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Deutsches Theater: Spielzeit 2022/23 mit Brecht, Lindgren und Hornby

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Von: Thomas Kopietz

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2022/23 – Volles Programm vor vollen Rängen: Das DT präsentierte das Programm vor der Kulturtankstelle, die im Lockdown für mediales Aufsehen sorgte. In der Mitte steht Intendant Erich Sidler. Zweite von links Geschäftsführerin Sandra Hinz.
2022/23 – Volles Programm vor vollen Rängen: Das DT präsentierte das Programm vor der Kulturtankstelle, die im Lockdown für mediales Aufsehen sorgte. In der Mitte steht Intendant Erich Sidler. Zweite von links Geschäftsführerin Sandra Hinz. © Thomas Kopietz

Das Deutsche Theater präsentierte das Programm für die Spielsaison 2022/23. Die Zuschauer können sich auf 19 Premieren freuen.

Göttingen – Für das Foto zur Programmvorstellung wählten die Verantwortlichen des Deutschen Theater (DT) die Kulturtankstelle samt Zapfsäulen, wo in Zeiten der Theaterschließung Suchende durch die Scheibe Kultur tanken konnten: ein Schauspieler, ein Besucher. Das sorgte weithin für Aufsehen. Die Kulturtankstelle bleibt in der Saison 2022/23 dicht. „Wir gehen in die Vollen, mit Opulenz und Überforderung“, sagt Intendant Erich Sidler den Kartenverkauf für 100-Prozent-Kapazität an.

Opulenz, dafür steht die Zahl von 19 Premieren. Nicht alle sind taufrisch, manche waren geplant, geprobt oder kurz gespielt – der Grund für die Verschiebung: die Pandemie. Das Wort Corona nimmt Sidler nicht in den Mund.

Vorstellung der Spielzeit 2022/23 des Deutschen Theaters

Stattdessen sagt er: „Das DT wird auch Lustiges machen“, und damit Wünschen entsprechen. Neben ,Sein oder Nichtsein‘ auch mit „Jeeps“. Die Komödie von Nora Abdel-Maksoud ist der Saison-Opener am 1. Oktober. Durch das Vererben entsteht eine ganze Generation Benachteiligter, die Nichterben. In „Jeeps“ wird geerbt, aber über Lose in einer Lotterie.

Lustig wird es auch bei „Bombe!“: Geschrieben haben es der syrische Zahnarzt aus Göttingen, Abdul Abbasi, und der Dramatiker Philipp Löhle (Uraufführung, 29. Oktober). Es geht um die Willkommens-Nation bei der Integration und um Vorurteile. Humor hilft, die Defizite zu verarbeiten. Nicht ohne Humor kommt auch „State of the Union“ von Bestseller-Autor Nick Hornby („High Fidelity“) daher. Das Stück um die Paartherapie – auch im Pub – wird im aufgepeppten DT-Keller (Premiere 23. Oktober) gespielt, zu den Mitwirkenden gehört Publikumsliebling Ronny Thalmeier, der dort häufig zu erleben ist.

Das Deutsche Theater bietet zwei Musicals an

Musikstücke kommen beim DT-Publikum traditionell gut an. Zwei sind im Programm: der Musical-Klassiker „Cabaret“ und das Rock-Musical „Hedwig and the Angry Inch“.

Wichtig für das Theater ist stets das Weihnachtsstück: Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker „Ronja Räubertochter“ (Premiere 20. November) soll auch finanziell ein Erfolg werden. Den braucht das DT nach Not-Spielzeiten, in denen laut Sidler „die Kurzarbeit finanziell geholfen hat“. Noch übrigens kommen die Zuschauer zögerlich. Zurückholen will er sie „über das Angebot“, also einen prallvollen Spielzeitkalender.

Das Programmheft-Cover des Deutschen Theaters ziert ein aufgerissener Mund

Das DT will sich unter Sidler treu bleiben, weiter eine Rolle in der Demokratie spielen, die Frage stellen und beantworten: „Wie wollen wir künftig zusammenleben?“ Dafür stehen Dramen wie „Tom auf dem Lande“ und „Mitwisser“ über Gewalt und die Kultur des Wegschauens. Ein Stück gibt es noch nicht. „Wir müssen über das Sterben reden“ von Wenzel Winzer ist am Entstehen.

Übrigens: Das Programmheft-Cover 2022/23 ziert ein aufgerissener Mund von dem die FFP-2-Maske fällt, riesige Buchstaben quellen heraus, bilden das Wort: „OFFEN“. Mehr als nur ein Wort, sondern Symbol. Denn die Kulturzapfsäule draußen ist zu. Drinnen, auf den drei DT-Bühnen, gibts die volle Theater-Tankfüllung.

DT-Spielzeit 2022/23 - einige der 19 Premieren

Eröffnung: „Jeeps“, Komödie von Nora Abdel-Maksoud, Samstag, 1. Oktober

„Cabaret“ - Das Musical über den Kit-Kat-Klub hat am 15. Oktober Premiere.

Aktuell ist und bleibt John Steinbecks Bestseller „Früchte des Zorns“, 5. November.

Natalia Vorozhbyt ist Ukrainerin und hat 2014 über eine Fahrt in den Donbas geschrieben. „Zerstörte Straßen“, Premiere: 10. Dezember.

Ein Klassiker, der selten gespielt wird, ist Brechts „Im Dickicht der Städte“, im DT zu sehen erstmals am 15. April 2023.

Kafkas „Die Verwandlung“ hat Philipp Löhle umgeschrieben. 29. April 2023.

Alles aufschreiben, was schön ist, um die Mutter aufzumuntern: „All das Schöne“.

Programm, Infos, Karten: www.dt-goettingen.de

(Thomas Kopietz)

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