Hebammenmangel

Digitales Angebot: App hilft ab Herbst Schwangeren in Südniedersachsen

Viele Partner: Birgit Honé (4.v.l.), Niedersachsens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, und Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (7.v.l.) präsenierten mit den Akteuren das Projekt „HEDI - Schwangerenversorgung digital unterstützt und koordiniert“.
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Viele Partner: Birgit Honé (4.v.l.), Niedersachsens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, und Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (7.v.l.) präsenierten mit den Akteuren das Projekt „HEDI - Schwangerenversorgung digital unterstützt und koordiniert“.

Die Zahl aktiver Hebammen nimmt in Südniedersachsen immer weiter ab. Um die dringend benötigte und gesetzlich garantierte Hilfe und Beratung für werdende Mütter und junge Familien dennoch sicherzustellen, arbeiten die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG) und der App-Entwickler aidminutes GmbH derzeit an einer digitalen Lösung. 

Göttingen – „HEDI – Schwangerenversorgung digital unterstützt und koordiniert“ lautet der Name des Projektes, das von der Gesundheitsregion Göttingen mit 80 000 Euro und aus dem Europäischen Sozialfonds „Soziale Innovation“ mit 480 000 Euro gefördert wird.

Eng in die Entwicklung der kostenlosen und werbefreien HEDI-App eingebunden ist neben Stadt und Landkreis Göttingen auch der Landkreis Northeim. „HEDI verfolgt das Ziel, die Situation von Schwangeren, Hebammen und dem vielfältigen Kreis ihrer Betreuenden zu verbessern“, betonte Projektleiterin und Gesundheitsregion-Geschäftsführerin Dr. Corinna Morys-Wortmann bei der Präsentation der Zwischenergebnisse, die anlässlich eines Besuchs der niedersächsischen Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, Birgit Honé, in der Göttinger Lokhalle stattfand. „Das ist ein tolles, sehr innovatives und ausgesprochen durchdachtes Projekt“, lobte die Ministerin bei ihrer Visite in der Uni-Stadt. Die Informations-App stellt voraussichtlich ab Herbst medizinisch gesicherte Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bereit und verknüpft diese mit entsprechenden Ansprechpartnern und Unterstützungsangeboten in der Region.

„Eine Besonderheit ist dabei, dass die Informationen in verschiedenen Sprachen aufbereitet werden“, betonte Boran Burchhardt von aidminutes, der das Projekt konzeptionell begleitet. In der Entwicklungsphase könnten neben Deutsch noch Englisch, Französisch und Arabisch als App-Sprache gewählt werden. „In der endgültigen Version sind dann durchaus noch mehr Sprachen denkbar“, so Burchhardt.

Die Präsentation des HEDI-Projekts, des digitalen Angebots für Schwangere und junge Familien, erntete von allen Seiten großes Lob. Birgit Honé, Niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, machte deutlich: Wenn Nutzer sagen würden, dass dies genau das ist, was sie bräuchten, sei das das allergrößte Kompliment.

Honé hatte kürzlich den Förderbescheid über 480 000 Euro überreicht.

„Die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen ist mit diesem Projekt ein absoluter Vorreiter“, betonte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. „HEDI ist ein wichtiger Baustein, um den Mangel an Hebammen auszugleichen und die flächendeckende Versorgung von werdenden Müttern und jungen Familien sicherzustellen“, sagte Harald Rode, Dezernent für Jugend und Soziales des Landkreises Northeim.

„Mehr als nur eine Ergänzung des bisherigen Angebots“ nannte Dr. Andreas Philippi, stellvertretender Landrat des Landkreises Göttingen, die neue App. Er verwies aber auch darauf, dass der Kreis in diesem Jahr die Hebammenversorgung im ländlichen Raum 100 000 Euro fördere.

HEDI bietet künftig informative, leicht verständliche Sachtexte und multimediale Informationen, die zusammen mit Experten erarbeitet wurden. Medizinisches Wissen, Informationen zu Behördengängen und Angebote von Beratungsstellen werden direkt mit den Kontaktdaten lokaler Ansprechpartner verknüpft. Eine integrierte Hebammensuche soll die Kontaktaufnahme mit Hebammen im Wohnumfeld vereinfachen und die direkte Betreuungsanfrage ermöglichen. Eine Chatfunktion unterstützt die sichere Kommunikation mit der betreuenden Hebamme über Text-, Video-, Bild- und Sprachnachrichten. Alle Informationen sind mehrsprachig und mit Audio- oder Videoausgabe unterstützt. Im November soll die HEDI-App zunächst mit einer Pilotphase an den Start gehen.

Eng begleitet wurde die App-Entwicklung vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI). Dabei waren natürlich auch die zukünftigen Nutzerinnen, also Hebammen und Schwangerer, aus der Region einbezogen worden. „Neben den informierenden Aspekten wird die App insbesondere die Hebammensuche unterstützen“, sagte Entwicklerin Alexandra Waligorski von aidminutes. Ein Chat in der App ermögliche dann die datensichere Kommunikation mit Hebammen in Text, Bild und Video.

„Hauptziel von HEDI ist es, Schwangere und junge Eltern mit Hebammen, Gynäkologen, Kinderärzten und sozialen Anlaufstellen zu vernetzen“, sagte Dr. Corinna Morys-Wortmann, Geschäftsführerin der Gesundheitsregion Südniedersachsen. (Per Schröter)

Zahl der Hebammen nimmt ab

Im Landkreis Göttingen sind nach Angaben des stellvertretenden Landrates Dr. Andreas Philippi aktuell 123 Hebammen tätig – Tendenz rückläufig. „Das reicht nicht aus, um die Versorgung adäquat zu gewährleisten“, meinte Philippi. Auch im Landkreis Northeim ist die Entwicklung besorgniserregend. Bereits vor zwei Jahren berichtete Landrätin-Astrid Klinkert-Kittel über einen Rückgang aktiver Hebammen im Kreisgebiet – von 39 im Jahr 2009 auf nur noch 27 im Jahr 2019. (per)

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