Göttingen: Die Welt aus der Sicht eines musischen Wieners

Neues Ensemble-Mitglied stellt sich mit „Wiener Liederabend“ vor

Neues Ensemble-Mitglied am Jungen Theater: Michael Mayer wird für mindestens zwei Jahre das Göttinger Schauspielhaus bereichern.
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Neues Ensemble-Mitglied am Jungen Theater: Michael Mayer wird für mindestens zwei Jahre das Göttinger Schauspielhaus bereichern.

„Der Tod muss a Wiener sein“, sang der Wiener Komponist und Dichter Georg Kreisler. Der schwarze, morbide Humor steht für die österreichische Hauptstadt wie die Kaffeehauskultur und der Wiener Schmäh.

Göttingen – Davon singt und erzählt am Donnerstag, 10. September, ab 20 Uhr Schauspieler Michael Johannes Mayer, neues Ensemble-Mitglied am Jungen Theater (JT) in Göttingen, im „Wiener Liederabend“.

Mit Liedern und Geschichten aus seiner Heimat stellt sich Michael Mayer dem Göttinger Publikum im Jungen Theater vor. Und es verspricht ein sehr unterhaltsamer Abend zu werden. Von Leopoldi über Kreisler bis hin zu Falco und Hirsch – Mayer nimmt das Publikum mit durch eine Zeitreise der Wiener Lieder-Kultur.

Er erzählt etwas zu den Künstlern, aber auch von seiner Geburtsstadt. So soll der Zuschauer etwa erfahren, wie der Kaffee nach Wien kam, verspricht JT-Geschäftsführer Tobias Sosinka, der auch die Dramaturgie zum Liederabend entwarf. Für die musikalische Begleitung am Piano sorgt Steffen Ramswig.

„Bissig und humorvoll. Morbid und charmant. Eine schwarzhumorige Annäherung mit Charme, Schmäh und viel Musik“, heißt es in der Ankündigung des JT. Und das glaubt man sofort, wenn man Mayer, den Neuen im Ensemble, reden hört.

Einen coolen Typen haben sich die Göttinger Theatermacher da an Land gezogen. Einen mit vielseitigen Talenten. Und einen, dem man die Lust aufs Theaterspielen direkt anmerkt.

„Der Wunsch nach künstlerischer Veränderung“ habe ihn nach Göttingen gezogen, sagt Michael Mayer im Vieraugengespräch. Im vergangenen Oktober teilte er seinem damaligen Arbeitgeber, dem Landestheater Eisenach, mit, dass er nach drei Jahren eine neue Herausforderung sucht.

Kostprobe auf der Bühne: Pianist Steffen Ramswig und Michael Mayer zeigen ein Stück aus dem Wiener Liederabend.

Der Zufall wollte es, dass just Ende 2019 Tobias Sosinka ein Stück am Eisenacher Theater inszenierte. Er kam mit Mayer ins Gespräch und erfuhr so nebenbei, dass dieser für die nächste Saison „noch zu haben ist“. Wie Rainer Calmund in seinen besten Manager-Zeiten schlug Sosinka sofort zu und lotste den multi-talentierten Österreicher an die Leine.

Mayer ist gebürtiger Wiener, wuchs aber in Niederösterreich, ganz in der Nähe des mondänen Ski- und Kur-Orts Semmering, auf. Von 2010 bis 2013 studierte er an der Performing Academy in Wien. Es folgten verschiedene Theater-Engagements in Österreich und Deutschland.

Insbesondere Mayers Gesangsstimme überzeugt bei einer kurzen Kostprobe sofort. Und natürlich hätte er Lust auch am JT mal wieder ein Musical zu spielen. „Aber am wohlsten fühle ich mich im Sprech-Theater“, betont der Wiener.

Trotzdem: Die Musik, der Gesang – beides gehört zu Mayer schon seit der Kindheit. Auch deshalb der Wiener Liederabend, der eigentlich als Abschlussvorstellung in Eisenach geplant war.

Corona kam dazwischen. Mit etwas verändertem Konzept – denn nun ist es ja ein „Hier bin ich“ und kein „Auf Wiedersehen“ – kommt der ganz besondere Wiener Abend nun eben in Göttingen zu seiner Premiere.

„Es gibt eine emotionale Verbindung zu den Liedern. Die Leidenschaft für die Wiener Lieder wurde auch durch meine schulische Laufbahn geweckt“, erzählt Mayer.

Die zweite wichtige Komponente des Abends ist die Vergänglichkeit, der typische österreichische, typisch wienerische schwarze Humor. Der gehört – fast klischeehaft – bei einem Österreicher einfach dazu. „In Österreich wurde das Sterben einfach jahrhundertelang zelebriert, ganz besonders bei den Habsburgern“, erklärt Mayer den Hang zum Morbiden.

Den gibts in Österreich aber eben (fast) immer mit Augenzwinkern. So auch in Göttingen am 10. und 24. September sowie am 28. Oktober (jeweils ab 20 Uhr).

Karten an der Theaterkasse des Jungen Theaters (Bürgerstraße 15), unter Tel. 0551 / 495015 oder per Mail an kasse@junges-theater.de. (Andreas Arens)

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