Zukunftsprojekt

Digitalisierung: Göttinger Klinik will von Aktenbergen weg

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Projektleiterin Anne Ahlbrecht (v. l.), Klinik-Geschäftsführer Christian von Gierke, Kai Florysiak (Geschäftsführer Metropolregion), Chefarzt Dr. Dietrich Kulenkampff und Roberto Heuser von der Mündener Firma DOS stehen vor einem der neuen Visitenwagen, an denen alle Patientendaten elektronisch erfasst und abgelesen werden können.

Göttingen/Hann. Münden. Das Krankenhaus Neu Bethlehem in Göttingen wird digitalisiert. Die vorhandenen Berge von Patientenakten sollen bald der Vergangenheit angehören sollen. 

Darum kümmert sich das Unternehmen DOS Software-Systeme GmbH aus Hann. Münden.

Die Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitsbereich nicht Halt – im Gegenteil. Sowohl bei den internen Abläufen, als auch im Dialog mit Patienten oder niedergelassenen Ärzten können elektronische Lösungen die Qualität und Effizienz im Krankenhausalltag heben.

„Unser Ziel ist die Einführung einer mobilen digitalen Patientenakte“, sagt Christian von Gierke, Geschäftsführer des Agaplesion Krankenhauses Neu Bethlehem. Eine verbesserte Dokumentation, schnelle Absprachen im Ärzte- und Pflegeteam, ständig aktualisierte Akten mit allen Informationen, ein schneller Zugriff auch im Notfall sowie eine vereinfachte und sichere Abrechnung der Patienten bei den Krankenkassen seien nur einige der Vorteile.

„Dazu zählen auch der einfache Informationstransfer zum Patienten, die gute Vernetzung mit anderen Behandlungspartnern wie Arztpraxen und Reha-Einrichtungen, die Arzneimitteltherapiesicherheit sowie ein verbessertes Zeitmanagement bei der Behandlung“, so von Gierke. Um das zu erreichen, muss zunächst einmal kräftig investiert werden. „Bislang haben wir schon rund 250.000 Euro investiert“, sagt der Geschäftsführer. Allein knapp 200 000 Euro seien in neue Hardware wie ein sicheres W-Lan-Netz sowie Visitenwagen und Tablets geflossen, über die das Klinikpersonal auf das System zugreifen und die Patientendaten einsehen kann. Je nach Berechtigung könnten von dort direkt neue Informationen und Daten wie Medikation, Temperatur- und Blutdruckwerte eingegeben werden.

Weitere Investitionen werden folgen, bis im kommenden Frühjahr eine flächendeckende Einführung auf den Stationen in Angriff genommen werden kann. Bis zu 500.000 Euro könnten es am Ende sein, so von Gierke. Bisher wird das System in der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung getestet. Erst wenn deren Leiter Dr. Dietrich Kulenkampff, der gleichzeitig auch ärztlicher Direktor des Krankenhauses ist, grünes Licht gibt, wird es im ganzen Haus eingeführt.

„Wir arbeiten seit über zehn Jahren mit dem Krankenhaus Neu Bethlehem zusammen und unterstützen das Projektteam jetzt technisch bei der Umsetzung“, sagt Roberto Heuser, Geschäftsführer der Mündener Firma DOS. „Im Vergleich zu anderen Krankenhäusern wurde hier schon jetzt ein enorm hoher Grad der Digitalisierung geschaffen“, betont er. Ganz einfach sei die bisherige Einführung natürlich nicht gewesen. „Viele Mitarbeiter des Krankenhauses mussten sich umgewöhnen“, sagt Heuser. Und der Modernisierungsprozess sei längst nicht zu Ende. „Schon heute gibt es keine neuen medizinischen Geräte mehr, die nicht über eine IT-Schnittstelle verfügen“, so der Fachmann. 

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