Doppelte Premiere: Theater mit neuem Stück wieder zurück im OP

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Theater im OP ist zurück am eigenen Spielort: Jetzt war dort Premiere für „Ein Bericht für eine Akademie – Kaffka“.

Göttingen. Eine doppelte Premiere hat das Theater im OP hinter sich: Zum ersten Mal ist „Ein Bericht für eine Akademie – Kaffka“, mit Doppel-f wohl für „nach Kafka“, dort aufgeführt worden.

Und nach über anderthalb Jahren ohne Heimat ist das Universitätstheater mit diesem Stück wieder in den früheren Schauoperationssaal zurückgekehrt.

"Wir können es noch gar nicht fassen“, begrüßte Geschäftsführerin Barbara Korte das Publikum. Mit 16 Produktionen musste das Theater 18 Monate lang auf andere Spielorte ausweichen: auf andere Räume der Universität, auf Kneipen, ins Deutsche Theater. Denn im Juni 2014 hatte das Gebäudemanagement der Universität Mängel am Dach des Theaters festgestellt. Nun sind die Sanierungsarbeiten fast fertig. Dass die Dacheindeckung noch nicht abgeschlossen ist, stand dem Wiedereinzug nicht entgegen.

Passend zu der Nomadenzeit des Theaters hat Klaus Berg, ehemaliger Intendant des Jungen Theaters, ein Stück über den umhertourenden Schauspieler Gerog Ortner geschrieben und inszeniert. Ortner hat sich auf Kafka-Einpersonenstücke als Schulvorstellungen spezialisiert. Im Stück gezeigt wird eine seiner öffentlichen Proben.

Diesmal hat sich der Schauspieler die Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ vorgenommen, die von der Menschwerdung eines Affen erzählt. Gäste bei der gespielten Probe sind eine Chinesin und ein russischer VHS-Austauschkurs. Während die Zuschauerin aus China ihre Begeisterung für die Performance mit Applaus aus ihrem i-Pad verstärkt, werden die russischen Schüler fast zu Gegenspielern. So holen sie auf Kommando ihres Lehrers alle Bücher mit Kafkas Text hervor und wollen auch mit weiteren Mitbringseln zeigen, wie gut sie sich auf die Probe vorbereitet haben und was sie erwarten. Immer wieder bringen sie Gerog aus dem Konzept.

Die Theaterprobe verwandelt sich in eine Hitparade und Werbe-Verkaufsvorstellung. Mit seiner Fassung überhöht Berg die Travestie des Assimilationsvorgangs vom Affen zum Menschen und Kafkas Satire auf die Geschichte der Zivilisation. Gelungen ist ihm mit dem Ensemble eine amüsante Vorstellung, die den Zuschauern einen spannenden Theaterabend mit viel Stoff für Gespräche liefert.

• Weitere Termine: 16., 19., 20., 22., 23., 26., 27., 29. und 30. April im ThOP

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