Schönes Format mit Frank Goosen und Anja Rützel

Das Duell beim Literaturherbst in Göttingen: Beatles gegen Take That

Prima Abend: Frank Goosen und Anja Rützel (per Videozuschaltung) lasen, begleitet von Gerhard Kaiser.
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Prima Abend: Frank Goosen und Anja Rützel (per Videozuschaltung) lasen und diskutierten über Beatles und Take That. Begleitet von Moderator Gerhard Kaiser.

Die Beatles und Take That: Unterschiedlicher könnten Bands, Musik und deren Fans kaum sein. Der Göttinger Literaturherbst präsentierte am Samstagabend ein Match „Beatles vs. Take That“ und ein Duell der Autoren Anja Rützel und Frank Goosen, das eigentlich gar keines war – nicht nur wegen der räumlichen Trennung. Rützel saß in Berlin im Arbeitszimmer, war per Video zugeschaltet.

Göttingen – So sind beide erst zu Verehrern der Bands geworden, nachdem es diese nicht mehr gab. Bei Goosen – Baujahr 1966 – war es seier Jugend geschuldet, bei Rützel schlichtweg dem späten Erkennen der Liebe. „Ich habe mich als Greisin mit 26 in eine Boygroup verknallt.

Kurzum: Die Musikjournalistin Anja Rützel liebt die Boy Group Take That und vor allem zwei der Jungs, die vornehmlich mit ihrem Aussehen und heute eher verhaltenen Tanz-Choreos die jungen Frauen und Teenies berauschten. Rützel liebt die Lieder und Choreos – und, das kommt später heraus, auch findet auch zwei der Boys hochinteressant. (Nein, nicht Robbie...) „Die Liebe habe ich lange verheimlicht, auch vor mir vor mir selbst“, sagt Rützel mit feiner Selbstironie. Sie charakterisiert die Jungs spitz: Gary Barlow sei ein „Resilienzmonster“, Robbie Williams „der ausgestellte Wachstumsschmerz“ und ihren heimlichen Liebling, den fast unbekannten Jason Orange. seziert die noch heute tanzbaren Choreofiguren wie „Brennender Bettvorleger“, „Eingerosteter Kranich“ und „Migräneattacke“. Und sie lacht über sich. Aber: Sie stellt klar: Ich bin TT-Fan.. Und sie rät: „Arbeitet Euch in die Videografie ein.“ Die perfekte Überleitung nimmt Rützel Moderator Gerhard Kaiser ab, spielt das TT-Cover von „Let me hold your Hand“.

Derweil schmunzelt Frank Goosen dezent, als Rützel las und Videos einspielte. TT, nein, das ist nicht Goosens Welt, schon kraft Alters. Despektierlich und konfrontativ zeigt sich die Stimme des Kohlenpotts und Kabarettist aber keineswegs. Er, der sich Anfang der 70er- in das Gesamtwerk der Beatles hereinarbeiten konnte. „Ich brauchte nur Geld, um Platten zu kaufen, sie waren ja da.“

Einen Unterschied zwischen TT und Beatles macht er aber aus: Die Boygroups waren alle gecastet, auch die unterschiedlichen Charaktere. Bei den Beatles entwickelte sich das quasi von alleine. Goosen wählt das wunderschöne Einstiegslied „In my Life“, eine versteckte Perle im Schatz der Beatles-Songs. Eine, die Goosen vom elterlichen Soundteppich der 60er-Jahre-Schlager wie „100 Mann und ein Büfett“ und „Heißer Sand und ein verlorenes Land“ abheben ließ.

Später suchte und fand Goosen die lebenslange Verbindung zu den Beatles: Drei Wochen nach meiner Geburt spielten die Beatles in der Grugahalle in Essen. Als ich an der Brust meiner Mutter lag, sang Lennon Nowhere Man.“ Und einen Tag nach der Geburt, 1966, zierte sein persönlicher Beatles-Heroe John Lennon das Bravo-Cover. das Das verbindet.

Ale Goosen dann die in rotem und blauen Vinyl gepressten gleichnamigen Alben auf seinem „Mister-Hit“- Plattenspieler von Telefunken auflegte, war es um ihn geschehen. Eine neue Lennon-Platte hörte er zuerst in der Plattentruhe seiner Großeltern in Bochum, „während Oppa aufm Soffa über den härtesten Mann seiner Zeit, Lassiter, im Groschenheft las und Yoko Ono dazu stöhnte“.

So ist Goosen nicht nur der Beatles-sozialisierte Schreiber, sondern auch wunderbare Beobachter von Menschen. „Das kann man nicht erfinden, das war so“, sagt er noch. Und das ist gut so. Wer mehr will, sollte beide Bücher in der Reihe Kiwi-Musikbibliothek lesen, was wärmstens zu empfehlen ist. (Thomas Kopietz)

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