virtuelle Lehre „so schnell wie möglich ausbauen“. Das dürfte aber dauern, denn im Gegensatz zu Nichtpräsenzhochschulen, hinken deutsche Universitäten hinterher – auch im internationalen Standard. Laut Präsident Reinhard Jahn sind die Studierenden auch aufgerufen, ihre Bedarfe anzumelden und Möglichkeiten für sich zu prüfen. Insgesamt bedeuten diese Entscheidungen laut Jahn „hohe Herausforderungen“ für alle Beteiligten, Lehrende, Forschende, Studierende, Mitarbeiter und die Uni-Führung in Göttingen.

Uni-Drosselung in Göttingen: Interne Meinungen

In der Studentenschaft, aber auch bei Mitarbeitern jedenfalls herrscht bei vielen dennoch Verunsicherung, vor allem darüber wer und wann welche Entscheidungen trifft.

Uni-Drosselung in Göttingen: AStA gehen Schutzvorkehrungen nicht weit genug

Der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Göttingen ist grundsätzlich für die Reaktion der Uni-Leitung auf die Coronavirusausbreitung und für die ausgesprochenen Maßnahmen, die dem AStA aber nicht weit genug gehen: Der fordert, dass auch Mensen und Cafeterien geschlossen werden. Ein weiterer Kritikpunkt, dass Nicht-Präsenz-Prüfungen wie Hausarbeiten weder entfallen, noch verschoben werden. Der AStA ruft deshalb das Präsidium „ausdrücklich dazu auf, die Bibliotheken sofort zu schließen und die Fristen für die Hausarbeiten um mindestens vier Wochen zu verlängern“. Auch das wäre im Sinne der Gesundheit der Studierenden und der Bevölkerung.

Aber es gibt auch einen weiteren Grund für die Verschiebung der Hausarbeiten, den der AStA-Vorsitzende Felix Schabsian nennt: „Ein Großteil der Literatur ist als Präsenzbestand nicht von zuhause aus nutzbar, außerdem ist für die adäquate Bearbeitung von Hausarbeiten die E-Book-Auswahl nicht ausreichend.“ Der Gang zur Bibliothek und zur Ausleihe sei daher für manche notwendig. Das stünde im Widerspruch zu den Vorsichtsmaßnahmen der Uni. Ein entsprechender Vorschlag habe dem Präsidium vorgelegen, sei aber scheinbar nicht aufgenommen worden. Deshalb geht der AStA nun eine Stufe höher, wird die Forderungen dem Wissenschaftsministerium in Hannover vorlegen. Auch setzt sich die Studentenvertretung dafür ein, die Frist für BAföG-Empfänger zu verlängern.

VON THOMAS KOPIETZ

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