Demo gegen Flüchtlingsunterkunft in Wollershausen

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Flüchtlinge demonstrieren vor dem Göttinger Kreishaus : Mit Plakaten und Reden schildern sie die aus ihrer Sicht schlechte Situation in der Flüchtlingsunterkunft Wollershausen.

Göttingen. „Wir wollen ein gutes Leben, wir wollen nicht im Dorf wohnen", stand in persischer Schrift auf den Plakaten der Demonstranten.

30 Flüchtlinge protestierten am Donnerstag zusammen mit weiteren Teilnehmern vor dem Kreishaus in Göttingen. Kern ihrer Kritik ist die Flüchtlingsunterkunft in Wollershausen - diese sei zu abgelegen, die Mitarbeiter kontrollierten die Bewohner zu streng und der Landkreis würde ihnen verbieten, in eine andere Unterkunft zu ziehen. Ein großes Problem an Wollershausen sei der geringe Kontakt zu den Einwohnern. „Wir wollen nicht im Camp isoliert sein, wir wollen Kontakt zur deutschen Bevölkerung“, sagt ein Bewohner der Unterkunft.

Laut den Demonstranten hakt es dabei auch an wenigen Möglichkeiten, nach Göttingen zu gelangen. „Es gibt zwar einen Fahrdienst, aber der besteht nur aus einem Kleinbus. Für die 150 Geflüchteten in Wollershausen ist der viel zu klein“, meint Karl Becker von den basisdemokratischen Linken. Dazu seien die Fahrkarten für den Linienbus zu teuer.

In Wollershausen sei auch das schlechte Internet-Netz ein Problem. Viele Flüchtlinge brauchen funktionierendes Internet, um soziale Kontakte in ihre Heimat zu pflegen und mit der Familie zu kommunizieren.

Die Bewohner der Unterkunft müssen in Wollershausen bleiben, kritisiert Becker. Auch, wenn Flüchtlinge erfolgreich eine Wohnung gefunden hätten, bleibe ihnen ein Wechsel dorthin verwehrt. „Wir wollen selber bestimmen, wo wir wohnen“, sagen die Flüchtlinge.

Landkreis widerspricht

Laut Ulrich Lottmann, Pressesprecher des Landkreises Göttingen, sei die Aufregung um die Flüchtlingsunterkunft in Wollershausen für den Kreis nicht nachvollziehbar. So werde in der Unterkunft gut für die Bewohner gesorgt; auch sei ein Internetzugang vorhanden. Dieser werde in den nächsten Wochen stabilisiert und verstärkt.

In Duderstadt organisiere die Betreiberin der Unterkunft, die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB), Deutschkurse. Die Busfahrten dorthin würden den Flüchtlingen erstattet.

Zudem sei die Mobilität in Wollershausen gesichert. Neben zwei Transport-Bussen, die beispielsweise für Arztbesuche genutzt werden können, seien auch Fahrräder vorhanden. „Der Vorwurf, die Flüchtlinge leben abgeschottet, ist eine Verkehrung der Tatsachen“, so Lottmann.

Die Flüchtlinge erfahren laut Landkreis viel Kontakt mit Wollershausens Einwohnern. Sportverein, Kirchenchor, die Gemeinde und viele Helfer organisieren gemeinsame Abende mit den Flüchtlingen. „Gerade für die Menschen in Wollershausen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind die Vorwürfe frustrierend und in jeder Hinsicht kontraproduktiv“, sagt Lottmann.

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