Forschung an der Göttinger Uni-Medizin

Digitales Leben: Daten für die bessere Medizin

+
Neues 3D-Röntgengerät an der Universitätsmedizin Göttingen: Damit wurden zweidimensionale Aufnahmen von Patienten gemacht. Ein Computerprogramm errechnet daraus ein dreidimensionales Bild. Dadurch kann die Strahlenbelastung minimiert werden.

Dagmar Krefting ist Professorin für Medizininformatik an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) – was nach theoretischer Arbeit klingt, erweist sich als Arbeitsfeld mitten in der Medizin und der digitalen Welt der Daten – also direkt im dramatischen Hier und Jetzt.

Die Medizininformatikerin Krefting hat ein großes Ziel: Sie will mit ihrer UMG-Abteilung nicht mehr oder weniger als eine „bessere Medizin, eine bessere Behandlung“ erreichen, wie sie sagt. Und das auch für Menschen mit Chronischen oder Krebs-Erkrankungen.

Zwar wachsen die Erkenntnisse aus Forschung und Diagnose, verbunden mit technischen Innovationen rasant. Daraus resultieren wiederum enorme Datenmengen. Sie zu sammeln, zu ordnen, aufzubereiten und nutzbar zu machen für viele, das ist eine Kernaufgabe der Medizininformatik an der UMG.

Dabei stoßen die Experten auch auf banale Probleme: „Der große Datensatz aus Uni-Kliniken ist zwar da, aber oft lückenhaft, verursacht dadurch, dass Patienten zwischenzeitlich woanders waren. „Das kriegen wir dann nicht immer mit.“ Manchmal auch, weil die mehr als 300 Arzt-Info-Systeme auf Computern in Praxen und Kliniken nicht miteinander Daten austauschen können.

„Jeder Softwarehersteller versucht, die Daten zu schützen. Wir aber streben an, sie für die Medizin nutzbar und austauschbar zu machen.“ Ein Widerspruch, den es zu knacken gilt – unter Wahrung der Datenschutzvorschriften. „Die Systeme müssen ein Berechtigungskonzept für den Datenaustausch ermöglichen – für Leute mit unterschiedlichen Ansprüchen. Das ist sehr spannend.“

Letztlich geht es darum, dass medizinische Erkenntnisse über Erkrankungen,

deren Erforschung und Therapie kein Herrschaftswissen einzelner Mediziner bliebt. Die aber müssen mitspielen. „Viele Ärzte akzeptieren das

mittlerweile, und sehen es nicht als Konkurrenz zu ihrer eigenen Expertise, sondern als Ergänzung, weil sie auf einen riesigen Wissenspool zugreifen können, den sie sonst nicht haben könnten“, sagt die Professorin, die fest an die Chancen glaubt, die die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz für die Medizin der Zukunft bereithält.

Beispiel Krebsmedizin. Dort sind Kliniken bereits gut vernetzt, tauschen Daten aus. Aber es gibt Lücken. So bei den seltenen, schwer zu therapierenden, oft auch sehr unterschiedlichen Bauchspeicheldrüsen-Karzinomen. Den Spezialisten steht so zum Teil nur ein kleiner Datensatz zur Verfügung. Würden weit mehr Daten über Diagnosen,

Behandlungen, Medikamentenwirkung einfließen, „dann könnten Therapien noch individueller, genauer und letztlich erfolgreicher sein“, wie der UMG-Experte für Bauchspeicheldrüsenkrebs, Prof. Dr. Volker Ellenrieder sagt. Pools, gefüllt mit Daten vieler Patienten und Mediziner helfen dabei. Das Bundesforschungsministerium pumpt deshalb viel Geld in entsprechende Projekte wie HiGHmed.

Klarer Blick auf die Medizin der Zukunft: Prof. Dr. Dagmar Krefting ist Professorin für Medizin-Informatik an der Universitätsmedizin Göttingen.

Dagmar Krefting nennt noch einen Vorteil der Digitalisierung: Klinische Studien, so für Medikamente, „haben oft nur eine dünne Basis – wegen der wenigen teilnehmenden Patienten“. Die Wirkungen werden zwar beschrieben und zusammengefasst. Die Medikamente aber gehen weiter an viele Menschen, die

aber nicht in der Studien-Gruppe waren. Und: Bei ihnen wirken sie möglicherweise ganz anders. „Das zu wissen, hilft“, sagt Krefting und fügt an: „Diese Daten stecken aber schon in unserem Gesundheitssystem.“ Sie müssen nur gehoben werden, mit den Mitteln der Digitalisierung – und im Sinne des großen Zieles: bessere Gesundheitsversorgung, bessere Krankenversorgung. Und noch etwas: Wichtig ist die Speicherung der Daten auch für die zukünftige weit leistungsfähiger Forschung. „Wir doch jetzt noch gar nicht, wofür die Daten einmal wichtig sein könnten.“

Medizininformatik und Corona-Bewältigung

In der Bewältigung der Coronakrise ist die Medizininformatik in verschiedenen Bereichen aktiv. Das reicht von praktischer Soforthilfe bei der Unterstützung des Rechenzentrums zum Beispiel in der Einrichtung der vielen Home-Office-Zugänge und dem Krisenstab der UMG beim Aufbau des Freiwilligenmanagements. Aber auch die möglichst effiziente Bereitstellung von Daten für das europäische Covid-Register LEOSS und die digitale Erfassung von Symptomen und Kontakten Covid-Erkrankter werden in der Medizinischen Informatik adressiert. Hier tauschen sich die Institute bundesweit über die Fachgesellschaft GMDS und Netzwerke wie HiGHmed oder die Medizininformatikinitiative aus, um Lösungen schnellstmöglich auch an anderen Standorten verfügbar zu machen und gemeinsam mit vereinten Kräften zu entwickeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.