Hohe Wirksamkeit, niedrige Kosten

Direktor am Max-Planck-Institut Göttingen: Fensterventilatoren senken das Infektionsrisiko

Ein Mann mit Brille und FFP2-Maske misst die Filterfunktion einer FFP2-Maske 
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Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) in Göttingen: Prof. Eberhard Bodenschatz betreibt Forschung um Aerosole, auch bezüglich der Infektionsgefahr in Klassenräumen. Hier misst er die Filterfunktion von Mund-Nase-Schutz-Masken.  

Eberhard Bodenschatz ist Direktor am Max-Planck-Institut. Er beschäftigt sich seit Corona mehr mit Aerosolen und hat an einem Weg mitgearbeitet, das Ansteckungsrisiko zu mindern.

Göttingen – Eberhard Bodenschatz beschäftigt sich schon lange mit Aerosolen – gerne in den Wolken. Seit der Corona-Pandemie ist Bodenschatz aber noch bodenständiger geworden, misst die Viren-Transporter Aeorosole in der Luft von Opernhäusern, in der Göttinger Uni-Klinik und in Klassenräumen von Schulen.

Mittlerweile weiß der Physiker – und auch von ihm informierte Politiker – wie die Ansteckungsgefahr in Räumen deutlich verringert werden kann: So auch durch den Einbau von Ventilatoren in Fenstern von Unterrichtsräumen.

Fensterventilator: Zum Stoßlüften und Dauerlüften geeignet

Ein Ergebnis, das Dr. Alfred Mennekes, Tiermediziner im Ruhestand, praxisorientiert mithilfe von Handwerkern und der Schulleitung in Legden im Münsterland getestet hat. Ein oben in einem Fenster eingebauter Ventilator bläst dabei die Luft nach Außen. Er ist zum Stoßlüften und Dauerlüften geeignet, sagt Bodenschatz.

Virustransportierende Aerosole werden dabei aus dem Klassenraum befördert, frische Luft von außen hingegen über ein gekipptes Fenster oder durch einen im Fenster eingebauten Luftfilter angesaugt.

„Ein Ventilator im Fenster eines Klassenraums bringt für Schüler und Lehrer eine klare Verbesserung des Infektionsschutzes“, sagt Bodenschatz, der anfügt: „Die Geräte sorgen für einen automatischen Luftaustausch mit einem fünf- bis 15-fachen Luftwechsel pro Stunde.“

Fensterventilator: Ansteckungsrisiko in Unterrichtsräumen verringern

Dass etwas getan werden muss, um Risiken der Ansteckung mit Coronaviren in Unterrichtsräumen zu mindern – aber auch generell die Luftqualität dort zu verbessern – steht für den Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation außer Frage: Ohne Schutzmaßnahmen sei die Infektionsgefahr erheblich.

Das Risiko, sich in einem Klassenraum anzustecken, in dem sich einen Vormittag lang 30 Schüler ohne Maske aufhalten, von denen einer mit Corona infiziert ist, liege nach vier Unterrichtsstunden bei mehr als 80 Prozent. „Setzen jedoch alle eine Maske auf, sinkt die Ansteckungsgefahr auf 15 Prozent.“ Werde dazu noch effektiv gelüftet, sinkt das Risiko auf weniger als drei Prozent.

Fensterventilator: Flankierende Schutzmaßnahmen

Grundsätzlich setzen Bodenschatz und Mennekes auf flankierende Schutzmaßnahmen, wie eine reduzierte Schülerzahl , wie sie mit dem Unterricht-Wechselmodell erreicht werden kann . Die Kombination – halbe Schülerzahl , FFP2-Masken im Unterricht und eine effektive Ventilatorlüftung gewährleistet einen „weitestgehend infektionssicheren Präsenzunterricht“ in Schulen.

Das manuelle Stoßlüften – alle 20 Minuten, fünf Minuten lang – aber werde bald an Grenzen stoßen. „Herrschen drinnen und draußen ähnliche Temperaturen, lässt die thermische Austauschkraft erheblich nach“, so Bodenschatz.

Fensterventilator: Keine Wartungskosten

Eine mechanische Lüftung mit stetig langsam laufendem Fensterventilator kann das Problem lösen. Ein Fenster muss dabei gekippt sein. Die Kosten für einen Fensterventilator samt Steuerung und Einbau liegen laut Mennekes bei rund 1300 Euro. Wartungskosten entstehen nicht.

Das sei deutlich günstiger als der Preis für die gängigen Luftreinigungsgeräte, die sich laut Bodenschatz und Mennekes auch für den Infektionsschutz eignen. Sie sorgen aber nicht für Frischluft, benötigen mehr Wartung und produzieren höhere Folgekosten – wie beide unisono feststellen. (Thomas Kopietz)

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