Göttingen: Das Hoch nach der Schockstarre

Wallstein-Verlag in der Corona-Krise: Preis und starke Auslieferungszahlen

Thedel von Wallmoden, Geschäftsführer des Göttinger Wallstein-Verlags.
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Freude über Sonderpreis: Thedel von Wallmoden, Geschäftsführer des Göttinger Wallstein-Verlags.

Im Göttinger Wallstein-Verlag sind Preise für die Autoren keine Seltenheit, eher eine Regelmäßigkeit. Nun ist der Verlag in einer Sonderkategorie des Deutschen Verlagspreises ausgezeichnet worden.

Göttingen – „Geld bekommen wir nicht, wir hätten es aber in diesen Zeiten gerne genommen“, schmunzelt Geschäftsführer Thedel von Wallmoden. Der besagte Preis aber ist für kleinere Verlage gedacht, Wallstein gehört bereits zu den größeren, erwirtschaftet mehr als die festgelegte Geldpreisvergabegrenze von drei Millionen Euro Jahresumsatz.

Der Preis aber sei eine Wertschätzung, wirke nach innen und nach außen, sagt von Wallmoden. „Wir freuen uns, zusammen feiern konnten wir aber nicht, wegen der Corona-Regeln“, sagt Thedel von Wallmoden, der auch über die weiteren Folgen der Corona-Krise berichtet.

Anfang März brachen auch bei Wallstein die Bestellungen abrupt und rapide weg, weil die Buchhandlungen schließen mussten. Von Wallmoden gingen natürlich auch unangenehme Überlegungen und Fragen durch den Kopf: Wie lange wird der Zustand andauern? Wie lange ist das wirtschaftlich durchzuhalten, ist Liquidität vorhanden? „Einige Monate“, lautete die Selbstantwort des Verlegers. „Aber nur weil wir ein sehr gutes Vorjahr hatten.“

Mit dem Quasi-Lockdown musste im Verlag fix einiges umstrukturiert werden, viele der 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen in das Home-Office. Neue Abläufe und Kommunikationsformen wie Videokonferenzen wurden etabliert.

Zum Glück zogen die Buchbestellungen und -auslieferungen an die Händler nach wenigen Wochen an. „Das war, nachdem die Buchhändler ihre Schockstarre überwunden hatten, teilweise einen Abhol- und Lieferservice anboten oder die Tageslieferungen direkt an die Kunden gingen.“

Amazon hatte derweil das eigentliche Kerngeschäft „Buch“ fast komplett außer Acht gelassen. „Man konzentrierte sich auf Hygieneartikel“, sagt von Wallmoden. „Wenn der Beweis fehlte, dass Amazon nicht der Freund der Verlage und Buchhändler ist, dann hat das Unternehmen ihn damit geliefert.“

Erfreulich aus Sicht Thedel von Wallmodens, der seinen Verlag vor 34 Jahren in Göttingen als Student gegründet hatte, war dann vor allem, dass sich die Nachfrage schnell wieder erholte – schon im April und noch kräftiger im Mai. „Heute“, stünde man im Vergleich zum Vorjahr „bereits gut da“.

Teilweise dramatisch sind die Auswirkungen aber für einige Autoren, wie Wallstein-Öffentlichkeitsarbeiterin Laura Fritz sagt: „Fast alle Lesungen sind ausgefallen.“ Das hat fatalen Folgen: „Autoren, die ein aktuelles Buch veröffentlicht haben, leben zu einem gewichtigen Teil von den Einnahmen aus Lesungen“, sagt von Wallmoden. So fehlt diese bedeutende Einnahmequelle, die auch nicht reaktivierbar ist, weil bereits die nächsten Neuveröffentlichungen anstehen.

Die Lesungen werden wohl auch im Herbst/Winter noch teilweise ausfallen, davon geht Thedel von Wallmoden aus. Auch bezüglich der Leit-Messen in Leipzig und Frankfurt ist er skeptisch: Einige Verlage hätten bereits angekündigt, nicht dort sein zu werden. „Wir überlegen noch, halten uns ein Türchen offen, aber alleine werden wir dort nicht stehen.“

Gleichwohl seien die Buchmessen wichtig für die Verlage – auch für Wallstein: So viele und konzentrierte Kontakte zu Händlern, Vertretern und Medien gebe es sonst nicht. Wirtschaftlich sei der Wert der Messepräsenz hingegen nicht exakt zu bemessen – aber als mittelfristiges Marketinginstrument und, wie gesagt, Kontaktbörse sind sie nicht nur aus Thedel von Wallmodens Sicht auf Dauer unerlässlich.

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