Diskussion zur Europawahl in der Alten Mensa

Junge Menschen fragen Politiker zu Europa: Der Wert des Einzigartigen

„Erste Wahl?! Was uns Europa bedeutet“ – Unter diesem Titel lud das Geisteswissenschaftliche Schülerlabor der Uni Göttingen (YLAB) zu einer öffentliche Podiumsdiskussion zur Europawahl für Jung- und Erstwähler ein. Podium von links: Moritz Mön kemeyer (FDP), Sabine Lösing (Linke, verdeckt), die Moderatoren Nikolina Damazet und Linus Steinmetz, Thomas Oppermann (SPD), Viola von Cramon (Grüne) und Fritz Güntzler (CDU). Fotos: Hubert Jelinek

Göttingen - Junge Menschen befragten gestandene Frauen und Männer aus der Politik in der Alten Mensa zu Digitalisierung, Klimaschutz und zur EU generell.

Das geisteswissenschaftliche Schülerlabor YLAB der Uni Göttingen um Leiter Dr. Gilbert Heß lädt ein, Schüler moderieren und stellen den prominenten Politikern Fragen vor gut 150 – meist jungen – Zuhörern im schönen Saal des Tagungszentrums Alte Mensa: Das war am Donnerstag der Rahmen für die öffentliche Diskussion „Erste Wahl?! Was uns Europa bedeutet!“

EU-Parlamentarierin aus Göttingen: Sabine Lösing (Linke).

Ein griffiger Titel, der freilich nach überlanger Debatte verwässerte, was weniger an den Politikern und Schüler-Moderatoren Nikolina Damazet und Linus Steinmetz, sondern mehr am Ablauf-Schema lag, von dem zu wenig abgewichen wurde: Auf jede Frage antworteten stets alle Podiumsteilnehmer. Prima aber, dass die Zuhörer per Link online abstimmen konnten, welches das dritte Thema werden sollte. Es wurde „EU-Erweiterung“, leider nicht: „Was macht Europa aus.“

Europa im Alltag

Diese Frage hätte die einzige Euro-Parlament-Abgeordnete im Podium, die Göttingerin Sabine Lösing (Linke) gerne in den Vordergrund gestellt. Ihr fehlt es allzu oft in den Diskussionen um ein gemeinsames Europa, Gesetze und Missstände daran, „sich vor Augen zu halten, wie Europa uns täglich beeinflusst und was es uns bietet“.

Europa früher

Fritz Güntzler sieht seine Aufgabe als CDU-Bundestagsabgeordneter vor der Wahl am 26. Mai auch darin, den jungen Menschen zu verdeutlichen, wie es eigentlich vor der EU zu Zeiten des Eisernen Vorhangs war. „Wir standen bei der Fahrt in den Urlaub in Staus vor der Grenze und warteten nervös auf die Kontrolle.“ Das wüssten heute viele Jüngere gar nicht mehr. Ein grenzenloses, offenes Europa sei aber keine Selbstverständlichkeit.

Europa - das Modell

Für den Bundestags-Vize-Präsidenten Thomas Oppermann (SPD) aus Göttingen steht ein gemeinsames, gleichberechtigtes Europa außer Frage. Es sei einzigartig. Und bei der Wahl stünde letztlich auch das gesamte Modell zur Abstimmung.

Zur Abstimmung stehen übrigens nicht nur Kandidaten und Kandidatinnen, sondern Parteien und deren Programm. Grünen-Kandidatin Viola von Cramon riet deshalb den jungen Wählern, sich die Programme genau anzuschauen. „Es gibt darin große Unterschiede.“ Die äußerten sich auch in der Umweltpolitik und folglich beim Klimaschutz. Ziele diesbezüglich seien nur gemeinsam zu erreichen, so Cramon, die es prima findet – wie übrigens alle auf dem Podium – das sich junge Menschen bei „Fridays for Future“ einsetzen.

Ja zu Fridays for Future

Moritz Mönkemeyer gehört altersmäßig zu den Protestlern. Aber der 19-jährige aus Hameln will für die FDP in das EU-Parlament, wie er –passend gekleidet mit einem gelben Hoodie – sagt: „Ich möchte der Jugend im EU-Parlament eine Stimme sein.“ Sein Ziel ist es, mehr 20 bis 30-jährige ins Parlament zu holen. Den Protest auf der Straße unterstützt Mönkemeyer. Ginge es nach ihm, würde auch seine FDP stärker Druck beim Thema Klimaschutz machen.

Für Fritz Güntzler kommt der Druck von der Straße „zum richtigen Zeitpunkt“. Koalitionspartner Oppermann sagt, dass die Jugend ein Zeichen setze, dass es so auch nicht mehr weitergehen könne. Allerdings wünscht sich der SPD-Mann eine ausgewogenere Bewertung. So würden weltweit viele hundert Kohlekraftwerke und Atommeiler gebaut. „Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass das hier funktioniert.“

Europa digital

Auf einer Einigkeitsskala unterwegs waren alle auch beim Thema Digitalisierung. Aber die fünf Milliarden Euro aus dem Digi-Pakt des Bundes für die Schulen müssten sinnvoll investiert werden, auch in die Fortbildung der Lehrer, so Güntzler. Viola von Cramon nannte die „schnelle digitale Grundversorgung als ein extrem wichtiges Ziel“. Euro-Politikerin Sabine Lösing konstatierte kurz: „Beim Netzzugang ist Deutschland ein Entwicklungsland.“ Die Publikumsfrage, warum Deutsche nicht günstigere Mobilfunkverträge im Ausland machen dürften, beantworteten alle in die Richtung, dass das in einem europäischen Markt möglich sein sollte.

Die Jungwähler und Zuhörer werden es gern gehört haben – hoffentlich auch den Appell der Podium-Politiker: „Geht wählen!“  tko

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