Laut Polizei 750 Gegendemonstranten - Massive Behinderungen und fliegende Böller

Demo gegen NPD-Kundgebung in Göttingen: Straßenbarrikaden brannten

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Brennende Barrikaden

Göttingen. Die NPD-Kundgebung am Göttinger Bahnhof und die Gegendemonstrationen halten die Polizei in Göttingen in Atem und sorgen für erhebliche Verkehrsbehinderungen.

Aktualisiert um 12.41 Uhr

Gegen 9 Uhr treffen sich die Gegendemonstranten am Platz der Synagoge und begaben sich später auf einen Zug rund um die Innenstadt, der am Bahnhofsvorplatz endet. Vorneweg gehen – begleitet von der Polizei – die Demonstranten des Bündnis gegenRechts. Dahinter folgen etwa 500, meist schwarz gekleidete, Teilnehmer eines Antifa-Gruppen-Zuges. Das Bündnis für Rechts versammelt sich am Bahnhofsvorplatz zu einer Kundgebung mit Reden. Vor Ort sind auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) und die Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta, beide aus Göttingen. „Wir hoffen auf einen ruhigen Verlauf“, sagt Wenzel. Polizeipräsident Uwe Lührig geht optimistisch davon aus, dass „es relativ ruhig bleiben wird“.

Die Polizei Göttingen auf Twitter

Eine Hoffnung, die schon bald nicht mehr ganz in Erfüllung geht: Der Antifa-Zug setzt sich über den Maschmühlenweg in Richtung Güterverkehrszentrum in Bewegung. Das führt zu massiven Verkehrsbehinderungen im Bereich Hannoversche Straße/Goßlerstraße/Maschmühlenweg und bis zum Bahnhof. ÜberTwitter meldet die Polizei, dass der Bereich weitgehend umfahren werden soll. Am GVZ dann fliegen Böller gegen Polizeibeamte, begleitet von Sprechchören. Für die Antifa-Demonstranten sind die Polizisten die Schützer der Nazis, weil sie kraft Gesetzes die Veranstaltung der NPD schützen müssen.

Die Polizei sichtet Personen in den Gleisanlagen, sie wollen vermutlich die Ankunft der NPD-Teilnehmer verhinderten. Der Bahnverkehr wird eingeschränkt. Dann werden die Gleise geräumt. Ein Hubschrauber der Bundespolizei wird eingesetzt, um die Strecke zu überfliegen und nach weiteren Demonstranten auf den Gleisen Ausschau zu halten. In der Goßlerstraße/Kreuzbergring brennen Barrikaden und Mülltonnen.

Gegen 11 Uhr ziehen die etwa 500 Demonstranten vom GVZ wieder zurück durch den Maschmühlenweg zum Versammlungsort der Gegendemonstrationen am östlichen Ende des Bahnhofsvorplatz – begleitet von vielen hundert Polizisten. Direkt am Bahnhofsgebäude ist ein etwa 20 mal 10 Meter großer Platz für die NPD-Kundgebung mit Trenngittern abgeteilt und -gesichert worden.

Im Bahnhof läuft alles relativ normal weiter: Reisende können durch verengte und polizeilich gesicherte schmale Eingänge vorbei an Einsatzfahrzeugen das Gebäude erreichen oder verlassen.

Sie versorgen sich mit Proviant, warten auf die Züge. Manche plaudern mit Polizisten, die sich offen zeigen: „Jetzt hauen wir ab, uns ist es doch zu unruhig hier“, sagt ein Mann lachend und wünscht den jungen Polizisten noch einen „kurzen Arbeitstag“. Dann setzt er sich in Bewegung – sein Zug geht in Kürze.

Eine Familie auf Zwischenstopp ist irritiert über die vielen stark ausgerüsteten Polizeibeamten im und um den Bahnhof. Der Vater sagt: „Wir sind froh, wenn wir weiterfahren können.“ Der Zug geht in einer halben Stunde.

Draußen verdichtet sich die Masse der Protestteilnehmer. Die NPD-Kundgebungsteilnehmer werden gegen 11 Uhr erwartet. Sie kommen mit dem Zug, werden von der Polizei begleitet. Ein Bild das irritiert, aber nicht vermeidbar ist.

Um 11.30 Uhr treffen die ersten NPD-Kundgebung-Teilnehmer ein. Es sind anfangs wenige, eine halbe Stunde später etwa 100 Personen. Die Gegendemonstranten rufen im Stakkato: „Haut ab“.

Zwischen den Gruppen stehen auf einem etwa 50 Meter breiten Streifen 50 Polizeibeamte mit schwerer Schutzmontur in der prallen Sonne. Sie werden in Intervallen ausgetauscht.

Die NPD-Teilnehmer stehen gelangweilt, provokativ herum, unterhalten sich. Sie werden von einer Gruppe Gegendemonstranten, die sich von links nahe heran gewagt haben, verbal attackiert.

Pfiffige Aktion: Für jede Minute, die die NPD-Leute vor dem Bahnhof stehen, werden 20 Euro für die Hilfsorganisation Sea-Watch und einzelne bedürftige Flüchtlinge gespendet. Via Lautsprecher wird stetig das Zwischenergebnis verkündet: Geschafft: "1000 Euro! Danke, ihr Nazis.“

Um 12.30 Uhr verlassen die NPD-Teilnehmer ihre Kundgebung. 1100 Polizisten waren im Einsatz.

Demo gegen NPD-Kundgebung in Göttingen

Fotos von der "Warm-up"-Demo am Freitag

320 Teilnehmer bei "Warm-up"-Demo in Göttingen

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