Hotel- und Gaststättenverband Göttingen strebt Fusion an

Dehoga-Vorsitzender Feuerstein: "Bürokratie setzt Gastronomen zu"

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Guter Dinge: Olaf Feuerstein, Geschäftsführer im Hotel Freizeit-In´ und Dehoga-Vorsitzender Göttingen.

Göttingen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Göttingen mit etwa 110 Mitgliedsbetrieben nutzte ein Treffen, um über positive Entwicklungen und Probleme zu sprechen.

Wir haben uns am Rande mit dem Vorsitzenden, Olaf Feuerstein, unterhalten, der auch davon berichtete, dass die Dehoga Göttingen eine Fusion mit dem Kreisverband Duderstadt anstrebt, um die Kräfte zu bündeln.

Herr Feuerstein, welche Betriebe vertreten Sie in der Dehoga Göttingen?

Olaf Feuerstein: Die Bandbreite in der Gastronomie reicht von Großrestaurant bis zur kleinen Eckkneipe, von Diskotheken bis zum Imbiss. Bei Hotels von kleineren Pensionen bis zu großen Häusern, wie unser Freizeit In. Die Probleme und Wünsche sind deshalb höchst unterschiedlich, wir versuchen, alle diese Interessen gleichmäßig zu berücksichtigen.

Sie leiten die Dehoga seit 2015. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Feuerstein: Dass diese Interessenvertretung ein wichtiges Forum ist, um Probleme und Entwicklungen zu diskutieren, sich auszutauschen. Wichtig ist auch, dass wir in Gremien vertreten sind, in Kontakt zur Stadtverwaltung stehen.

Sie hatten zum Neujahrsfrühstück auch den Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU) zu Gast, warum?

Feuerstein: Weil es so einige Dinge gibt, die wir den Politikern erklären und mit auf den Weg geben wollen und müssen. Fritz Güntzler ist jemand, der sich auch als Bundespolitiker nach wie vor für die lokalen Gegebenheiten, so im Hotel- und Gaststättenverband, interessiert. Die vielen Auflagen für uns Dehoga-Mitglieder kommen ja aus Berlin und Brüssel. Deshalb ist es gut, dass die Politiker auch wissen, wie das bei uns ankommt.

Stichwort Auflagen und Bürokratie – davon gibt es nicht unbedingt weniger, oder?

Feuerstein: Nein. Es ist immer wieder von Bürokratie-Abbau die Rede. Das Gegenteil ist aber der Fall. Allein die Bestimmungen durch den neuen Mindestlohn und die Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeiten bereiten vielen Betrieb Probleme. So wird mehr Zeit für diese Verwaltungsarbeit gebunden. Das geht manchmal auch von den Möglichkeiten ab, die Gäste zu betreuen. Dazu kommen mehr Auflagen in Bezug auf Hygiene, Bauten und Brandschutz. Wir sind in den vergangenen Jahren überschüttet worden mit Auflagen. Es wird immer schlimmer. Manche Politiker in Berlin und im noch weiter von der Basis entfernten Brüssel wissen gar nicht, wie belastend all das für die Betriebe ist.

Ist dieser Bürokratiewust demotivierend?

Feuerstein: Diese Auflagen sind ein Motivationskiller. Ein Betrieb wie in einem über Generationen betriebenen Landgasthaus lebt meist vom Herzblut, von der Begeisterung – auch der flexiblen Mehrarbeit, über vorgeschriebene Zeiten hinweg. Man lässt doch die Gäste nicht alleine, wenn es ihnen gefällt und sie spontan länger bleiben – nur weil die vorgeschriebene Arbeitszeit überschritten wird. Da klaffen Gesetze, Vorgaben und Realität doch weit auseinander. Und wie gesagt, wer diese macht, kennt oft nicht die Auswirkungen. Es ist jedenfalls bitter, wenn deshalb Betriebe die Türen schließen. Vieles lässt sich auf dem Papier festlegen, die Realität erfordert in der Gastronomie aber viel Flexibilität. Die Gäste sind ja auch flexibel. Wir sind keine Kantinen von öffentlichen Verwaltungen. Wir können auch den Gast nicht verwalten.

Was sagen die Mitarbeiter?

Feuerstein: Es gibt einige, die genauso mit viel Enthusiasmus dabei sind und mehr arbeiten würden, wenn sie dafür entlohnt würden. Aber das wird ihnen ja kraft Papier untersagt. Ihnen wird also verboten ihre Begeisterung für den Beruf, den Betrieb auszuleben. Unserer Branche darf man den Enthusiasmus nicht nehmen.

Thema Mittagstisch: Warum gibt es nicht mehr Angebote?

Feuerstein: Für kleinere Betriebe ist das eine Personal- und Kapazitätsfrage, eine Grundsatzentscheidung. Man muss viel Personal vorhalten, um schnell ein – dazu noch preiswertes – Essen bieten zu können. Und dann ist da die Frage, ob sich das lohnt. Speziell beim Mittagstisch kommt auch wieder die Arbeitszeitenregelung ins Spiel. Auch diese Auflagen können Inhaber dazu bewegen, keinen Mittagstisch mehr anzubieten, wie er früher viel häufiger anzutreffen war.

Zur Person

Olaf Feuerstein (52), gebürtig in Cuxhaven, hat die gern skizzierte Bilderbuch-Karriere vom Tellerwäscher zum Hoteldirektor – mit einigen Zwischenstationen – hingelegt. Grundlage waren die Ausbildung zum Koch und ein späteres Studium mit dem Abschluss Hotel-Betriebswirt in Hannover. Nebenbei kellnerte Feuerstein damals im Mövenpick. Dann wechselte er als Direktionsassistent in Hotels im holländischen Ahaus. 1993 dann der Sprung ins Freizeit In Göttingen, wo er 1995 vom Wirtschafts- zum Hoteldirektor wurde. Seit 2007 ist Olaf Feuerstein Hauptgesellschafter der GmbH mit einem Anteil von 77,5 Prozent. Als Referent für Wirtschaftsthemen ist er bundesweit gefragt. Ehrenamtlich engagiert er sich in beruflichen Vereinigungen und bei den Rotariern. Er lebt in Göttingen, ist verheiratet mit Juliane und hat vier Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren. Feuerstein ist sportbegeistert und als Fußballer laufstarker Spieler auf der Außenbahn.

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