HNA-Interview mit dem künftigen Intendanten Erich Sidler

Deutsches Theater: Junge Truppe wird frischen Wind bringen

Deutsches Theater Göttingen (DT): Der Intendant ab der Spielzeit 2014/15, Erich Sidler.
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Deutsches Theater Göttingen (DT): Der Intendant ab der Spielzeit 2014/15, Erich Sidler.

Göttingen. Das Deutsche Theater (DT) ist im Umbruch: Neue Intendanz und das Leitungsteam stehen. Jetzt wird das Ensemble zur Hälfte ausgetauscht, das Junge Schauspiel umkrempelt, alte Zöpfe werden abgeschnitten. Junge und ältere Ensemble-Mitglieder, dazu junge und ältere Menschen aus Göttingen, sollen schon zur Eröffnung der neuen Spielzeit im Herbst auf den Bühnen stehen, wie der künftige Intendant, Erich Sidler, im HNA-Interview verrät.

Herr Sidler, Sie scheinen bei der Zusammenstellung ihrer Führungsmannschaft auf eine Mischung zwischen älteren, erfahren und jüngeren, unbedarften Leuten zu setzen... 

Erich Sidler: Der Eindruck täuscht nicht. Diese Mischung ist durchaus in meinem Sinne. Für mich ist es wichtig, Kolleginnen und Kollegen ans DT zu holen, die vielschichtige Erfahrungen am Theater gesammelt haben, die Notwendigkeiten des Betriebs kennen. Zum anderen möchte ich, dass im Leitungsteam auch die kommende Generation von Theatermachern vertreten ist und ihre Sicht einbringt. Unbedarft sind die Kollegen aber nicht. Im Gegenteil: Sie zeichnen sich durch Reflexions- und Analysevermögen aus.

Sie wollen das Haus noch mehr öffnen. Der Besucher identifiziert sich doch zunächst mit den Schauspielern, hat Kontakt mit diesen, weniger mit den Leitern... 

Sidler: Die Zuschauer kommen ins DT, um dem Ensemble zu begegnen. Sie kommen, um ihre Schauspieler wieder zu sehen. Die Kontakte zu den Menschen aus Stadt und Region sollen darüber hinaus gehen: Auch hinter den Kulissen handelnde Personen, die Leiter sowie die Mitarbeiter der Abteilungen sind das DT. Das DT-Studio wird wieder mehr als Kontaktbühne zwischen Schauspielern und Zuschauern dienen. Da ist man sehr nah dran.

Wie steht es ums Ensemble? 

Sidler: Wir werden ein junges Ensemble haben. 13 Schauspieler aus dem alten Team bleiben, 13 neue werden hinzukommen. Dabei sind auch einige, die direkt von der Schauspielschule kommen. Andere haben gerade einmal ein bis zwei Jahre gespielt. Die Regisseure sind ebenfalls jung. Natürlich werden auch hier ein paar erfahrene Kollegen dabei sein.

Ist es ein Aufbruch für das Deutsche Theater? 

Sidler: Auf jeden Fall. Es geht aber nicht darum zu sagen, alles Alte muss weg. Viele neue Menschen kommen nach Göttingen und reflektieren am DT die Stadt.

Wie wird der Umbruch im Jungen Schauspiel wirken? 

Sidler: Themen, die das junge Publikum – aber nicht nur das – interessieren, wollen wir mitunter auch im großen Haus präsentieren. Das ist eine Form von Zuneigung und ein Bekenntnis. Große Themen verlangen einen großen Raum, den werden sie bekommen. Wir integrieren das Schaffen für Kinder und Jugendliche in den Gesamtspielplan. Das heißt, dass alle Ensemblemitglieder in diesem Bereich spielen werden. Jedes Thema, das Jugendliche fasziniert, wie Liebe und Sex, soll so gezeigt werden, dass es auch für Erwachsene interessant ist. Ziel ist das gemischte Publikum. In der Theaterpädagogik gilt es deshalb, den Ton zu finden.

Wie viel Zeit geben Sie sich für das Ankommen im neuen DT in der Stadt Göttingen? 

Sidler: Nach zwei, drei Jahren werden wir sehen, wo wir mit dem Konzept stehen.

Zur Eröffnungsveranstaltung: Es könnte dabei einen musikalischen Knaller geben! 

Sidler: (lacht). Knaller ist ein Wort, das uns unter Druck setzt. Musik wird eine wichtige Rolle spielen. Wir haben das Ensemble auch nach musikalischen Gesichtspunkten ausgesucht. Über die Musik erreicht man Menschen für das Theater, die sich von Musik schneller verführen lassen als vom gesprochenen Wort.

Was wird bei der Eröffnungsshow im Herbst passieren? 

Sidler: Es wird ein pures Schauspiel-Erlebnis geben, eine Akteurin eine Geschichte erzählen, allein, ohne Bühnenbau. Dann wird es ein Stück geben, in dem alle 26 Ensemble-Mitglieder auftreten. Es ist ein Stück, in dem alte Ensemble-Mitglieder auf neue treffen und schließlich werden junge bis alte Menschen aus Göttingen etwas gemeinsam auf die Bühne bringen.

Es ist ein pädagogischer Ansatz, Jung und Alt zusammenbringen – im Ensemble und für die Stadt. 

Sidler: Ja. Wir sind ja ein Stadttheater und wollen viele Menschen ansprechen. Sie sollen keine Schwelle überwinden müssen, wenn sie in das Theater kommen. Es sind auch ganz andere Veranstaltungen denkbar. Warum also nicht einmal eine Party im Foyer?!

Von Thomas Kopietz

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