Göttingen: „Der verflixte Beethoven“

Felix Reuter trat mit seinem neuen Programm im Alten Rathaus auf

Felix Reuter tritt am Samstag im Alten Rathaus in Göttingen anlässlich des Göttinger Kultursommers auf.
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Felix Reuter trat am Samstag im Alten Rathaus in Göttingen mit seinem neuen Programm „Der verflixte Beethoven“ anlässlich des Göttinger Kultursommers auf.

Einen unterhaltsamen Abend verbrachte das Publikum im ausverkauften Saal des Alten Rathauses, wo Felix Reuter im Göttinger Kultursommer mit seinem neuen Programm „Der verflixte Beethoven“ gastierte.

Göttingen – Ludwig van Beethoven, der in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte, zählte zweifelsohne zu den bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte. Er führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung und bereitete der Musik der Romantik den Weg. Kein Grund jedoch für Felix Reuter, deswegen gleich in Ehrfurcht zu versinken. Denn Beethoven, der „kleine Große“ mit dem ausgeprägten Gehörproblem und dem Hang zu Schimpftiraden und Wutanfällen, war ja schließlich auch nur ein Mensch.

Mit langem Mantel, rotem Schal, einem weißen Rüschenhemd und spitzen Schnallenschuhen betritt Reuter die Bühne, setzt sich an den schwarzen Flügel und gibt direkt den Beethoven. Schnell wird seinen rund 70 gebannt lauschenden Zuhörern aber klar, dass sie heute kein Klassikkonzert im herkömmlichen Sinne zu erwarten haben. Fast schon virtuos nimmt Reuter all die bekanntesten Stücke Beethovens aufs Korn, verpackt sie in Geschichten, die seiner Fantasie entspringen, in denen aber womöglich doch ein Fünkchen Wahrheit steckt. Er erzählt, dass aus dem Pfeifen einer Kohlmeise „Für Elise“ entstanden ist. Könnte so gewesen sein oder auch nicht.

Und wie Beethoven gelebt und gelitten hat. Kraftvoll, wütend, unglücklich. Diese Emotionen setzt er dann in seinem Spiel um. Bei der Mondscheinsonate etwa pustet er durch, lehnt sich gelangweilt zurück, verdreht die Augen und stützt sich mit einem Ellenbogen sogar auf. „Für den Anfang braucht es Geduld“, sagt er, um dann aber plötzlich nur ein kleines Bisschen an den Noten zu schrauben und unversehens ins „Happy Birthday“ abzudriften. „Man muss aufpassen, dass man das nicht verwechselt, so viele Töne sind es ja auch nicht“, bemerkt er beinahe beiläufig.

Reuter spielt die Stücke nur an. Soweit, wie man sie kennt. Meistens ausgewählte Themen oder nur einige Akkorde. Er zeigt dem Publikum, was man aus Beethovens Melodien alles machen kann. So wird aus „Freude schöner Götterfunken“ plötzlich das DDR-Weihnachtslied „Sind die Lichter angezündet“. Egal ob Jazz, Pop oder sogar deutscher Schlager – alles lässt sich ohne große Mühe in Beethovens Musik hineininterpretieren, wenn man sich nur lange genug mit ihr beschäftigt hat. Eines aber haben alle an diesem Abend gespielten Melodien gemeinsam: die bedeutsame Pause am Schluss, ein letztes hohes „Pling“ und ein vielsagender Blick des Künstlers ins Publikum. Und das ist am Ende so begeistert, dass der Applaus gar kein Ende nehmen will.  (Per Schröter)

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