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Dinos: Göttinger Forscher lösen Rätsel der Fischsaurier-Haut

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Die fossile Haut eines Ichthyiosauriers: Das untersuchte Fossil der Gattung Stenoopterygius ist etwas 85 Zentimeter lang. Ein internationales Forschungsteam, auch der Uni Göttingen, hat Fettpolster entdeckt.  

Göttingen. Natürlich weiß jeder junge Dino-Fan, was ein Ichthyiosaurier ist: Die Fischsaurier bevölkerten mit 80 Arten die Meere im Erdmittelalter – Mesozoikum. Die Reptilien starben vor etwa 94 Millionen Jahren aus, 30 Millionen Jahre früher als die Dinosaurier.

Das Reptil Ichtyiosaurier hatten vieles mit heutigen Meeressäugern, Zahnwalen, wie Delfinen, gemein, wie jetzt ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Uni Göttingen herausfand.

Die äußerliche Ähnlichkeit der fossilen Saurier mit heutigen Meeressäugern deutet darauf hin, dass beide Gruppen ähnliche Strategien entwickelt haben, um sich an das Leben im Meer anzupassen.

Die Wissenschaftler haben das Hautgewebe eines Ichthyiosauriers untersucht – und zwar eines Tieres der Gattung Stenopterygius, das in der frühen Jura-Zeit vor etwa 180 Millionen Jahren in einem Flachmeer lebte, das einst weite Teile Süddeutschlands bedeckte.

Fischsaurier untersucht: Prof. Volker Thiel. Foto: 

Die Forscher hatten Glück, sie fanden organische Reste der ursprünglichen, glatten Haut des Tieres, die immer noch flexibel war und aus unterschiedlichen inneren und äußeren Schichten bestand. Darunter konnten auch die fossilen Relikte einer Speckschicht identifiziert werden, wie Prof. Volker Thiel vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Uni Göttingen schildert. Und diese Fettpolster weisen den Weg zu den Zahnwahlen von heute: „Solche Fettpolster sind für heutige Meeressäuger charakteristisch.“ Die Funktion der Fettschicht ist erklärbar: Die Fettpolster isolieren die Tiere gegen die Kälte, unterstützen den Auftrieb und dienen als Energiespeicher. „Ihr Nachweis in dem Ichthyosaurier zeigt, dass diese Reptilien Warmblüter waren“, sagt Thiel. Genau das hatten Forscher schon lange vermutet, aber es war bislang schwierig, diese und andere Ähnlichkeiten zu heute lebenden Tieren zu bestätigen, da die Fossilien unzureichend erhalten waren.

Das Forscherteam fand heraus, dass die Ichthyosaurier-Haut einst in einer Weise pigmentiert war, die den Tieren eine helle Unterseite und eine dunklere Oberseite verlieh.

Fossile Haut des Ichthyiosauriers: Hier die rechte Bauchflosse. Ein Forscherteam hat eine Fettschicht entdeckt.  

Der Blick auf und unter die Haut offenbarte nun fantastische Erkenntnisse: „In der fossilen Haut des Sauriers konnten wir die stark verzweigten Pigmentzellen noch klar erkennen“, schildert Thiel. „Tatsächlich war darin noch der Farbstoff Melanin chemisch nachweisbar, der in vielen heutigen Tieren auftritt und beim Menschen für die dunkle Färbung der Haare sorgt.“

Die Farbverteilung mit heller Unterseite und dunkler Oberseite des Ichthyosaurus weist wiederum den Weg zur Jetztzeit: Wale und viele andere Meerestiere haben diese Farbtonprägung, denn sie ist praktisch: Sie kann als Tarnung wirken, beim Aufenthalt an der Wasseroberfläche vor UV-Licht schützen und die Wärmeregulierung unterstützen.

„Die Ähnlichkeiten zwischen Ichthyosauriern und den heutigen Zahnwalen sind also nicht nur äußerlich, sondern tief greifender Natur — ein Beispiel für die evolutionäre Annäherung zweier ganz unterschiedlicher Gruppen von Lebewesen wie Reptilien und Säugetieren“, so der Göttinger Forscher Volker Thiel.

Originalveröffentlichung: Johan Lindgren et al. „Soft-tissue evidence for homeothermy and crypsis in a Jurassic ichthyosaur“ in „Nature“ (2018)

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