Göttingens Oberbürgermeister-Kandidaten

Doreen Fragel (Die Grünen): Die Frau, die mit Mut viel in Göttingen schaffen will

Porträt Doreen Fragel
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Zuversichtlich: Doreen Fragel ist die parteilose Kandidatin der Grünen für die Oberbürgermeisterwahl in Göttingen.

Doreen Fragel stellt im Gespräch eines schnell klar: „Ich will Oberbürgermeisterin werden, als Parteilose für die Grünen.“

Göttingen – Der Lieblingsplatz ist der Klosterpark in Weende. Dort „tischt“ Doreen Fragel auf einer Parkbank auf: Apfelkuchen von der Oma und eine Bio-Limo aus dem Harz. Außergewöhnlich gewöhnlich ist das Ambiente für ein Gespräch übers Leben, Politik, Ziele und das Ich.

Eben diese Grünen haben die 44-Jährige als mögliche Kandidatin angesprochen. Perplex sei sie darüber nicht gewesen, aber überrascht. Es habe ihr auch geschmeichelt: „Ich dachte: Schön, dass man mir das zutraut. Es sollte wohl so sein.“ Die Göttinger Grünen fanden Gefallen an der Persönlichkeit, an der geleisteten Arbeit. Denn Doreen Fragel hat eine der kräftigsten Energieagenturen in Niedersachsen aufgebaut.

Hat sie sich das denn zugetraut, Kandidatin zu werden. „Ja!“ – ich bin schon immer eine Macherin gewesen.“ Und sie ist mutig. Zunächst aber musste die Idee durch den Familienrat. Die beiden Söhne (12 und 15 Jahre) fanden es gut. Ehemann Jan auch. „Du kannst das. Wir können das“, war das Urteil.

Das „sehr offene, faire und anspruchsvolle“ Bewerberverfahren mit insgesamt drei Kandidaten überstand die in Bovenden lebende Fragel. Sie war die Gewinnerin und lernte die Göttinger Grünen inklusive der Gallionsfigur Jürgen Trittin schnell schätzen, fühlte sich auf Anhieb wohl und unterstützt.

Doreen Fragel ist offen, unverkrampft, lebendig, sie lacht gerne. Das Leben ist ernst genug. Harte Zeiten, gesundheitlich, hat sie hinter sich. „Das stärkt“, sagt sie nachdenklich, um sogleich umzuschwenken: „Mensch, ich bin das Gegenteil einer typischen Juristin.“ Und einer typischen Politikerin.

Seit Trump und Klimakrise habe sie das Bedürfnis gespürt, sich zu engagieren. Das tat sie auch schon im Studium, kam in einer Beratungstätigkeit viel herum, fand Gefallen am Treffen von Menschen. In Göttingen lernte sie alsbald den Mann ihres Lebens, Jan, kennen, region-bekannter Radio-Journalist.

Im Arbeitsleben saugt Doreen Fragel gerne Neues auf, gibt Ideen und Gedanken an Mitarbeiter weiter, gestattet ihnen „Freiräume, lässt sie machen, auch Fehler. „Das ist wichtig, der Erfolg kommt dann oft von alleine.“ Eine träge Riesenverwaltung hat sie aber noch nicht geleitet, ist sich der Mechanismen, Fallstricke, aber auch der Möglichkeiten bewusst. Freiräume öffnen, das will sie auch in der Stadtverwaltung.

Jetzt aber ist sie Wahlkämpferin, macht Hasutürbesuche, diskutiert, am Grünen-Stand, stellt sich in Gartengesprächen vor. „Es macht mir viel Freude, ist auch anstrengend.“ Aber die Eindrücke, die Gespräche, das Lernen sei großartig. „Das bleibt mir immer erhalten.“

Respekt hat sie, die nie durch die Parteimühle gedreht wurde, vor der Arbeit der Kommunalpolitiker: „Es ist enorm, was viele freiwillig für die Gesellschaft auf sich nehmen.“ Grün, das passt zu Doreen Fragel, die im geliebten Garten ein Strohhaus gebaut hat, seit Jahren Hybrid- und E-Autos fährt. In der Energieagentur tut sie das, worauf es extrem ankommen wird: die Menschen überzeugen, klimafreundlich zu denken, zu handeln. „Wir helfen dabei.“ Und Fragel weiß, wo die Fördertöpfe köcheln, wie man sich bedienen kann.

Die gebürtige Wittenbergerin („Ich erinnere mich noch, wie eine Nicht-Demokratie ist“) will als Oberbürgermeisterin viele Menschen mitnehmen: Mitarbeiter, Bürger, Ortschaften, für alle Menschen in der Stadt da sein und die Zukunftsaufgaben anpacken. Die mutige Macherin ist auch Optimistin: „Wir können viel tun, ob beim Wohnungsbau, Klimaschutz und bei Verkehrskonzepten. Wir müssen viel schaffen, und wir werden viel schaffen.“ Doreen Fragel will dafür den Tisch bereiten. (Thomas Kopietz)

Drei Sätze zum Vervollständigen

Die Stadt Göttingen ist für mich... eine liebens- und lebenswerte Stadt und schon seit vielen Jahren mein Lebensmittelpunkt.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme... freue ich mich auf meine Familie und das gemeinsame Abendessen.

Wenn ich nicht Oberbürgermeister werde... ,werde ich mich weiter engagiert in der Stadt und der Region Göttingen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzen.

ZUR PERSON

Doreen Fragel (44), wurde in Göttingens Partnerstadt Wittenberg geboren, Sie lebt und arbeitet seit 25 Jahren in und um Göttingen. 1996 kam sie zum Studium der Rechtswissenschaften in die Stadt. 2006 machte sie ihr 2. Staatsexamen. Es folgten Stationen in der Staatskanzlei Hannover, an der Verwaltungshochschule in Speyer, der Wirtschaftsförderung des Landkreises Göttingen.

Seit 2010 leitet Fragel als Geschäftsführerin die Energieagentur Region Göttingen. Sie engagierte sich als Vorsitzende des Fördervereins Waldorf Pädagogik in Bovenden und als Elternvertreterin sowie in der Evangelischen Kirchengemeinde Bovenden. Mit der Familie war sie Gründungsmitglied der „Solidarischen Landwirtschaft in Landolfshausen“. Sie liest gerne und ist gerne in der Natur.

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