Göttingen: Das Ende ist ein neuer Anfang

Junges Theater in Göttingen veranstaltet Wiener Liederabend

Nachdenken im Café: Wiener Liederabend am Jungen Theater mit Pianist Steffen Ramswig und Sänger Michael Johannes Mayer.
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Nachdenken im Café: Wiener Liederabend am Jungen Theater mit Pianist Steffen Ramswig und Sänger Michael Johannes Mayer.

Eine schöne Gelegenheit, sich vorzustellen – einen Soloabend voller Lieder hat nicht jeder Schauspieler in einem neuen Ensemble.

Göttingen – Wohl auch Corona zuschulden hat diese Chance am Jungen Theater in Göttingen Michael Johannes Mayer bekommen. Mit seinem „Wiener Liederabend“ hat der gebürtige Österreicher und Wiener ein gelungenes Debüt gelandet.

Wiener Kaffeehausstimmung schafft leise Musik schon beim Eintritt in den Zuschauerraum – man setzt sich an kleinen Tischen. Getränke werden passend auf Bestellung serviert.

Ein Mann in schwarzem Anzug (Mayer) betritt die Bühne und inspiziert sorgfältig seine Umgebung, bevor er sich setzt und sich der Zeitung zuwendet. Als ein zweiter Mann eintritt und ihn begrüßt, wird sofort klar: Der erste ist Wiener und mag es nicht zu warten.

Fast schon beleidigt setzt er sein „Grüß Gott“, weil der Pianist (Steffen Ramswig) zu spät gekommen ist. Beim Lied von der „Reblaus“ muss der sich beweisen.

Nach diesem unterhaltsamen Start mag der Wiener aus dem Nähkästchen plaudern. Dass er in 23 Sekunden alle 23 Bezirke Wiens aufzuzählen vermag, kann er mit Stoppuhr aus dem Publikum beweisen.

Und auch wenn es für manchen schwierig sein wird, jeder Wendung im Wienerischen zu folgen, versteht doch jeder, warum der Nordturm des Stephansdoms niemals fertig wurde. Der Unterhaltungskünstler Mayer spielt mit seinen Gästen, freut sich an dem, was die Zuschauer wissen über die österreichische Stadt seines Herzens.

Die Zusehenden freuen sich am „Wiener Schmäh“, den Mayer mitbringt – auch in das „kleine Café“, wo der Ober ganz diskret ein Auge zudrückt.

An die Nieren geht das Lied voller Todessehnsucht „Komm, großer, schwarzer Vogel“ von Ludwig Hirsch. Hin und wieder scheint durch, dass Mayer das Programm ursprünglich zum Abschied aus seinem Engagement am Landestheater in Eisenach gedacht hatte.

Einige der ausgewählten Lieder von Größen wie Falco oder Georg Kreisler sprechen eher vom Ende als vom Neuanfang, dann machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Mithilfe vom Geschäftsführer des Jungen Theaters, Tobias Sosinka als Dramaturg, hat der Neuankömmling das Programm umgewandelt.

Und es ist ein guter neuer Anfang. Viel verspricht Mayer mit seiner vielseitigen Stimme. Und für die, die den Wiener Schmäh nicht verstehen – eines sei ihnen versichert: Der neue Schauspieler spricht auch Hochdeutsch.

Der „Wiener Liederabend“ ist ein Erfolg: Erst nach der zweiten Zugabe haben die Zuschauer Michael Johannes Mayer als „Wiener“ und den Pianisten Steffen Ramswig von der Bühne gehen lassen. Und wieder spielt ein „kleines Café“ eine Rolle.

Weitere Vorstellungen am 24. September sowie am 28. Oktober jeweils um 20 Uhr. Karten auf junges-theater.de, unter 0551/495015 und per E-Mail an kasse@junges-theater.de. (Ute Lawrenz)

Wie war’s?

Vom „großen schwarzen Vogel“ bis zum Stephansdom: Vielfältiges Programm, mit vielfältiger Stimme dargeboten. Zwei Zugaben erklatschte das begeisterte Publikum. 

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