Arbeit in den Gemeinden

Demokratieforscher: AfD stellt die Kirchen vor Herausforderungen

Göttingen. Der Wahlerfolg der AfD entzweit die Kirchengemeinden. Zu dieser Einschätzung gelangt der Göttinger Demokratieforscher Michael Lühmann.

Demnach wiesen Evangelikale Christen und ultrakonservative Katholiken eine große Gemeinsamkeit zu AfD-Positionen auf.

„Gemeinsamkeiten finden sich in einer Anti-Haltung zum Islam, in der Ablehnung der Ehe für alle, der Abtreibung und der Gleichstellung von Mann und Frau“, erklärte Lühmann. Die Auffassungen darüber, was christlich sei, lägen in Kirchengemeinden zum Teil extrem weit auseinander. So sieht der Politikwissenschaftler die Kirchen durch den Wahlerfolg der AfD herausgefordert. Zwischen Anhängern einer sehr strengen Bibelauslegung und Vertretern liberaler Großstadtgemeinden zu moderieren, sei für Kirchenleitungen nicht leicht, so Lühmann.

Heftige Konflikte

Die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge in Deutschland habe heftige Konflikte in die Kirchen getragen. „Auf der einen Seite sind da Hunderttausende Christen, die – der Nächstenliebe verpflichtet – Flüchtenden helfen. Zu ihnen zählen auch Pfarrer, die Kirchenasyl gewähren, und Bischöfe, die das Licht löschen, wenn die Menschenfeinde von Pegida auf der Straße demonstrieren.“ Die überwiegende Zahl der Christen stelle sich mit aller Deutlichkeit gegen eine Abwehr von Flüchtlingen und gegen Islamhass, so Lühmann. Auf der anderen Seite seien bekennende Christen von Anfang an bei den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) mitmarschiert. „Es waren eben nicht nur die Hooliganszene und organisierte rechte Kreise, die das Dresdner Phänomen groß machten, sondern auch und ganz besonders Teilnehmende aus dem sächsischen Bibelgürtel, die mit dem Hochhalten von Kirchenkreuzen den Aufmärschen ihr paradoxes Abendland-Gepräge mit verliehen“, sagte Lühmann, der 2017 in einem Forscherteam eine Studie zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland erstellt hat. (epd/ana)

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.