Universität Göttingen

Diskussion in Göttingen: Verständliche Wissenschaft gegen Populismus

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Plädieren für eine verantwortungsvolle, wissenschaftliche Forschung (von links): María Ximena Ordóñez, Prof. Dr. Tanja Baudson, Prof. Dr. Stephan Herminghaus, Prof. Dr. Ulrike Beisiegel und Aneke Dornbusch bei der Podiumsdiskussion in der Nicolaikirche.

Göttingen. Die Universität Göttingen hatte zu einer Podiumsdiskussion rund um die Themen Wahrheit, alternative Fakten und Wissenschaftskommunikation geladen.

Anlass der Veranstaltung unter dem Motto „wissen schafft vertrauen“ in der Nicolaikirche war der am Samstag stattfindende "March for Science". 

„Es ist eine große Frage, inwieweit die Wissenschaft politisch werden darf, kann oder soll – ich selbst bin eher in die Aktivistenrolle hereingeraten“, sagte Prof. Dr. Tanja Baudson von der Universität Luxemburg, die den „March for Science“ in Göttingen organisiert. „Insgesamt ist das Vertrauen in die Wissenschaft relativ hoch, aber wir müssen darauf achten, dass sich die Gesellschaft nicht weiter auseinander bewegt.“

Verschiedene Disziplinen der Wissenschaft müssen zusammenarbeiten

Prof. Dr. Stephan Herminghaus, Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, betonte: „Eine der dringendsten Fragen ist doch, wie ein nachhaltiges Bewohnen unseres Planeten zu organisieren ist – da müssen sehr bald Antworten gefunden werden und das durch transdisziplinäre Zusammenarbeit“, plädierte der Physiker. 

Dafür brauche es das Vertrauen der Bevölkerung und die Kommunikation von Forschungsergebnissen in allgemein verständlicher Form. „Das ist das einzig wirkliche Gegenmittel gegen das Gift der Demagogen und Populisten. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es keine Alternativen zu Fakten gibt.“

Mehr Transparenz in der Wissenschaft

Doktorandin Aneke Dornbusch von der Evangelischen Studierenden- und Hochschulgemeinde meinte: „In weiten Teilen der Gesellschaft herrscht Unkenntnis darüber, was an den Fakultäten geforscht wird. Deswegen ist der March toll, um Fragen zu stellen, aber auch darüber zu sprechen, wie die Menschen den Wissenschaftler in sich entdecken können.“

María Ximena Ordóñez von der Katholischen Hochschulgemeinde sieht die Demonstration als globales Zeichen: „Ich werde versuchen, am Samstag möglichst viele andere Menschen mitzubringen, um auch physische, nicht nur mediale Präsenz zu erreichen.“ Der übergreifende Dialog und die Neugier auf andere Fächer müssten noch stärker in den universitären Raum getragen werden.

Erreichen könne man dies mit mehr Transparenz, so Initiatorin Baudson: „Ich schlage zum Beispiel vor, dass in Anträgen für Forschungsprojekte in Zukunft ein Bereich auftauchen müsste, in dem ein schlüssiges Konzept, wie man die Ergebnisse in die Öffentlichkeit tragen will, erläutert wird“. Stimmen aus dem Publikum merkten an, dass die Bevölkerung stärker befähigt werden müsse, zwischen Ideen, Theorien und geprüften Studien zu unterscheiden.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel betonte abschließend, dass die Freiheit der Wissenschaft nur dann zum Wohle aller sein könne, wenn sie mit Verantwortung gepaart sei.

Der „March of Science“ als Reaktion auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten

Den„March for Science“ wird es 2018 zum zweiten Mal nach 2017 geben. In diesem Jahr soll er am 14. April in 175 Städten weltweit, darunter auch Göttingen, stattfinden. Das Ziel des Events ist es, die Freiheit der Forschung und Lehre in der Wissenschaft zu verteidigen. Außerdem sollen Wissenschaftler und Bürger ins Gespräch über Wissenschaft und Forschung kommen. Um 11 Uhr wird Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler am Gänseliesl ein Grußwort halten, danach geht es durch die Fußgängerzone Richtung Zentralcampus, wo eine Abschlusskundgebung geplant ist. 

„Wir haben den March for Science in Deutschland als Reaktion auf die Wahl von Donald Trump initiiert“, erklärt Prof. Dr. Tanja Baudson von der Universität Luxemburg. „Hier haben wir zwar nicht so stark das Problem, dass Zweige politisch unter Druck gesetzt werden, aber natürlich gibt es Bedrohungen aus den Anreizstrukturen des Wissenschaftssystems selbst heraus“. Baudson mobilisierte im vergangenen Jahr gelang über 37.000 Menschen für die Demonstration und wurde in dieser Woche vom Deutschen Hochschulverband (DHV) als „Hochschullehrerin des Jahres“ ausgezeichnet.

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