Göttinger forschen über Virus-Varianten

Corona-Forscher aus Göttingen: Delta gegen einige Antikörper resistent

Schematische Darstellung des Spike-Proteins der SARS-Cov2 Delta-Variante mit Mutationen (rot) an der Rezeptor-Bindungs-Domäne (lila) und der N-terminalen Domäne (blau).
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Corona-Virus: Schematische Darstellung des Spike-Proteins der SARS-Cov2 Delta-Variante mit Mutationen (rot) an der Rezeptor-Bindungs-Domäne (lila) und der N-terminalen Domäne (blau).

Fast alle SARS-Cov2-Infektionen in Deutschland gehen laut Robert Koch Institut auf die Delta-Variante zurück. Göttinger Wissenschaftler erforschen die Eigenschaften.

Göttingen – Mehr als 99 Prozent der SARS-Cov2 Infektionen in Deutschland gehen laut Robert Koch Institut (RKI) derzeit auf die Delta-Variante zurück. Warum aber breitet sich die SARS-Cov-2 Delta-Variante so schnell aus? Und: Sind Delta Plus Viren besonders gefährlich? Diesen Fragen ist ein Wissenschaftsteam auch mit Göttinger Forschern nachgegangen.

Sie konnten auch das „Erfolgsgeheimnis“ von Delta und Delta Plus offenlegen: Diese Corona-Virus-Varianten infizieren die Lungenzellen besser als das Ursprungsvirus. Aber: Delta Plus ist für Geimpfte wahrscheinlich keine größere Gefahr, als Delta.

Corona: Wissenschaftler aus Göttingen untersuchen Delta-Variante

Weitere wichtige Erkenntnisse aus dem gemeinschaftlichen Forschungsprojekt von Deutschen Primatenzentrum (DPZ) Göttingen, Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und der Uni Erlangen-Nürnberg (Veröffentlichung in The Lancet, Cell Reports, Cell Mol Immunol): Einer von vier zur Behandlung von Covid-19 eingesetzten Antikörper war gegen die Corona-Variante Delta nicht wirksam, und Delta Plus war sogar gegen zwei der Antikörper resistent. Auch Antikörper, die nach Impfung mit den Vakzinen von BionTech/Pfizer und AstraZeneca gebildet wurden, waren gegen Delta und Delta Plus weniger wirksam als gegen das Ursprungsvirus. Das so die Forscher, habe vermutlich zur raschen Ausbreitung von Delta beigetragen.

Corona-Forscher am Deutchen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen: Abteilungsleiter Prof. Stefan Pöhlmann (Mitte) mit den Infektionsbiologen Dr. Markus Hoffmann Dr. Prerna Arora.

Mit Hilfe von Experimenten in Zellkultur konnte das Team um Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann vom DPZ zeigen, dass Delta im Vergleich zum Corona-Ursprungsvirus besser in Lungenzellen eindringt. Auch gelingt es Delta besser, infizierte Lungenzellen mit nicht infizierten Zellen zu verschmelzen. „Es ist denkbar, dass sich die Delta-Variante durch die Verschmelzung von Zellen in den Atemwegen besser ausbreiten und größeren Schaden anrichten kann. Das könnte zu schwereren Covid-19-Verläufen beitragen“, vermutet Prerna Arora vom DPZ, Erstautorin zweier Studien, die sich speziell mit der Delta- und Delta Plus-Variante befassen.

Corona-Forschung: Delta Plus gegen zwei Antikörper resistent

Zur Behandlung von Covid-19 werden monoklonale Antikörper eingesetzt. Monoklonale Antikörper sind Proteine, die gentechnisch hergestellt werden. Anders als unser Immunsystem, das bei einer Infektion eine Vielzahl von Antikörpern gegen den Erreger produziert, werden also für die Covid-19-Therapie nur isolierte Antikörper oder Kombinationen dieser Antikörper eingesetzt.

Vier dieser Antikörper hat das Team um Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann untersucht. Dabei zeigte sich, dass Delta resistent ist gegen den Antikörper Bamlanivimab. Delta Plus ist resistent gegen zwei Antikörper: Bamlanivimab und Etesevimab, die bei der Behandlung von Erkrankten in Kombination eingesetzt werden. Delta und Delta Plus werden vergleichbar neutralisiert. „Das bedeutet, dass die Impfung wahrscheinlich einen ähnlichen Schutz gegen sie vermittelt und Delta Plus nicht deutlich gefährlicher ist“, sagt Stefan Pöhlmann. Zuvor hatten die Forscher aus Göttingen bereits herausgefunden, dass Corona-Antikörper weniger stark auf Antikörper reagieren.

Corona: Antikörper gegen Delta und Delta Plus trotz Impfung weniger wirksam

Auch Antikörper, die nach Impfung mit BionTech/Pfizer und AstraZeneca gebildet wurden, waren gegen Delta und Delta Plus weniger wirksam als gegen das Ursprungsvirus.

Delta und Delta Plus wurden dagegen vergleichbar gehemmt. Deswegen könne man davon ausgehen, dass Delta Plus für Geimpfte wahrscheinlich keine größere Gefahr darstellt als Delta.

Schließlich hatten Personen, die zuerst mit AstraZeneca und dann mit BionTech geimpft wurden, deutlich mehr Antikörper, die Delta hemmten, als Personen, die zweimal mit AstraZeneca geimpft wurden. Die Kombination von Impfstoffen könnte daher geeignet sein, um einen besonders starken Schutz gegen SARS-CoV-2-Varianten aufzubauen. (Thomas Kopietz)

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