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Deutsches Theater thematisiert fehlende Akzeptanz für Homosexualität als Lebensform

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Von: Ute Lawrenz

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Szenenbild aus „Tom auf dem Lande“ mit (von links) Anna Paula Muth, Daniel Mühe, Gabriel von Berlepsch und Andrea Strube zu sehen.
Tom auf dem Lande: In diesem Szenenbild sind (von links) Anna Paula Muth, Daniel Mühe, Gabriel von Berlepsch und Andrea Strube zu sehen. © Thomas Müller/DT/nh

Im Stück des Deutschen Theaters in Göttingen „Tom auf dem Lande“ geht es um das Thema Homosexualität und fehlende Akzeptanz.

Göttingen – „Ich glaube, man darf niemals die Wahrheit sagen. Niemals.“ - Diesen Satz aus dem Tagebuch des Toten könnte als Wahlspruch für das Stück verstanden werden. In „Tom auf dem Lande“ von Michel Marc Bouchard zeigt das Deutsche Theater im DT.2 in der Regie von Marcel Gisler, dass Homosexualität noch lange nicht als mögliche Lebensform akzeptiert wird.

Die Handlung ist schnell erzählt: Toms Lebensgefährte verunglückt tödlich. Tom (Daniel Mühe) reist zu dessen Beerdigung in die Provinz und erlebt, dass in der Familie des Freundes andere Wirklichkeiten - oder Lebenslügen? - zählen.

Deutsches Theater zeigt mit „Tom auf dem Lande“ gesellschaftskritisches Stück

Da ist die Mutter (Andrea Strube), die sich über den unerwarteten Besuch von einem Freund ihres toten Sohnes freut. Doch sie ist weit davon entfernt, ihn als dessen Lebenspartner zu akzeptieren. Strube spielt die Mutter teils als weinerliche, teils als sehr entschlossene Frau, die bereit ist für die Aufrechterhaltung ihrer Lebenslüge aufs Bitterste zu kämpfen.

Neben ihr ihren zweiten Sohn Francis (Gabriel von Berlepsch), der für Tom fast eins wird mit dem Bruder und an sich selbst homoerotische Neigungen entdeckt, die er - auch wegen seiner Mutter - auf keinen Fall zulassen will. Gewalt wird für ihn zu einem Ausweg aus seinen widerstreitenden Gefühlen. Fast könnte man sagen, indem er Tom quält, legt er Feuer an der Zündschnur einer Bombe. Es bleibt abzuwarten, wann und wie sie hochgeht.

Noch komplizierter wird die Gemengelage, als schließlich die vermeintliche Freundin des Toten (Anna Paula Muth) auftaucht. Um zu verhindern, dass sie etwas falsch macht, soll sie so tun, als spreche sie nur Englisch. Doch schnell wird klar, dass das nur Fake ist.

Das Drama spielt in einem Raum mit nichts außer einem Tisch mit drei Stühlen und zwei Betten, die Stube und Schlafraum illustrieren und fast in der Wahrnehmung verschwinden, wenn es hinaus ins freie Feld geht (Bühne: Dirk Becker). Die Kleidung, aus dem heutigen Leben genommen, macht die Figuren austauschbar (Kostüme: Ilka Kops). Das Geschehen könnte überall passieren.

Drama „Tom auf dem Lande“: Viele Gänsehautmomente für den Zuschauer

Unglaublich dicht und konzentriert sinken die vier Schauspieler in ihre Figuren, ziehen die Zuschauer ins Geschehen, schaffen einen Gänsehautmoment nach dem anderen, erst mit dem Applaus nach knapp zwei Stunden ohne Pause wird ein Aufatmen möglich. Ein packender Abend, der beim Zuschauer vielleicht eigene Erfahrungen wachruft: Wie geht jeder Einzelne persönlich um mit Wahrheiten, die besser (?) im Verborgenen schlummern.

Ein mitreißender Abend, der deutlich macht, dass Homosexualität auch heute noch bei vielen ein Tabu ist. Ein Abend, der danach schreit, eigene Lebenslügen endlich einzureißen. (zul)

Weitere Vorstellungen am 21.10. und 29.10. jeweils um 20 Uhr sowie unter dt-goettingen.de. Die Theaterkasse ist unter Telefon 0551/4969-300 oder per Mail an theaterkasse@dt-goettingen.de erreichbar.

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