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Krieg in der Ukraine hat Folgen für die niedersächsische Wirtschaft

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Von: Raphael Digiacomo

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Ein ukrainischer Soldat mit einem Maschinengewehr
Ein ukrainischer Soldat steht an der Trennlinie zu pro-russischen Rebellen in der Region Donezk. (Archivbild) © Andriy Dubchak/dpa

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine überschlagen sich die Ereignisse, die auch massive Auswirkungen auf Niedersachsen haben.

Hannover – Neben den Medienhäusern verbreiten auch Augenzeugen über die sozialen Netzwerke beinahe im Minutentakt neue Berichte, Fotos und Videomitschnitte von Boden- und Luftgefechten zwischen ukrainischen und russischen Soldaten – und vermutlich leider auch Zivilisten.

Wenngleich eine seriöse Einordnung dieser Eindrücke zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen ist, steht bereits fest: Die Kampfhandlungen haben bereits zahlreiche Menschenleben auf beiden Seiten gekostet und beschränken sich mitnichten auf die im Osten der Ukraine liegenden Grenzgebiete Donezk und Luhansk. Längst ist es zu heftigen Zusammenstößen unter anderem in der Hauptstadt Kiew, der Küstenmetropole Odessa und Lemberg, der rund 70 Kilometer von Polen – und damit eines Nato-Mitgliedstaats – entfernten Stadt im Westen des Landes, gekommen.

Auswirkungen des Ukraine-Krieges: Auch in Niedersachsen wächst die Sorge

Während die Weltgemeinschaft den Atem anhält und mit Fassungslosigkeit auf den Konflikt in Osteuropa blickt, wachsen hierzulande auch die Sorgen über die humanitären und wirtschaftlichen Konsequenzen für Niedersachsen. In einer zunehmend globalisierten Welt haben Krisen von dem Ausmaß des aktuellen Konflikts in Osteuropa naturgemäß auch direkte und indirekte Auswirkungen auf die Menschen und das Leben in Niedersachsen.

Sowohl Russland als auch die Ukraine sind seit jeher wichtige Handelspartner des Landes Niedersachsen, nicht zuletzt wegen der Vernetzung heimischer internationaler Konzerne wie Volkswagen und einem intensiven Rohstoffhandel.

Auswirkungen des Ukraine-Konflikts in Niedersachsen: Handel mit Russland

So lag Russland laut dem niedersächsischen Landesamt für Statistik (LSN) 2021 auf Platz 22 der wichtigsten Handelspartner des Landes. Der Warenwert der in Niedersachsen eingeführten Importe aus Russland belief sich bis einschließlich November auf rund 1,1 Milliarden Euro – der Wert der Exporte auf circa 1,5 Milliarden Euro.

Importschlager sind dabei Steinkohle und -briketts mit einem Marktanteil von knapp 25 Prozent, Kupfer (17 Prozent), Mineral- (16 Prozent) und Erdölerzeugnisse und Erdgas (10 Prozent). Top-Exporte sind Fahrzeugteile wie Motoren, Karosserien und Fahrgestelle (10 Prozent) sowie landwirtschaftliche Maschinen (7 Prozent).

Ukraine-Krieg - hier gibt es aktuelle Karten und Grafiken zur russischen Invasion.

Auswirkungen des Ukraine-Konflikts in Niedersachsen: Handel mit der Ukraine

Die Ukraine belegte im Jahr 2021 Platz 37 der wichtigsten Handelspartner Niedersachsens in Sachen Importe und Platz 40 in Bezug auf Exporte. Der Warenwert der Importe aus der Ukraine belief sich bis einschließlich November auf 360 Millionen Euro – der der Exporte auf 294 Millionen Euro.

Importiert wurden vor allem Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung mit einem Marktanteil von rund 29 Prozent, Mais (10 Prozent) sowie Maschinenteile (7 Prozent). Exportiert wurden dagegen in erster Linie Pkws und Wohnmobile (10 Prozent), der Dauerbrenner landwirtschaftliche Maschinen (9 Prozent) und diverse Kunststoffe (8 Prozent).

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU).
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). © Moritz Frankenberg/dpa

Erste Folgen der Krise: Nordstream 2 liegt vorerst auf Eis

Zu den unmittelbaren Sanktionen der Bundesregierung gegenüber der Russischen Föderation als Aggressor in dem als Angriffskrieg gewerteten Konflikt gehörte ein unverzüglicher Stop der Zertifizierung von Nordstream 2. Damit ist das gigantische Ostsee-Pipeline-Projekt, das Deutschland direkte Gaslieferungen aus Russland sichern sollte, vorerst auf Eis gelegt.

Nun will die niedersächsische Landesregierung die Abhängigkeit von russischen Gasimporten mit Import-Terminals für Flüssigerdgas (LNG) verringern. „Gemeinsam mit Investoren werden wir die Voraussetzungen für eine größere Unabhängigkeit von russischem Gas schaffen müssen“, betonte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Donnerstag im Landtag. (Raphael Digiacomo)

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat sich zum Ukraine-Konflikt geäußert. Unter anderem unterstützt er die Waffenlieferungen, die von der Bundesregierung angekündigt wurden.

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