Niedersachsen

Klimaschädliche Loks fahren weiter - Wo bleibt die Energiewende?

Eine klimaschädliche Diesellok fährt in einen Bahnhof ein.
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Eine klimaschädliche Diesellok fährt in einen Bahnhof ein: Viele Strecken in Niedersachsen sind nicht elektrifiziert. Eine Alternative wären batteriebetriebene Elektroloks. Doch dafür fehlt die Infrastruktur.

Der Umstieg von klimaschädlichen Dieselloks auf umweltfreundlich angetriebene Züge lässt in Niedersachsen weiterhin auf sich warten.

Hannover - Im ganzen Land gibt es keine Ladestation für batteriegetriebene Elektroloks. Die fallen als Alternative auf den nicht elektrifizierten 1400 Streckenkilometern des niedersächsischen Bahn-Netzes aus.

Das ergibt sich aus der Auskunft des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler (Grüne) aus Hannover. Die Antwort liegt unserer Zeitung vor. Kleiner Lichtblick ist nur die in Bremervörde geplante Wasserstoff-Tankstelle der Eisenbahn- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB).

„Das ist ein Armutszeugnis für die Verkehrswende“, kritisiert Kindler Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und den niedersächsischen Amtskollegen Bernd Althusmann (CDU). „Es ist nicht wirtschaftlich und sinnvoll, noch den allerletzten Kilometer des Schienennetzes zu elektrifizieren. Auch Wasserstoff-Züge und andere klimaneutrale Antriebskonzepte wie Batterie-Loks sind Teil der Lösung.“ Es müssten aber die Voraussetzungen bei der Infrastruktur geschaffen werden, meint Kindler. Betreiber dürften keine Nachteile haben, wenn sie mit Wasserstoff oder mit E-Loks statt mit billigem Diesel führen.

Bahn in Niedersachsen: Nur 60 Prozent des Schienennetzes elektrifiziert

In Niedersachsen sind nur knapp 60 Prozent des 3414 Kilometer langen Schienennetzes elektrifiziert. Vor allem im Süden sind viele wichtige Verbindungen nur mit Dieselzügen zu betreiben, etwa von Hildesheim nach Bad Harzburg oder von Northeim – Nordhausen (Thüringen). Bis 2022 sollen weitere 73 Kilometer, wie die Bahn-Anbindung des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven, eine Oberleitung bekommen. Die Quote steigt dann auf 62 Prozent. Niedersachsen hinkt damit noch weit hinter dem von der Bundesregierung ausgegebenen Ziel von 70 Prozent Elektrifizierung bis 2025 her.

„Das zeigt das mangelnde Interesse des CSU-Verkehrsministers für die Bahn im Allgemeinen und für den Norden im Besonderen“, schimpft Kindler. Er fordert deutlich mehr Investitionen in die Elektrifizierung. Nur mit einer Quote von mindestens 75 Prozent ließen sich die Klimaschutzziele erreichen. „Dafür muss die Bundesregierung in Niedersachsen in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld in die Hand nehmen.“ Die Finanzmittel ließen sich durch den Verzicht auf sinnlose Milliardengräber wie die Autobahnen A 39 oder A 20 einsparen, so Kindler und verweist auf Hessen, das bei sauberen Antrieben deutlich stärker aufs Tempo drücke. Das Land errichte an Strecken, bei denen sich eine Elektrifizierung nicht lohne, gezielt Infrastrukturen für Wasserstoff.

Bahn in Niedersachsen: Wasserstoff-Züge im Test

Die EVB wollen die Züge in ihrem Netz mit der Hauptlinie Bremerhaven-Bremervörde-Buxtehude komplett auf Brennstoffzellen-Technik umstellen. Am Unternehmenssitz in Bremervörde entsteht die weltweit erste stationäre Wasserstoff-Tankstelle für Passagierzüge. Die Bauarbeiten sollen im September beginnen. Es ist die nächste Stufe im emissionsfreien Mobilitätsexperiment, das 2018 mit dem Versuchsbetrieb von zwei Wasserstoff-Zügen begann. Bis Ende 2022 soll die komplette Dieselflotte durch 14 Wasserstoff-Züge ersetzt werden.

Eine Tankfüllung reicht laut EVB-Sprecherin Andrea Stein für 1000 Kilometer. „Damit können unsere Triebzüge den ganzen Tag emissionsfrei in unserem Netz fahren.“ Die Landesnahverkehrsgesellschaft kauft die Züge. Die EVB, die nach eigenen Angaben jährlich zwei Millionen Fahrgäste auf Schienen befördern, leasen diese. Außerdem sollen Erweiterungsflächen auf dem Tankstellen-Gelände später die Erzeugung von grünem Wasserstoff mittels Elektrolyse und Windstrom ermöglichen. (Von Peter Mlodoch)

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