Vom Wandel geprägt

Das Deutsche Theater in Göttingen stellt den neuen Spielplan vor

+
Sie sind das Leitunsgteam des Deutschen Theaters in Göttingen.

Die Welt – mit all ihren großen und auch den kleinen Krisen – ist im Wandel, und das spiegelt sich auch auf der Bühne wider.

Das machte Erich Sidler, Intendant des Deutschen Theaters in Göttingen, bei der Vorstellung des neuen Spielplans am Donnerstag deutlich. Und: Vor allem der kulturelle Wandel beschäftige das DT. „Wir öffnen unser Haus weiter und machen Kunst nicht nur von der Bühne aus“, so Sidler. Diskussionen, Musikveranstaltungen und Theaterpädagogik – speziell die Kooperationen mit Schulen – gehören längst zum Angebot dazu. Denn Ziel sei es, die Schwelle zu senken, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und das zentrale Erzählen auf der Bühne weiter zu entwickeln. Denn das Theater habe eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Blick zu weiten für eine genaue Betrachtung der sich verändernden Welt.

Erneut ist deshalb der Spielplan, den der Intendant und sein Team zusammengestellt haben, wieder sehr politisch. War die DNA des Spielplans zuletzt von der Finanzkrise und der Aufarbeitung regionaler Themen geprägt, so ist diesmal die Gemeinschaft ein zentrales Thema – auch im Großen und Kleinen.

Ganz neue Stücke finden sich ebenso wie für Kinder das Weihnachtsstück „Jim Knopf und die Wilde 13“, musikalisch wird es wieder mit dem Musical „Cabaret“. Natürlich gibt es wieder Klassiker und erstmals drei Filmstoffe, die auf ihre gesellschaftliche Brisanz im Heute hin gelesen werden. „Die Stoffe werden nicht eins zu eins übertragen, sondern verdichtet und es werden Parallelen zu heute gezogen“, so Sidler. 

Obwohl dieser Blick ins Hier und Jetzt für das Publikum nicht immer bequem sei, komme das Programm des DT gut an. „Die Besucherzahlen sind gut, wir werden am Schluss gut aufgestellt sein. Deshalb müssen wir bei unserer Spielplangestaltung auch keine Kompromisse eingehen“, so Sidler. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Nach dem Erfolg der Tiefgaragenproduktionen, startet die Saison 2019/20 oberirdisch, aber auch nicht im Theater: „Philoktet“ von Heiner Müller wird im Ex-Goethe-Institut, im Fridtjof-Nansen-Haus in einer Inszenierung von Elias Perrig gezeigt.

Ein Zeichen setzt das DT auch mit „Vögel“ von Wajdi Mouawad (Regie: Katharina Ramser), ein klassisches Familiendrama von der Wucht einer antiken Tragödie. „Shakespeare hat mit ,Was ihr wollt‘ die Genderfrage schon vorweg genommen“, so Sidler – auch dieser Stoff wird im DT in der Regie von Moritz Beichel zu sehen sein.

In „Bombe!“, eine Uraufführung aus der Feder von Abdul Abbasi und Philipp Löhle, prallen gesellschaftliche Klischees aufeinander. Eine unterhaltsame Farce über die Brüsseler Politik ist Robert Menasses EU-Roman „Die Hauptstadt“, dieser Stoff kommt im DT ebenso auf die Bühne, wie „Der eingebildete Kranke“ von Molière. Der Frage „was brauchen wir in einer aufs Ich konzentrierten Zeit?“ werde man nachgehen, so Chefdramaturg Matthias Heid.

Ein politisch geprägtes Programm für eine Zeit im Wandel – nicht nur auf der Bühne.

Premieren der neuen Spielzeit am DT in Göttingen

  • Vorpremiere, 24. August.: „Philoktet“ von Heiner Müller
  • 19. September: „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe
  • 21. September: „Vögel“ von Wajdi Mouawad
  • 22. September: „Der perfekte Moment – total verpennt“ von Horst Evers
  • 12. Oktober: „Was ihr wollt“ von William Shakespeare
  • 2. November: „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett
  • 17. November: „Jim Knopf und die Wilde 13“ von Michael Ende
  • 30. November: „Geteilt“ von Maria Milisavljevic
  • 7. Dezember: „Woyzeck“ von Tom Waits nach Georg Büchner
  • 31. Januar: „Gewalt und Leidenschaft“ von Luchino Visconti
  • 1. Februar: „Das Leben auf der Praca Roosevelt“ von Dea Loher
  • 22. Februar: „Der eingebildete Kranke“ von Molière
  • 13. März: „Bombe!“ von Philipp Löhle und Abdul Abbasi
  • 28. März: „Der Herr der Fliegen“ von William Golding
  • 18. April: „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse
  • 2. Mai: „Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergman
  • 12. Juni: „Tom auf dem Lande“ von Michel Marc Bouchard
  • 20. Juni: „Cabaret“ von John Kander, Fred Ebb, Joe Masteroff und John Van Druten

Noch nicht terminierte Premieren:

„Die Frau in Schwarz“ von Susan Hill und Stephen Mallatratt, „Die fürchterlichen Fünf“ von Wolf Erlbruch und „Quizoola!“ von Tim Etchells. 

Aktion

Unter dem Hashtag #rette-deintheater hat das DT in Göttingen eine Aktion gestartet, die auf Missstände der Kulturfinanzierung in Niedersachsen hinweisen soll. Ihr schlossen sich alle niedersächsischen Stadt-, Staats- und Freien Theater sowie die Landesbühnen und Orchester an. Ziel ist die Aufstockung der Theaterförderung sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Kulturbereich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.