Erfolg für Göttinger Polizei

Spurensuche im Netz: Cybercrime-Einheit findet gestohlenes Handy in der Schweiz

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Freuen sich über den Ermittlungserfolg: Cyber-Crime-Ermittler Jörg Gottschalk übergibt Meera Drude das Handy, das ihr vor drei Jahren gestohlen wurde.

Göttingen. Ermittlungserfolg für die Cybercrime-Einheit der Göttinger Polizei: Die Fahnder spürten in der Schweiz ein Handy auf, das vor drei Jahren in Göttingen gestohlen wurde.

Durch Datenauswertungen fanden sie heraus, dass das Smartphone erst in Göttingen und dann in Frankreich genutzt wurde, bis es schließlich in Bern landete. Mit der Schweizer Polizei machten sie den aktuellen Besitzer ausfindig. Als der Mann erfuhr, dass es gestohlen worden war, reagierte er sofort und schickte das Gerät zur Göttinger Polizei. Dort nahm es nun die rechtmäßige Besitzerin in Empfang.

„Das war wirklich beeindruckende Polizeiarbeit“, sagt Meera Drude. Der Diebstahl ereignete sich im Sommer 2014. Ein unbekannter Mann hatte sich in ihre Praxisräume eingeschlichen. Als sie ihn bemerkte und ansprach, suchte er das Weite. Kurz darauf stellte die Psychotherapeutin fest, dass ihr iPhone verschwunden war. „Ich habe vor allem den Fotos hinterhergetrauert“, sagt sie.

Verdacht: Hacker

Zweieinhalb Jahre später meldete sich Meera Drude erneut bei der Polizei. Sie hatte den Verdacht, dass Hacker in ihr Computersystem eingedrungen waren: „Ich bekam ständig merkwürdige Emails, mein Adressbuch füllte sich mit Namen, die ich nicht kannte, und ich kriegte Fotos von Menschen, die offensichtlich asiatischer Herkunft waren.“ Immer wieder kamen Zahlungsaufforderungen für Waren, die offenbar jemand über ihr Email-Konto bestellt hatte, unter anderem einen Schrank für 750 Euro.

Entscheidender Hinweis

Cyber-Crime-Ermittler Jörg Gottschalk nahm sich des Falls an. Als Meera Drude das gestohlene iPhone erwähnte, hatte er seinen Ansatzpunkt. „Das gestohlene Gerät war weiterhin an ihr iCloud-Konto angebunden“, erläutert Gottschalk. Dadurch hatte es sich fortlaufend mit den anderen Apple-Geräten von Meera Drude synchronisiert. So landeten die Adressen, Emails und Fotos des neuen Nutzers bei ihr. 

Der Cyber-Crime-Spezialist fand anhand der Bilddaten heraus, dass einige Fotos an einer Adresse in Bern gefertigt worden waren. Weitere Ermittlungen ergaben, dass über das Gerät auf die Apple-Software iTunes zugegriffen wurde. Die dort hinterlegte ePost-Adresse war wiederum mit einem Facebook-Konto verknüpft. Aus diesen Informationen konnte er Rückschlüsse auf den Besitzer ziehen.

iPhone-Kauf auf dem Flohmarkt

Für die weiteren Ermittlungen war der Spezialfahnder auf die Hilfe der Schweizer Kollegen angewiesen. Sie lokalisierten das Wohnhaus, in dem das Handy in Gebrauch war, und ermittelten den Besitzer. Dieser gab gegenüber den Beamten an, dass er das iPhone für 100 Schweizer Franken (etwa 87 Euro) auf einem Flohmarkt erworben habe.

Meera Drude ist erleichtert, dass sie ihr Handy wieder hat: „Ein solches Gerät ist wie ein Tagebuch. Es war ein mieses Gefühl, dass andere Menschen mit meinen Fotos durch die Gegend laufen.“

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