Deutsches Theater Göttingen

Der amüsante, eingebildete Kranke hatte Premiere

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Krank oder nicht? Cléante (Marco Matthes, von links), Toinette (Gaby Dey), Monsier Diafoirus (Volker Muthmann), Argan (Florian Eppinger), Thomas Diafoirus (Florian Donath) und Angélique (Katharina Müller). Foto: Deutsches Theater Göttingen/Axel J. Scherer

Die Moliére-Komödie feierte Premiere im Deutschen Theater Göttingen und überzeugte.

 „Ich bin nicht krank“, sagte Argan (Florian Eppinger) in der Komödie „Der eingebildete Kranke“ schlussendlich und voller Überzeugung – trotz der Tatsache, dass er zusammengekrümmt am Boden lag. Um ihn herum wirbelten Federn durch die Luft. Doch bis zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg im Deutschen Theater in Göttingen – für seine Familie ebenso wie für die Zuschauer. Für die Familie nervenaufreibend, für die Zuschauer ob der klaren Hypochondrie amüsant.

Die Moliére-Komödie unter der Regie von Matthias Reichwald feierte am Samstag in Göttingen Premiere und sorgte für zahlreiche Lacher und Momente des Schmunzelns. Und das sogar gleich zu Beginn. Denn fast wäre die Vorstellung ausgefallen. Der Grund? Ausgerechnet der Hauptdarsteller hatte sich krankgemeldet, verkündete Gaby Dey alias Toinette, Haushälterin Argans.

Zum Glück war das nur ein Gag und der gelungene Auftakt zu einem Stück, das auch durch sein dynamisches Bühnenbild (Jelena Nagorni) überzeugte. Das wirbelte, gezogen von den Schauspielern, von links auf die Bühne. An dem Wagen mit Gerüst wehten gelbe Vorhänge. Das war nicht nur im Bühnenbild die vorherrschende Farbe, sondern auch bei den Kostümen (Elena Gaus). Es schien Erkennungszeichen für die Familie des Kranken. Die Kleidung von Argan, seinen beiden Töchtern, Angélique (Katharina Müller) sowie Louison (Juna Emunds) und der Angestellten Toinette waren schlicht in Schwarz gehalten und wiesen gelbe Akzente auf. Nur Argans Frau Béline (Rebecca Klingenberg), Stiefmutter der Töchter, stach heraus mit ihrem pinken Kleid und den roten Stiefeletten.

Die zahlreichen Krankheiten ließen Argan stöhnen, hecheln, kraftlos zusammensinken. Gleichzeitig zankte er energisch mit Toinette und Angélique, die er zu seinem Vorteil mit dem schwächlichen Arzt Thomas Diafoirus (Florian Donath) verheiraten wollte. Obwohl sie doch Cléante (Marco Matthes) liebte. Die beiden versuchten noch, den Vater in einer witzigen Spontan-Operette von der Wichtigkeit wahrer Liebe zu überzeugen. Es half nichts. Nur seine Frau schien den Kranken und seine Wünsche ernst zu nehmen. Die beiden überhäuften sich mit den verrücktesten Koseworten.

Volker Muthmann und Florian Donath glänzten in ihren Rollen als Notare und Ärzte. Genial inszeniert in silbernen Anzügen mit Aktenkoffern, Glatzen, Hüten, strahlend blauen Augen und zuvorkommendem Lächeln tänzelten die Notare zuerst als Schatten hinter den gelben Vorhängen und dann mit einnehmender Präsenz auf der Bühne. Mit karierten, engen Anzügen, Baskenmützen und Krägen wurden sie zu Ärzten und dem Vater-Sohn-Gespann: Der herrische Monsieur Diafoirus (Muthmann), der regelmäßig aus seinem Rollstuhl fiel und dem nervösen Sohn Thomas (Donath) soufflieren musste.

Erst ein Trick, ausgedacht von Argans Bruder Monsieur Purgon (Donath) und Toinette, öffnete dem Kranken die Augen. Was hängen blieb? Je mehr Halskrausen, desto mehr Arzt.

Weitere Termine: am 13.3., 18.3., 27.3., 6.4., 22.4. und 15.5. im Deutschen Theater in Göttingen, Tickets unter Tel. 0 55 1/4 96 93 00 oder im Internet unter www.https://www.dt-goettingen.de.

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