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documenta 15 in Göttingen: Wenn Besucher zu Künstlern werden

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Von: Thomas Kopietz

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Göttinger Kunsthaus, Düstere Straße: documenta 15, Projekt in Göttingen: Printing Futures, Kurator Gerhard Steidl.
Göttinger Kunsthaus, Düstere Straße: documenta 15, Projekt in Göttingen: Printing Futures, Kurator Gerhard Steidl. © Thomas Kopietz

Göttingen ist erstmals mit Partnerprojekten an der documenta 15 beteiligt. Im Forum Wissen und Kunsthaus warten Angebote auf Kinder, Gruppen und Erwachsene.

Göttingen – Die Mega-Kunstausstellung documenta läuft bald zum 15. Mal in Kassel. Erstmals ist Göttingen mit im Boot, mit zwei Partnerprojekten: im neuen Uni-Museum Forum Wissen und im Göttinger Kunsthaus. Für dieses Partnerprojekt gibt es einen neuen Namen: Aus dem Arbeitstitel „House of Paper“ ist die offizielle Bezeichnung „Printing Futures – art for tomorrow“ geworden.

Es geht um das Entdecken der Möglichkeiten mit alltäglichem Material Papier und Pappe. Eröffnung ist am Samstag (18.06.2022). Geblieben ist das Programm mit elf teils herausragenden internationalen Künstlern wie Jim Dine und Sibel Horada, die alle in 100 Tagen documenta (bis 25. September) ihre Arbeiten am Ende in je einem Buch, gedruckt von Gerhard Steidl, der auch Kurator von „Printing Futures“ ist, veröffentlichen werden.

Zwei Partnerprojekte der documenta 15 in Göttingen: Besucher werden zu Künstlern

Hinzugekommen ist mittlerweile auch ein prallvolles Begleitprogramm mit „Vermittlungsangeboten“ für Kinder bis Erwachsene, Einzelpersonen wie Gruppen. Fabian Winkler und Dorle Meyer vom Kunsthaus-Team stellten es am Donnerstag vor.

Zunächst einmal: Sieben Solo-Künstler und zwei Künstler-Duos werden im Kunsthaus an Objekten und Projekten arbeiten. Just diese Präsenz vor Ort, im Kunsthaus wird für das Begleitprogramm genutzt, wie Dorle Meyer sagt: Im Gegensatz zu normalen Ausstellungen, die fertige Objekte zeigen, entstehen diese erst im Kunsthaus, aus Papier. „In dieses Entstehen können die Besucher direkt und tiefer als sonst eintauchen – sie sind Teilnehmer“, so Dorle Meyer.

Das Begleitprogramm, das Florian Winter gebastelt hat, ist vielschichtig, reicht vom Kinderworkshop „Bau dir deine Collage“, Familienzeiten „Die phantastische Welt von Pappe und Papier“ oder „Tanz der Farben – Marmorieren auf Wasser“ bis zur bereits praktizierten Kunstbegegnung nach Feierabend „Art After Work“, nun aber auch mit den documenta-Stars wie Sibel Horada und Alper Aydin (Türkei) sowie Sofia Karim (England), die Drucktechniken lehren wird.

documenta 15: Partnerprojekte in Göttingen bieten Angebote für Kinder, Gruppen und Erwachsene

Wichtiger Grundsatz für Fabian Winter: Die Angebote sind auf die Ausstellungen, den Prozess bezogen. Es gehe auch darum, aktiv zu werden, mit den Künstlern in Dialog zu treten. Die Workshops sollen so laut Winter auch alltagsrelevant sein. „Und am Ende gibt es ein eigenes Resultat zum Mitnehmen.“

Auch die Führungen sind erlebnisorientiert, mehr als nur bloßes Betrachten plus Infos – angeboten werden sie übrigens auch in Englisch und Spanisch. Zum Event wird selbst der Yoga-Kurs. Erst geht es in die Ateliers im Kunsthaus, danach wird meditiert. Die VHS bietet einen Englisch-Kurs „Talk abaut Art“.

Das Schulprogramm richtet sich denn auch an Sprachklassen, „zudem an den Geschichts- und Politikunterricht und natürlich an Kunstklassen“, sagt Winter, der auf viele Teilnehmer hofft. „Attraktiv, spielerisch und individuell“ soll der Kunsthaus-Unterricht laufen.

Partnerprojekte der documenta 15 in Kunsthaus und Forum Wissen in Göttingen

Mit dabei im Begleitprogramm ist der Partner der ersten Kunsthaus-Stunde, das Junge Theater. Zu sehen ist dienstags das Ein-Mann-Stück „Nipple Jesus“ mit Michael Johannes Meyer, der als „Dave“ vom Türsteher zum Aufpasser in einem Kunstmuseum wird.

„Es geht um die Frage, wie wirkt Kunst auf mich, wie finde ich emotional Zugang zu einem Kunstwerk – oder auch nicht“, sagt JT-Intendant Nico Dietrich, der sich freut, dass JT und Kunsthaus zu einem „Tandem“ geworden sind. Ebenfalls als Kooperationspartner agieren das Literaturhaus und Günter-Grass-Archiv – mit Lesungen und Ausstellungen.

Nach 100 Tagen werden dann Bücher gedruckt, von Gerhard Steidl, entstanden im Dialog mit Künstlern, Kindern und Erwachsenen, Schülern und Schauspielern. Zu kaufen gibt es die Bücher dann auch. Als besondere Erinnerung an das Projekt „Printing Futures“ und die erste documenta auch in Göttingen. Mehr Informationen dazu hier. (Thomas Kopietz)

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