Materialmappe und Nachgespräch

Deutsches Theater kommt mit Film „Netboy“ in die Schulen

Szene aus „Netboy – Der Film“ des Deutschen Theaters
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Szene aus „Netboy – Der Film“ des Deutschen Theaters: (von links) Anna Paula Muth, Marina Lara Poltmann, Daniel Mühe.

Das Deutsche Theater Göttingen kommt mit dem Film „Netboy - Der Film“ in die Schulen. Es ist ein digitales Angebot für Klassen - mit Materialmappe und Nachgespräch.

Göttingen – Das erste Bild: Marie steigt in den Bus, beschreibt wie sie einer Frau vor ihr, die offensichtlich eine Perücke trägt, diese am liebsten herunterziehen möchte: „Die Frage ist doch: Was ist unter den Perücken?“ Die Frage, was Menschen vor anderen verbergen wollen, ist eine der zentralen Fragen in „Netboy - Der Film“ nach dem gleichnamigen Stück von Petra Wüllenweber.

Weil Schulen in Corona-Zeiten nicht ins Theater kommen können, will das Deutsche Theater in die Schulen gehen. So ist die Idee zu einer Filmreihe entstanden. Mit der Verfilmung des Theaterstücks „Netboy“ ist der erste Beitrag in der Regie von Johanna Schwung und René Hanauer entstanden - beide wirken sonst als Regieassistenten am Haus. Mit dem Film ist ihnen ein packender Beitrag zum Thema Cybermobbing gelungen.

Marie (intensiv: Anna Paula Muth) wird in Konkurrenz zu Sara (sichtlich getroffen: Marina Lara Poltmann) mit überragender Mehrheit zur Klassensprecherin gewählt. Nicht nur in der Klasse hat Sara das Nachsehen. Auch Olaf (überzeugender Held aller Mädchen: Daniel Mühe), für den sie schwärmt, gibt offensichtlich Marie den Vorzug. Doch Marie hat trotz allen Zuspruchs Probleme: Ihre Eltern leben in Trennung. Die Mutter (typisch Mutter: Rebecca Klingenberg) versteht sie nicht. Und der der Vater (väterlich verständnislos: Marco Matthes) wird schon bald - für Marie völlig überraschend - mit seiner neuen Freundin nach Berlin ziehen.

Doch dann tritt Netboy (einfühlsam verlockend: Stimme Paul Trempnau) per Chat in Maries Leben und überredet sie zu einer krassen Tat, um sie dann auch noch damit zu erpressen. Wird der durch das Netz geschützte Täter enttarnt?

Das Medium Film tut dem Theaterstück gut: Die neuen Medien rücken näher. Mit Sprechblasen, die sich vor Maries Gesicht drängen, wird für den Chat, der Maries Gedanken bestimmt, ein überzeugendes Bild gefunden. In grotesker Verfremdung werden ihre Fantasien für den Zuschauer sichtbar. Viele Nahaufnahmen schaffen bedrängende Enge, machen Maries Gedankengefängnis sichtbar, fühlbar.

Wie die Lehrerinnen bei der Präsentation empfanden: Der Film ist nicht nur für Jugendliche im Alter von 12 Jahren geeignet. Für sie mehr Warnung werden gerade die Älteren herausgefordert, ihren offenen und manchmal unbedachten Umgang mit den sozialen Medien hinterfragen und neu auf den Prüfstand zu stellen.

Schulen können den Stream „Netboy - Der Film“ nun bestellen. Infoflyer und Bestellformular finden Interessierte hier. Eine Materialmappe zur Vor- und Nachbereitung stellt die Theaterpädagogik wie gewohnt zur Verfügung. Auch Nachgespräche sind digital möglich. (Ute Lawrenz)

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