HNA-Serie: "Was ist das denn?"

Deswegen stehen in Göttingen weiße Fahrräder am Straßenrand

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Aktion „Ghost-Bikes“ der Polizeiinspektion2 Göttingen: Jörg Arnecke erklärt das Projekt und die weißlackierten Fahrräder, die für einen dort getöteten Fahrradfahrer stehen. Hinter Arneke ist Bauhof-Leiter Volker Hempfing zu sehen.  

Göttingen. Besucher, aber auch Göttinger fragen sich immer wieder: Was sind das für komplett weiß-lackierte Fahrräder, die an Kreuzungen und Straßenrändern aufgestellt sind?

Es sind Mahnmale für Verkehrstote, wie der Verkehrsicherheitsberater der Göttinger Polizei Jörg Arnecke sagt.

Wundern Sie sich auch manchmal, wenn Sie in Göttingen etwas Rätselhaftes entdecken. In unserer Serie „Was ist das denn?“ werden wir über diese Dinge berichten und Fragen dazu beantworten.

Herr Arnecke, wofür stehen die weißen Räder?

Jörg Arnecke: Die weißen Fahrräder, die „Ghost-Bikes“, stehen an Orten, wo schreckliche Verkehrsunfälle mit tödlich verletzten Radfahrern passierten. Das sind aber nicht sogenannte Unfallhäufungsstellen oder -schwerpunkte.

Wie viele Ghost-Bikes gibt es in der Göttinger-Innenstadt?

Wirbt für Verkehrssicherheit: Jörg Arnecke.   

Arnecke: In Göttingen gibt es bald zehn Räder. Wie gesagt, sie stehen leider immer für einen getöteten Radfahrer. Deshalb sind sie auch ein Mahnmal. Wir wollen über die Wahrnehmung der Räder durch andere Verkehrsteilnehmer für mehr gegenseitige Rücksichtsnahme im Straßenverkehr werben. Sie sind also auch ein Mahnmal für mehr Fairneß im Umgang miteinander sowie für das Beachten und Einhalten von Verkehrsvorschriften, damit diese schrecklichen Unfälle erst gar nicht passieren.

Woher kam die Idee für die Ghost-Bikes?

Arnecke: Das Ghost-Bike-Projekt kommt aus den USA. Es wurde um 2003/2004 im Südstaat Louisiana auf den Weg gebracht. Hier in Göttingen wurde es mit Netzwerkpartnern etwa vor dreieinhalb Jahren thematisiert und umgesetzt, sprich die Räder wurden vorbereitet und aufgestellt.

Wer war und ist in dem Netzwerk beteiligt?

Arnecke:Das sind die Verkehrswacht Göttingen, die Stadt und Uni Göttingen, die Polizei. Jetzt sind weitere Partner im Boot: Die Fahrräder wurden neu gestrichten, dabei hat der Round Table Göttingen geholfen. Die Mitglieder von „Table 89“ bauten die Räder ab. Dann haben Schüler der Berufsbildenden Schulen I, Arnoldi-Schule, unter Leitung von Herrn Schmidt und den Round-Tablern die Räder neu gestrichen. Es ist auch sinnvoll im Rahmen der Verkehrs- und Unfallprävention Schüler mit dabei zu haben, auch sie zu erreichen. Ich hatte in dieser Klasse, die nun geholfen hat, das Projekt auch schon einmal vorgestellt.

Wie wirken die Räder auf Verkehrsteilnehmer?

Arnecke: Präventionsarbeit und ihre Wirkung ist nicht messbar. Fakt aber ist, dass die Weißen Räder bis in die Senioren-Kreise hin wahrgenommen werden. Es wird nachgefragt, es wird darüber gesprochen. Und genau das ist sehr wichtig. Wir wollen mit der Problematik in die Köpfe der Verkehrsteilnehmer hineinkommen. Das gelingt mit den Ghost-Bikes über den visuellen Weg. Und das Nachdenken kann etwas bewirken. Denn Verkehrsunfälle passieren nicht, sie werden verursacht – meist durch ein Fehlverhalten eines Verkehrsteilnehmer.

Warum wurde das Projekt nun erweitert?

Arnecke:Wir wollen es in Göttingen fortsetzen. Leider kommen weitere Räder hinzu. In diesem Jahr hat sich an der Stettiner Straße/Stegemühlenweg ein Unfall ereignet bei dem eine Frau gestorben ist. Dort wird ein weißes Rad steghen. Aber wir möchten eigentlich keine weiteren Räder aufstellen. Das ist unser Ziel.

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