Etwa 650 Teilnehmer

Demo in Göttingen: Südniedersachsen treten Rassismus entgegen

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Gemeinsam gegen Rassismus: Die Demonstranten an der Kreuzung Bürgerstraße/Reinhäuser Landstraße auf dem Weg zum Hiroshimaplatz.

Geschätzte 650 Menschen haben am Donnerstag in Göttingen gegen Rassismus und Ausgrenzung demonstriert.

Am Internationalen Tag gegen Rassismus hatte die IG Metall Südniedersachsen-Harz zu zwei Demo-Zügen und einer Abschlusskundgebung am Hiroshimaplatz aufgerufen.

Aus ganz Südniedersachsen hatten sich Menschen zunächst am Schützenplatz und am Jahnstadion getroffen. Sie zogen trommelnd und klatschend durch die Stadt Richtung Neues Rathaus – getreu dem Motto „Applaus für Respekt, Solidarität und Demokratie – statt Ausgrenzung und Rassismus“.

Gemeinsam gegen Rassismus: Die Demonstranten an der Kreuzung Bürgerstraße/Reinhäuser Landstraße auf dem Weg zum Hiroshimaplatz.

In seiner Begrüßungsansprache dankte der 1. Bevollmächtigte der IGM Südniedersachsen-Harz, Manfred Zaffke, ausdrücklich den vielen regionalen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter für die Demonstration freigestellt hatten: „Ein großer Dank an die Betriebe, die uns unterstützt haben. Das zeigt, dass man in unserer Gesellschaft auch für gemeinsame Werte einstehen kann.“

Viel Applaus gab es vor allem für Mohammad Alhussein, einem Auszubildenden bei der Sartorius AG, der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet war. Gemeinsam mit Uwe Bretthauer, Betriebsrat bei Sartorius, erzählte Alhussein auf dem Podium am Hiroshimaplatz seine Geschichte über gelungene Integration.

Im syrischen Kriegsgebiet habe es damals keine Schule und keine Sicherheit sowie nur eingeschränkt Wasser, Strom und Lebensmittel gegeben. Als er mit seinen Eltern und drei Geschwistern über die Türkei, Bulgarien, Ungarn und Österreich („Balkanroute“) in Friedland angekommen war, habe er schnell gemerkt, dass er die Sprache lernen muss, um wirklich anzukommen, sagte Alhussein. „Zunächst startete ich im Selbststudium mit Büchern, da es damals noch keine Deutschkurse für Flüchtlinge gab. Ich lernte die deutsche Grammatik. Später nahm ich dann für drei Monate an einem freiwilligen Deutschkurs teil.“

Sie zeigten, dass Integration kein Wunschtraum ist: Mohammad Alhussein (links) und Uwe Bretthauer von Sartorius.

Über die Agentur für Arbeit sei ihm ein dreimonatiges Praktikum bei Sartorius vermittelt worden. Im Oktober 2015 – ein halbes Jahr nach seiner Ankunft – hatte er nun die Möglichkeit, viel Deutsch zu sprechen. Schnell habe er Freunde im Betrieb gefunden. Seit August 2018 ist Mohammad Alhussein nun Auszubildender als Chemikant.

Er betonte, wie wichtig es ist, dass man soziale Kontakte in der neuen Heimat knüpfen kann, Grundlage dafür sei das Erlernen der Sprache. „Mangelnde soziale Kontakte ebnen den Weg zu Alkohol und anderen Drogen.“

Für Bretthauer ist Alhussein ein Beispiel dafür, dass Integration machbar ist und auch funktioniert. Gerade in einem Unternehmen wie Sartorius, das weltweit Menschen aus 77 verschiedenen Ländern beschäftigt. Allein in Göttingen seien 3000 Mitarbeiter aus 42 Nationen angestellt. Auch deshalb betonte Bretthauer: „Es sind Millionen von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, die bei uns für Wohlstand und volle Sozialversicherungskassen sorgen.“

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