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„Sex and Crime“ – und viele Wanzen: Das Göttinger ThOP zeigt den Psychothriller „Verwanzt“

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Von: Ute Lawrenz

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Überzeugten das Publikum mit ihrem Schauspiel: Lisa Tyroller alias Agnes und Jakob Jockers als Peter.
Überzeugten das Publikum mit ihrem Schauspiel: Lisa Tyroller alias Agnes und Jakob Jockers als der Armeedeserteur Peter. © Anisha Blanke/ThOP/nh

Regisseur Justin Middeke inszeniert den Psychothriller „Verwanzt“ im Göttinger Theater im OP.

Göttingen – Sex and Crime und unzählige Wanzen spielen mit in dem Psychothriller „Verwanzt“. Regisseur Justin Middeke hat das bizarre Kammerspiel von Tracy Letts im Theater im OP (ThOP) in Göttingen sehr spannend inszeniert.

Immer wieder sorgt das Geschehen für Gruselmomente, lässt manchem Zuschauenden den Atem stocken. Gut: Es bleibt auch Zeit für erlösende Lacher.

Psychothriller „Verwanzt“ im Göttinger Theater im OP

Agnes hat mit Anfang 40 in ihrem Leben viel Schlimmes erlebt: Ihr sechsjähriger Sohn ist spurlos verschwunden, ihr gewalttätiger Mann saß bis vor kurzem im Gefängnis. Frisch entlassen macht er sich wieder an sie ran und findet sie in dem Hotelzimmer, in das sie sich mit Alkohol und Drogen verschanzt hat.

Als ihre Freundin R.C. mit dem gerade aufgegabelten Peter vorbeikommt, nimmt Agnes’ Leben eine ungeahnte Wendung. Der wohnungs- und arbeitslose Armeedeserteur zieht bei ihr ein – und beschert ihr mehr Gäste: Wanzen. Aus der Beziehung heraus entwickelt sich eine irre Geschichte.

Theater im OP zeigt „Verwanzt“: Schauspielerische Leistung der Darsteller überzeugt

Was das ThOP-Team zeigt, ist mitreißend, stark. Allen voran spielen Lisa Tyroller als Agnes und Jakob Jockers als erst stiller Peter ihre Rollen wie die Profis, machen die Gedanken der Figuren förmlich sichtbar. Ans Artistische grenzt Jockers’ Körperbeherrschung in Momenten höchster Emotionen.

Überzeugend wirkt auch Diana Kahms als Agnes’ allzu gern kiffende Freundin, die sich immer wieder angestrengt bemüht, ihre Freundin aus der Isolation zu holen.

Andreas Hay als Knacki-Ehemann macht glaubhaft, dass der zurückgekehrte Gatte kein Problem damit hat, Agnes auch mit Schlägen zur Raison zu bringen. Theo Ockert, der mit Klara-Marie Misler die Regieassistenz ausführte, steht als geheimnisvoller Arzt Dr. Sweet auf der Bühne.

Psychothriller „Verwanzt“ im ThOP: Publikum erlebt intensive Nähe zum Bühnen-Geschehen

Für die intensiven Auseinandersetzungen bietet die als Hotelzimmer realistisch nachgebaute Bühne Raum. Aufgebrochen ist die im ThOP meist übliche Einsicht auf die Bühne von zwei Seiten.

In U-Form sind die Gäste um die Bühne platziert, erleben intensive Nähe. Ein Hingucker und Symbol für die Sehnsucht der Figuren ist ein Gemälde, das an Süditalien erinnert. Gemalt hat es die Darstellerin Diana Kahms.

Schade, dass das Stück nicht das stärkste ist. Je mehr das Spiel in knapp zweieinhalb Stunden auf das Ende zuschreitet, desto unwirklicher werden die Wendungen – oder soll das Abdriften ins Irreale die bekiffte Wirklichkeit widerspiegeln?

Insgesamt wird dem Publikum im ThOP mit Justin Middekes Inszenierung ein überzeugender Abend geboten. Langer begeisterter Applaus war der Lohn.

Die nächsten Vorstellungen laufen am 13.1., 14.1.und 16.1. jeweils um 20.15 Uhr.

Weitere Termine unter theater-im-op.de.

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