Erste Deutsche Inselkonferenz 

Hohe Immobilienpreise: Deutsche Inseln wollen den Ausverkauf stoppen

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Touristen baden am Weststrand der Insel Norderney in der Nordsee: Auf lange Sicht wird der steigende Meeresspiegel für Inseln und Halligen zur Gefahr. Aktuell machen die hohen Immobilienpreise Probleme. 

Langfristig bedroht der steigende Meeresspiegel die deutschen Inseln, aktuell sind es hohe Immobilienpreise. Vertreter wollen bei einer Konferenz nun Gegenstrategien finden.

Deutschlands Inseln haben zwei gravierende Probleme: den steigenden Meeresspiegel und immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Auf der Ersten Deutschen Inselkonferenz auf Helgoland wollen mehr als 100 Politiker, Tourismusmanager und Experten bis Freitag darüber beraten, wie sich die Zukunftschancen der Bevölkerung auf Inseln und Halligen verbessern lassen. 

„Insbesondere als Urlaubsort sehen wir uns als Schaufenster und Botschafter für eine nachhaltige Entwicklung“, heißt es im Entwurf einer Resolution.

„Der Klimawandel ist das zentrale Thema der Konferenz“, sagte der Helgoländer Bürgermeister Jörg Singer (parteilos). Die Vertreter der Inseln fordern Unterstützung vom Bundestag und von der EU, um ihre Standortnachteile zumindest teilweise auszugleichen.

Der Kauf von Wohnraum wird auf den Inseln immer teurer

Eine Forderung an den Bund sei die Befreiung von der Umlage für Erneuerbare Energien für den Stromimport, sagte Singer. 100-prozentige Klimaneutralität ist auch für die Inseln eine große Herausforderung. Weiteres Thema ist bezahlbarer Wohnraum. Der Kauf von Häusern und Wohnungen wird auf den Inseln immer kostspieliger. 

Das gilt nicht nur für die Luxusinsel Sylt, wie der Ende 2018 vorgestellte Immobilienatlas der LBS Bausparkasse zeigte: Auf Sylt stiegen die Quadratmeterpreise für Häuser um 7,7 Prozent auf durchschnittlich gut 10.600 Euro, für Wohnungen um 3,5 Prozent auf 7150. Kampen war mit fast 22.000 beziehungsweise 15.000 Euro Spitzenreiter. 

Amrum rangierte bei 5300 Euro je Quadratmeter für Häuser und bei gut 4900 für Wohnungen; auf Föhr war der Quadratmeter 400 bis 500 Euro billiger. Für Einheimische sind solche Preise meist unbezahlbar.

Finanzkräftige Investoren sind für die Kritiker das Problem

„Es geht darum, wie wir dem Ausverkauf der Inseln entgegenwirken können“, sagte Singer. Der Entwurf der Resolution fordert auch Regeln, „die einen Immobilienabverkauf auf Inseln verhindern“. Die Insel-Verantwortlichen fordern komplette Planungshoheit „zur Verhinderung der weiteren gesellschaftlichen Erosion“.

Alle Inseln lebten fast nur vom Tourismus, sagte Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan. Die besondere Lage im Meer und im Wattenmeer machten diese Reiseziele so einzigartig und beliebt. „Was nutzt uns aber diese Einzigartigkeit, wenn es weiter so vorangeht, dass finanzkräftige Investoren von außerhalb alles „an sich reißen“ und sich letztlich überhaupt nicht um die Inseln/Orte kümmern, wie dort die Infrastruktur aufrecht erhalten werden kann?“ 

Spiekeroogs Bürgermeister fordert rechtliche Konsequenzen

Um den Trend zu drehen, fordert Spiekeroogs Bürgermeister weitergehende rechtliche Möglichkeiten für die Inseln über das Zweckentfremdungsverbot hinaus, „um diverse Strömungen zu stoppen“.

Nach Ansicht von Helgolands Bürgermeister Singer haben die Inseln und Halligen viele Gemeinsamkeiten und ähnliche Herausforderungen. Beim zweitägigen Treffen, auf dem 17 Inseln und Halligen vertreten sein werden, will man auch voneinander lernen. 

Von den Ostseeinseln ist aber nur Hiddensee auf Helgoland vertreten. Geplant ist auf der Inselkonferenz auch die Vergabe des ersten deutschen Umweltpreises der Inseln – für das beste Konzept zur Vermeidung von Plastikmüll.

Die größten deutschen Inseln liegen in der Ostsee

Die größten deutschen Inseln sind mit Rügen und Usedom an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Rügen ist dabei mit 926 Quadratkilometern deutlich größer als die Stadt Hamburg (755 Quadratkilometer). Usedom ist mit 373 Quadratkilometern etwa halb so groß wie die Elbmetropole. 

Die sieben ostfriesischen Inseln an der Nordseeküste, die zu Niedersachsen gehören, sind kleiner. Es sind (von Ost nach West): Wangerooge (7,9 Quadratkilometer), Spiekeroog (18,2), Langeoog (19,7), Baltrum (6,5), Norderney (26,3), Juist (16,4) und Borkum (30,7). 

Helgoland hat als einzige deutsche Hochseeinsel nur eine Fläche von 4,2 Quadratkilometern.

(mit lni)

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