Friedlicher Protest am Göttinger Gänseliesel

Deutliche Kritik an deutscher und türkischer Politik wegen Afrin-Offensive

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Protest gegen die Politik der Bundesregierung: Die Kundgebung anlässlich des Newroz-Festes am Göttinger Gänseliesel verlief friedlich, eindeutige Botschaften gab es dennoch nicht zu knapp.

Göttingen. Sie kamen, um friedlich für das Selbstbestimmungsrecht der Kurden und gegen die Angriffe der türkischen Armee auf das kurdische Gebiet Afrin in Nordsyrien zu protestieren: Etwa 200 Menschen versammelten sich am Mittwochabend vor dem Göttinger Gänseliesel und feierten gemeinsam das „Newroz“-Fest.

Aktualisiert am 22. 3. um 11.30 Uhr - Das ist das kurdische und iranische Neujahrsfest, das immer zum Frühlingsanfang am 20. oder 21. März gefeiert wird. In diesem Jahr sei Newroz aber mehr als ein Kulturfest im Nahen Osten, sondern das Fest „aller Menschen, die weltweit nach Freiheit streben“, sagte einer der Protest-Teilnehmer von der Interventionistischen Linken. Wie alle ist er zu der Kundgebung gekommen, um den Kurden in ihrem Streben nach Selbstbestimmung Solidarität zu bekunden. Und, um die Bundesregierung in ihrem Umgang mit der Türkei zu kritisieren. 

„Die offene Unterstützung der Bundesregierung für den völkerrechtswidrigen Überfall der Türkei darf nicht sein“, erklärte der Demonstrant. Neben den Waffenlieferungen, die auch nach dem Beginn der Afrin-Offensive weitergingen, kritisiert er auch die „politische Unterstützung“ der Bundesregierung für die Türkei. 

Empört: Christian Jooß (am Mikrofon) kritisiert die Afrin-Offensive als „verheerend“.

Christian Jooß, Physik-Professor an der Uni Göttingen und Mitglied der Initiative für den ökologischen Wiederaufbau in Kobane, sieht das ähnlich. Jooß, der bei der Kundgebung auch als Redner auftrat, sagte: „Ich bin empört über die Bundesregierung, was da an Unterstützung für das türkische Regime läuft.“ 

Die Afrin-Offensive sei „verheerend für die Hoffnung, dass man dort etwas in eine positive Richtung entwickeln kann“. Die Kurden in Afrin hatten vor den türkischen Angriffen in der Region ein ökologisches und demokratisches Projekt angestoßen. Als „Zeichen, dass es auch positive Antworten in dieser Welt von Trumps, Erdogans und Orbans gibt“, wertete das ein Protest-Teilnehmer. 

Die Redner forderten zudem den Abzug der türkischen Truppen aus Afrin, das Ende deutscher Waffenlieferungen an die Regierung in Ankara und die Aufhebung des Verbotes der kurdischen Arbeiterpartei PKK. 

Hintergrund für die Protest-Aktion in Göttingen ist die Einnahme der Stadt Afrin durch türkische Truppen und mit ihnen verbündeten islamischen Milizen. Medienberichten zufolge kam es dabei zu massiven Zerstörungen und Plünderungen, Zehntausende Menschen sollen auf der Flucht sein.

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