Kreativ in der Corona-Krise

Deutsches Theater trotz Schließung da: Stimmen aus dem Zaun und dem Radio

Alles zugebrettert: Das Deutsche Theater hat sich symbolisch mit einem Bretterzaun zugesperrt, Symbol für den geschlossenen Betrieb wegen Corona.
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Alles zugebrettert: Das Deutsche Theater hat sich symbolisch mit einem Bretterzaun zugesperrt, Symbol für den geschlossenen Betrieb wegen Corona.

Das Deutsche Theater ist auch während der Corona-Pandemie kreativ und bietet unter anderem eine Radio-Show an.

Göttingen – Die Kulturtempel und -häuser sind zu. Museen, Konzerthäuser, Theater – sie müssen wegen der Pandemie weiter geschlossen bleiben – auch nach den am Mittwoch verkündeten Regeln. Ein hohes Haus der Kultur in Göttingen will aber nicht in Vergessenheit geraten. Und das Deutsche Theater (DT) findet kreative Lösungen – mit Stimmen hinterm Bauzaun und einer Radio-Show.

Die Treppen zum Haupteingang am Deutschen Theater sind mit einem Holzbretterzaun versperrt worden. Der wurde mittlerweile verziert mit Symbolen wie Herzen, Sprüchen wie „We miss U“ und „Fuck off Querdenker!“

Doch aus Lautsprechern schallen an jedem Abend Stimmen auf den Vorplatz. Das DT-Team will so, dass das im Teil-Lockdown geschlossene Haus und die Künstler nicht in Vergessenheit geraten. „Das ist keine Protestaktion, sondern wir wollen zeigen, dass wir da sind, auch wenn man uns gerade nicht besuchen kann“, sagt DT-Sprecherin Inge Mathes.

Ab 17.45 Uhr an jedem Abend ist das Ensemble also zwar nicht zu Sehen, aber zu Hören. Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben dafür 13 Seiten Text eingesprochen, eine Viertelstunde lang reiht sich auf den wöchentlich wechselnden Aufnahmen Frage an Frage: „Wie(so) sollen wir das erklären?“, „Wo soll das alles hinführen?“ oder „Legst du dir manchmal die Worte zurecht, bevor du jemanden anrufst?“, heißt es dann etwa.

Warum aber all diese Fragen? „Es ist ja gerade eine Zeit, in der es schwer Antworten gibt“, erklärt Inge Mathes. Jeden Abend kämen einige Menschen vors Theater und hörten zu. Bis Mitte Dezember soll die Aktion auf jeden Fall fortgeführt werden.

Radio Show „DT Ohrengold“

Damit nicht genug, weil DT-Ensemble nicht auftreten darf und weil nicht alle Schauspieler in Probenprozessen eingebunden sind, versuchen sie über Funk und über digitale Formate in Kontakt mit dem Publikum zu bleiben. So entstand das Format „DT Ohrengold“, die Radioshow des Deutschen Theaters. Am Freitag um 18.05 Uhr ist das Format zum zweiten Mal über das Stadtradio Göttingen über die Frequenz 107,1 und im Netz zu hören.

Jeden ersten Freitag im Monat um 18.05 Uhr mit der Wiederholung jeden dritten Samstag um 17 Uhr auf der Frequenz 107,1 oder live im Netz.

In der zweiten Sendung »DT Ohrengold #02« erinnert Gaby Dey an ein Jubiläum, das dieses Jahr aus bekannten Gründen etwas zu kurz gekommen ist und Dr. Müller-Wohlfühl seziert in seiner neuen Kolumne ein Werk eines weiteren Jubilars.

Bernd Schumann öffnet sein elektro-akkustisches Schatzkästlein, diesmal gefüllt mit Musik von John Cage. Andrea Strube stellt uns die Beleuchtungsabteilung des DT vor und übersetzt in ihrer „lost in translation‹-Kolumne“ aus dem Schweizer-Deutschen. Der Theaterwelt-Torhüter Türkay macht sich in der zwangsverordneten Winterpause seine eigenen Gedanken. Für die Sendung wurde passend zur Adventszeit festliche Musik ausgesucht, von Yo-Yo Ma im Zusammenspiel mit Bobby Mcferrin bis zu Wendy Carlos’ Interpretation von der „Ode an die Freude“. (tko/dpa)

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