Pandemie-Regeln

Göttingen: Große Verunsicherung wegen Corona-Verordnung – Lockerungen ab Freitag?

Publikumsverkehr in der Göttinger Innenstadt: Menschen laufen die Fußgängerzone entlang, andere sitzen unter einem Schirm und nutzen die Außengastronomie
+
Der Publikumsverkehr war in den vergangenen Tagen in der Göttinger Fußgängerzone, in der auch Außengastronomie zu finden ist, zumeist moderat. Ab Freitag könnte es weitere Lockerungen geben.

Was für Corona-Regeln nun gelten, sorgt zunehmend für Verwirrung – sowohl bei Bürgern als auch bei Gewerbetreibenden. Viele fragen direkt beim Ordnungsamt nach.

Göttingen – Die aktuell geltende Corona-Landesverordnung sorgt für eine deutliche Verunsicherung bei den Gewerbetreibenden. Das wiederum führt häufiger zu Verstößen.

Der Ordnungsdienst der Stadt Göttingen muss darauf mit verstärkten Kontrollen reagieren – und erstickt zunehmend in Anfragen von verständnislosen, ja wütenden Bürgern und Unternehmern. So fasst Göttingens Dezernent für Ordnung, Christian Schmetz (CDU), die Wirkungen der geltenden Landesregelungen zusammen.

Corona-Regeln in Göttingen sorgen für Verwirrung: 250 bis 300 E-Mails

Die Unsicherheit, ja Verwirrung ist so groß, dass momentan am Ende des Tages für den Innendienst, der Gewerbetreibende, Unternehmen, Sportvereine, Kirchen und andere Einrichtungen berät, 250 bis 300 E-Mails unbearbeitet bleiben. Vor dieser Verordnung waren es in den Vorwochen 25 bis 30 offene Anfragen, die auf den nächsten Tag geschoben wurden.

Das sei oft nötig, weil die Stadt beim Land und den Ministerien in Hannover nachfragen müsste. Hinzu kämen viele Anrufe, die vorbei am Bürgertelefon direkt im Ordnungsamt ankämen.

Viele Anfragen drehten sich um die Testpflicht – und das gleichzeitig von vielen Geschäften erfolgreich angebotene Verfahren „click and meet“. „Jetzt müssen Kunden Tests vorlegen“, sagt Schmetz und fügt an: „Der Umgang damit ist sehr unterschiedlich.“ So fragten viele Kunden vor allem zu Baumärkten und zur Außengastronomie und den Testpflichten dort nach.

Göttingen: Corona-Testpflicht könnte ab 28. Mai entfallen

Die Unsicherheit wird nach den jüngsten Ankündigungen des Landes zum Verzicht auf die Testpflicht noch steigen, sagt Schmetz. Tatsächlich könnte diese Testverpflichtung ab Freitag, 28. Mai, entfallen, wenn die Inzidenz morgen noch einmal stabil unter 50 ist. Das werde daher die Leiterin des Krisenstabes Petra Broistedt (SPD) am Mittwoch im Krisenstab erörtern und dann entsprechend kommunizieren.

Geschäftsinhaber wie Kunden sind verunsichert, wie Christian Schmetz die Erfahrungen des Ordnungsdienstes zusammenfasst: „Grundsätzlich ist aus unserer Sicht ein Großteil der Bevölkerung aktuell nicht mehr in der Lage, Corona-Entwürfe, Stufenpläne und letztlich die beschlossenen und verkündeten Regelungen auseinanderzuhalten.“

Schmetz macht aber den Bürgern keinen Vorwurf, zeigt Verständnis für unklare Regeln, die nun noch mit einem Auf und Ab der Inzidenzen täglich wechseln können: „Das alles ist in der Tat auch schwierig.“ Problem: Auch in den Medien werde häufig nicht zwischen verkündeten und beschlossenen Regelungen unterschieden.

Corona-Regeln in Göttingen: Höheres Kontroll- und Arbeitsaufkommen

Lockerungen der Corona-Regeln sorgten generell für ein höheres Kontroll- und Arbeitsaufkommen, wie Schmetz aus seiner Erfahrung und auf HNA-Anfrage berichtet. Nun aber kommen weitere Einflussfaktoren auf ihn und den Ordnungsdienst der Stadt zu, der auch seit der Corona-Krise verstärkt im Landkreis unterwegs ist.

Weitere Lockerungen in der Landesverordnung und steigende Temperaturen mit mehr Menschenansammlungen im Freien würden den Ordnungsämtern noch mehr Arbeit bereiten. Die Stadt reagiert und stockt bereits das Personal auf.

„Hierfür wird externes Personal eingestellt“, sagt der Dezernent für Ordnung. Das sei unerlässlich, um so weiterhin eine „vertretbare Kontrolldichte in Stadt und Landkreis zu gewährleisten“.

Corona-Regeln in Göttingen: Verärgerte und frustrierte Anrufer

Und so schlagen sich die Ordnungsamtsmitarbeiter im Innendienst oft mit verärgerten oder frustrierten Anrufern herum. „Das kann ich gut nachempfinden, erschwert uns aber die Arbeit“, sagt der Chef, der ein nachdenkliches Fazit zieht: „Wir sollten nun alle gemeinsam aufpassen, dass wir das mühsam Erreichte nicht noch verstolpern.“

Es bedarf aus seiner Sicht jetzt „klare und einfache Regeln“. Die müsse und könne das Land in der Neufassung zum 1. Juni liefern. „Ich hoffe darauf“ sagt Schmetz und fügt an: „Da hilft am Ende immer der gesunde Menschenverstand.“ Und ein zuletzt häufig vermisster Bezug der Politik zur Praxis. Diesen allerdings haben die Mitarbeiter der Ordnungsdienste im Land zwangsläufig – auch in Göttingen. Und sie müssen dann bei Kontrollen und Verstößen auch die Wirkungen der Verordnung berücksichtigen.

Statt des möglichen Bußgelds setzen sie laut Schmetz fast ausschließlich auf Ermahnungen bei Verstößen. Vorher gibt es in der Regel Aufklärungen durch die Vollzugskräfte gegenüber den verunsicherten Bürgern und Gewerbetreibenden. (Thomas Kopietz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.