Mitarbeiter klagen über Zeitverträge

Demonstration für mehr unbefristete Stellen an der Uni Göttingen

Protest mit gepackten Koffern: 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Göttingen demonstrierten gegen Zeitverträge.
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Protest mit gepackten Koffern: 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Göttingen demonstrierten gegen Zeitverträge.

„Dauerstellen für Daueraufgaben“: Das haben etwa 100 Beschäftigte der Universität Göttingen bei einer Demonstration gefordert. Zu ihr hatte die Initiative „Uni Göttingen Unbefristet“ anlässlich der überregionalen Aktionswoche #EntfristenStattStreichen aufgerufen.

Göttingen – Mit Koffern in der Hand zogen die Wissenschaftler und ihre Kollegen aus Technik und Verwaltung vom Campus zum Bahnhof. „Wir sitzen auf gepackten Koffern“, erklärte Sprecherin Lydia Brenz. Seit dreieinhalb Jahren schule sie angehende Lehrkräfte in deutscher Didaktik. Wie viele andere befristet Beschäftigte wisse sie nicht, wie es nach Auslaufen ihres Zeitvertrags weitergehe. Manche würden gar nicht erst nach Göttingen ziehen. Sie pendelten von ihrem derzeitigen Wohnort aus in die Uni-Stadt.

„Gerechtfertigt werden die Befristungen bei Wissenschaftlern oft damit, dass es sich um Stellen zur Promotion oder Habilitation handeln würde“, so Brenz. Tatsächlich übernähmen die Stelleninhaber aber häufig Aufgaben, die dauerhaft erbracht werden müssten. Zum Teil würden Stellen für Daueraufgaben auch über Drittmittel finanziert. Gegen diese Missstände werde seit Jahren gekämpft. Unterstützung erhielten die Teilnehmer von der Gewerkschaft Verdi und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Brenz appellierte, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

„Die Situation wird sich aufgrund der Kürzungsvorgaben, die die Landesregierung der Universität macht, enorm verschlechtern“, erklärte Hanna Grondmann vom Bündnis Antisparmaßnahmen. Gerade für innovative Ansätze etwa in der Lehre oder bei der Digitalisierung ließen sich häufig nur noch zeitlich begrenzt Mittel aufbringen.

„Die Universität finanziert Beratungsangebote und Tutorien mit Geldern, die eigentlich für die Verbesserung des Studiums für die Grundversorgung hinaus vorgesehen sind“, ärgerte sich Frederik Eichs, Fachschaftssprecher der Philosophischen Fakultät. Aufgrund der vom Land verordneten „globalen Minderausgaben“ besetze die Hochschule Stellen nicht nach, streiche Angebote wie den Niederländischkurs und lasse Studiengänge – etwa die Finnougristik – auslaufen.

Einen Haustarifvertrag für studentische Hilfskräfte forderte die Basisinitiative TV Stud. Die Hilfskräfte erhielten nur „knapp den Mindestlohn“, machten oft Überstunden, im Krankheitsfall würde es häufig „keine Lohnfortzahlung“ geben, eine Aufklärung über Urlaubsansprüche unterbleibe vielfach.

„Die Universität ist laufend mit den Fakultäten im Gespräch, um Tätigkeiten, die dauerhaft im wissenschaftlichen Bereich nötig sind, zu identifizieren“, betont Uni-Pressesprecher Romas Bielke. Ziel sei es, „eine verlässliche Basis für Einrichtung und Besetzung von Funktionsstellen“ zu schaffen. Andererseits habe aufgrund der „deutlich gestiegenen“ Einwerbung von Drittmitteln in den vergangenen Jahren auch die Anzahl befristet beschäftigter Mitarbeiter zugenommen. Weitere Infos gibt es hier. (Michael Caspar)

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