Podiumsdiskussion der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker

Dogan Akhanli: Erdogan schafft Klima der Angst bei Intellektuellen

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Diskutierten über die Situation von türkischen Intellektuellen: Autor Dogan Akhanli (rechts) und Moderator Dr. Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Göttingen. Der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli hat bei der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker dazu aufgerufen, sich von der Angst- und Bedrohungskulisse des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht beeindrucken zu lassen.

Der türkischstämmige Akhanli will mit guten Beispiel vorangehen. „Ich werde weiter offen meine Meinung sagen“, erklärte er vor knapp 100 Zuhörern.

Akhanli, der sich unter anderem für armenische und assyrisch-aramäische Christen in der Türkei und für eine starke Zivilgesellschaft engagiert, war im August vergangenen Jahres bei einem Urlaub im spanischen Granada von den dortigen Behörden wegen einer sogenannten „Red notice“ von Interpol festgenommen worden. Auf deren Basis verlangte die Türkei seine Auslieferung. Erst nach internationalen Protesten und der Intervention der Bundesregierung wurde Akhanli freigelassen, durfte Spanien aber erst nach Beendigung des Auslieferungsverfahrens im Oktober wieder verlassen.

Akhanli nannte als Beispiel für das Klima der Angst eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung bei 65, in Deutschland lebenden, türkischen Intellektuellen. Von den Angesprochenen hätten nur fünf der Zeitung geantwortet.

Der türkischstämmige Schriftsteller äußerte zwar Verständnis für dieses Verhalten, schloss es für sich aber aus: „Ich möchte in Deutschland frei leben und mich nicht ständig mit der Bedrohung auseinandersetzen.“

Der bereits 1991 nach Deutschland geflohene Autor, der 1998 von der Türkei ausgebürgert und seit 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, glaubt, dass die Tage von Erdogan als Präsident gezählt sind, auch wenn die Repressionen zurzeit groß seien. „Ich glaube, Erdogan weiß, dass es langsam zu Ende geht.“ Deshalb suche er ständig die Konflikte.

Jüngstes Beispiel dafür ist das Vorgehen der türkischen Armee gegen kurdische Milizen in Nordsyrien. Akhanli forderte in diesem Zusammenhang, dass Deutschland keine Waffen an die Türkei liefert. Dies sei eine Frage der Glaubwürdigkeit.

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