Die Einzelfahrt kostet künftig maximal 5 Euro

Tarifreform des Verkehrsverbundes Südniedersachsen soll Anfang 2021 greifen

Ein Bus des Unternehmens Südniedersachsenbus verlässt den Northeimer Bahnhofsvorplatz in Richtung Güterbahnhofstraße
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Fahrgäste von Bussen und Bahnen müssen sich auf neue Preise einstellen. Vor allem wer innerhalb des Verkehrsverbundes Südniedersachsen weitere Strecken fährt, muss künftig weniger für seine Fahrkarten zahlen

Northeim / Göttingen – Eine Fahrt quer durch das Tarifgebiet des Zweckverbandes Südniedersachsen (ZVSN) wird ab Anfang des kommenden Jahres nur noch fünf Euro kosten. Das sogenannte Fünf-Euro-Ticket ist eines der zentralen Elemente der Tarifreform des ZVSN.

Die Kreistage von Northeim, Göttingen und Holzminden haben der Reform bereits zugestimmt. Das einzige Votum, das noch fehlt, ist das des Göttinger Stadtrates. Die Stadt ist zwar nicht Mitglied des ZVSN, aber neben dem Zweckverband und 15 Bus- und Bahnunternehmen Mitglied in der Gesellschafterversammlung des Verkehrsverbundes Südniedersachsen.

Die politischen Gremien der Uni-Stadt werden sich nach der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen, kündigte Stadtpressesprecher Dominik Kimyon auf Anfrage mit.

Das Fünf-Euro-Ticket gilt sowohl bei Bus- als auch bei Bahnfahrten, betonte ZVSN-Geschäftsführer Michael Frömming. Häufig werde in der Öffentlichkeit fälschlicherweise nur von Bustickets gesprochen, für die das gelte, aber natürlich fielen auch Bahnfahrten darunter. Schließlich geben die drei Landkreise Geld dazu, damit die Fahrpreise nicht kostendeckend sein müssen.

Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen, Michael Frömming

Auch die durch die Tarifreform zu erwartenden Mindererträge werden von den drei Landkreisen ausgeglichen. Die Tarifreform wird, so ist es vor Corona kalkuliert worden, den Landkreis Holzminden 474 000 Euro, den Landkreis Northeim 1,23 Millionen Euro und den Landkreis Göttingen 2,86 Millionen Euro kosten. In der Summe für den Kreis Göttingen sind auch 614 000 Euro enthalten, die im Bereich der Stadt Göttingen anfallen.

Die ursprüngliche Erwartung des ZVSN war, durch die Tarifreform Fahrgäste hinzuzugewinnen. Aufgrund von Corona ist die Hoffnung zumindest kurzfristig getrübt. In den Zeiten des Lockdowns betrug das Fahrgastaufkommen nur zehn Prozent des Normalaufkommens. Inzwischen, so der Geschäftsführer, habe man immerhin schon wieder 60 Prozent erreicht. Archivfoto: Bernd Schlegel    

Die zweite wesentliche Änderung bei der Tarifreform ist die Einführung eines Sozialtickets. Für 35 Euro können Arbeitslose, Sozialhilfe- und Jugendhilfe-, Wohngeldempfänger sowie Empfänger von Leistungen für Bildung und Teilhabe nach dem Bundeskindergeldgesetz alle Strecken im Bereich des Verkehrsverbundes nutzen.

Außerdem wird ein sogenanntes Zwei-Wege-Ticket für Auszubildende eingeführt: Für die Wege zur Ausbildungsstelle und zur Berufsschule müssen sie nur den günstigeren der beiden Wege bezahlen. Ein Jugendfreizeitticket löst die Schülerfreizeitkarte ab. Und für Senioren ab 65 Jahren wird ein Seniorenticket eingeführt.

Der Landkreis Northeim hat darüber hinaus für Schüler aus seinem Kreisgebiet, die Klassen der Sekundarstufe 2 (ab Klasse 11) besuchen, beschlossen, dass sie ab dem Schuljahr 2021/22 maximal 50 Euro für eine Monatskarte bezahlen müssen. Bisher kostet beispielsweise eine Monatskarte für die Strecke von Echte nach Northeim 74,10 Euro oder von Hardegsen nach Northeim 86,40 Euro. Die Mehrkosten dafür sind laut des Tarifgutachtens, das der Reform zugrunde liegt, auf weitere 520 000 Euro geschätzt.

Alle drei Landkreise haben außerdem beschlossen, dass es nach Umsetzung der Tarifreform zwei Jahre lang keine Preiserhöhung geben soll und etwaige Mehrkosten durch steigende Kraftstoffpreise oder höhere Personalkosten infolge von Tarifsteigerungen in dieser Zeit aufzufangen.

Geplant war ursprünglich, die Tarifreform schon zum 1. August dieses Jahres umzusetzen. Wegen der Corona-Pandemie hat das nicht funktioniert. (Olaf Weiss)

Längere Strecken werden günstiger

Bisher kostet beispielsweise ein Einzelfahrschein von Dransfeld nach Göttingen 5,20 Euro, künftig mit dem Fünf-Euro-Ticket dann 5 Euro. Bei größeren Entfernungen fällt die Ersparnis durch das Fünf-Euro-Ticket größer aus: So verbilligen sich die Fahrten von Einbeck und Uslar nach Göttingen (bisher 8,70 Euro) um 3,70 Euro und die Fahrt von Northeim nach Göttingen (bisher 6 Euro) um einen Euro. Die Fahrt von Hann. Münden nach Walkenried quer durch das Tarifgebiet des Verkehrsverbundes (bisher 10,80 Euro) kostet künftig nicht einmal die Hälfte. (ows)

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