Göttingen: „Das muss zeitlich gemanagt werden“

Aufzug-Neubau im Bahnhof Göttingen sorgt für Ärger bei gehbehinderten Bahnfahrern

Dieser Aufzug im Bahnhof Göttingen wird zurzeit erneuert. Das sorgt für Ärger bei gehbehinderten Bahnfahrern.
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Dieser Aufzug im Bahnhof Göttingen wird zurzeit erneuert. Das sorgt für Ärger bei gehbehinderten Bahnfahrern.

Seit April sind die Aufzüge zu den Gleisen 4 und 5 sowie 6 und 7 im Bahnhof Göttingen wegen Erneuerung außer Betrieb. Für Menschen ohne Gehbehinderung kein Problem – doch was ist mit Rollstuhlfahrern?

  • Die Deutsche Bahn verweise Gehbehinderte auf ihre Mobilitätsservice-Zentrale
  • Zu Beginn des Neubaus habe es noch keine Treppenraupe gegeben
  • Rampen seien an den Gleisen 4 und 5 sowie 6 und 7 nicht möglich

Göttingen/Northeim – Ein rollstuhlfahrender Leser hat sich bei uns gemeldet. „Genauso wie andere Menschen möchte ich die Möglichkeit haben, spontan mit der Bahn zu fahren“, sagt er: „Jedoch ist die Schwierigkeit häufig die Zugänglichkeit zum Gleis und zur Bahn.“ Die Deutsche Bahn verweise Gehbehinderte auf ihre Mobilitätsservice-Zentrale.

Bahnhof Göttingen: Kurzfristigere Fahrten könnten bei der 3-S-Zentrale-Hannover angemeldet werden

Hier könnten Hilfeleistungen für Bahnhöfe bis zu 24 Stunden vor Fahrtantritt angemeldet werden. Jedoch müsse die Deutsche Bahn den Service erst bestätigen. Kurzfristigere Fahrten könnten bei der 3-S-Zentrale-Hannover (Service, Sicherheit und Sauberkeit) angemeldet werden. Allerdings würden in beiden Fällen Hilfeleistungen häufiger abgelehnt.

„Von Mitarbeitern des Bahnhofsmanagements werden keine Hilfeleistungen, die möglich sind, abgelehnt“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn: „Die Mitarbeiter der Mobilitätsservice-Zentrale haben es sich zur Aufgabe gemacht, so viel Hilfe wie möglich anzubieten.“ Hier würden individuelle Lösungen erarbeitet werden.

Bahnhof Göttingen: Zu Beginn des Neubaus habe es noch keine Treppenraupe gegeben

Wurde eine Hilfeleistung bestätigt, sei der Fahrgast angehalten sich mindestens 30 Minuten vor der Abfahrt am Service-Punkt Göttingen zu melden. Der Leser sagt: „Außerhalb der Neubau-Zeit der Aufzüge sind es 20 Minuten.“ Die Zeit für Ein-, Aus- und Umstiege sei mit den Treppenraupen zeitaufwendiger, so die Sprecherin. „Alle Reisenden, die Hilfe anfordern, sollen diese erhalten“, sagt sie: „Das muss zeitlich gemanagt werden.“

Zu Beginn des Neubaus habe es noch keine Treppenraupe und auch nicht die zwei zusätzlichen Mitarbeiter gegeben, so der Leser. „Die Züge mit denen Rollstuhlfahrer fahren wollten oder in Göttingen ankamen, wurden auf ein anderes Gleis verlegt“, sagt er: „Meistens das Gleis 8, welches über eine Rampe und einen funktionierenden Aufzug barrierefrei zugänglich ist.“

Bahnhof Göttingen: Rampen seien an den Gleisen 4 und 5 sowie 6 und 7 nicht möglich

Von Mitarbeitern der Bahn habe er gehört, dass eine Gleisverlegung zusätzliche Kosten verursache. „Deshalb wird versucht, die Verlegung von Zügen auf ein barrierefreies Gleis zu vermeiden“, sagt er.

Anders die Sprecherin. „Wo immer es möglich ist, wird auch diese Lösung realisiert“, sagt sie: „Der Gleiswechsel muss aber mit dem Fahrplan vereinbar sein.“ Dabei müssten Fahrten aller Verkehrsunternehmen berücksichtigt und Verspätungen vermieden werden. Rampen seien an den Gleisen 4 und 5 sowie 6 und 7 nicht möglich. „Sie hätten zu viel Platz benötigt und dürfen nur einen geringen Neigungswinkel haben“, sagt sie.

Bahnhof Göttingen: Das Gleis 2 in Nörten-Hardenberg sei nur über einen Tunnel mit Treppen erreichbar

Auch auf andere Bahnhöfe in den Landkreisen Göttingen und Northeim weist der Leser hin: In Bodenfelde seien die Gleise 2 und 3 nur über einen Tunnel mit Treppen zugänglich, die zuggebundene Rampe für alle Gleise sei zu kurz. Letzteres sei auch in Vernawahlhausen, Offensen und Lödingsen so. In Lenglern sei der Zugang zum Gleis nur über Treppen möglich.

Das Gleis 2 in Nörten-Hardenberg sei nur über einen Tunnel mit Treppen erreichbar. Die Bahnhöfe in Bad Gandersheim und Hedemünden seien für Gehbehinderte nur teilweise zugänglich. Die Sprecherin sagt: „Die Bahnhöfe sind stufenfrei erreichbar. Ausnahme ist tatsächlich Nörten-Hardenberg. Ob die Züge der Eisenbahnverkehrsunternehmen barrierefrei zugänglich sind, hängt auch von der Bahnsteig- sowie der Ein- und Ausstiegshöhe der Züge ab.“ (Fabian Becker)

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