Erfolgsprojekt

Dorfmoderation in Südniedersachsen: Kleine Orte starten in die Zukunft

Erfolgsprojekt Dorfmoderation: Landrat Bernhard Reuter (links), Kreisrätin Christel Wemheuer (3.v.l.) und Projektkoordinatorin Regina Meyer (4.v.l.) mit den Dorfmoderatoren (von links) Jochen Kirchhelle (Spanbeck), Petra Pinnecke (Eisdorf), Andreas Stänger (Schlarpe) und Margitta Kolle (Spanbeck) bei der Übergabe des Abschlussberichtes, der in den Orten teilweise mit E-Fahrzeuge aus dem Wettbewerb „Unser-Dorf fährt elektrisch“ ausgeliefert wird.
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Erfolgsprojekt Dorfmoderation: Landrat Bernhard Reuter (links), Kreisrätin Christel Wemheuer (3.v.l.) und Projektkoordinatorin Regina Meyer (4.v.l.) mit den Dorfmoderatoren (von links) Jochen Kirchhelle (Spanbeck), Petra Pinnecke (Eisdorf), Andreas Stänger (Schlarpe) und Margitta Kolle (Spanbeck) bei der Übergabe des Abschlussberichtes, der in den Orten teilweise mit E-Fahrzeuge aus dem Wettbewerb „Unser-Dorf fährt elektrisch“ ausgeliefert wird.

Dem demografischen Wandel entgegenwirken und den ländlichen Raum für die Zukunft stärken – so lauten die Ziele des Modell- und Erfolgsprojektes „Dorfmoderation“. Es wurde vor mehr als zehn Jahren im Landkreis Göttingen gestartet.

Seither wurden dort in 14 Ortschaften (darunter Bühren, Jühnde, Hemeln und Benterode aus dem Altkreis Münden) insgesamt 35 Frauen und Männer zu Dorfmoderatoren ausgebildet. 2015 startete dann die Zusammenarbeit zwischen den vier südniedersächsischen Landkreisen Göttingen, Northeim, Goslar und Holzminden mit dem Ziel, eine Dorfmoderatoren-Qualifizierungsmaßnahme für das Land Niedersachsen zu entwickeln. Am Mittwoch wurde dafür der Abschlussbericht präsentiert.

„Seit Beginn der Fortbildungen vor sechs Jahren wurden in Südniedersachsen rund 80 ehrenamtlich tätige Dorfmoderatoren qualifiziert“, sagte Dorfmoderation-Koordinatorin Regina Meyer, die seit Ende 2012 Demografie-Beauftragte des Landkreises Göttingen ist. Daran teilgenommen hätten 16 Modelldörfer aus allen vier Landkreisen. Als ehrenamtliche Kümmerer unterstützen die Dorfmoderatoren kleine Ortschaften bei deren Entwicklung. Sie veranstalten Bürgertreffen und Zukunftswerkstätten, bringen Ideen ein und Projekte auf den Weg.

„Begleitet wurde der Prozess in den Dörfern durch die gewählten Vertreter sowie die zuständigen Kommunen“, so Meyer. Unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und begleitet durch Wissenschafts- und Praxispartner seien sechs Schriften entstanden, die Hilfestellungen zur Dorfmoderation liefern.

Neben der Hauptschrift, die das neue Konzept für die Qualifizierung von Dorfmoderatoren in Niedersachsen beschreibt, gibt es unter anderem einen „Methodenkoffer“ für die Akteure in den Dörfern mit Methodenbeschreibung und Impulsen für die möglichen Dorfprozesse, ein Dorfanalyseschema für die Sachstandserfassung eines Dorfes als Grundlage für dessen Zukunftsgestaltung sowie den Abschlussbericht. Weitere Infos gibt es hier. (Per Schröter)

Projekt startete bereits im Jahr 2008 

Bereits seit 2008 werden im Landkreis Göttingen Frauen und Männer zu Dorfmoderatoren und im Bereich Weser-Ems zu „Kümmerern“ qualifiziert. Seit der letzten Neuausrichtung der EU-Politik vor sechs Jahren ist die Dorfmoderation Bestandteil in der Dorfentwicklung (Dorferneuerung) des Landes Niedersachsen. Bei der Entwicklung des Qualifizierungskonzeptes für Dorfmoderatoren wurde auf die langjährige Erfahrung des Landkreises Göttingen zurückgegriffen. (per)

Landrat Reuter: Beispielhaftes Projekt

„Das Projekt Dorfmoderation ist beispielhaft“, lobte Göttingens Landrat Bernhard Reuter am Mittwoch bei der offiziellen Übergabe des Abschlussberichtes. Man sei stolz darauf, dass dieses erfolgreiche Modellprojekt im Landkreis Göttingen „erfunden“ wurde.

„Wenn man den ländlichen Raum stärken will, dann muss man zuerst auf dessen Stärken gucken“, hatte Reuter schon vor Jahren betont. Es sei wichtig, herauszustellen, wie sich das Leben dort von dem in der Stadt abhebt und was es angenehm macht. Die Aufgabe des Landkreises sei es dann, Impulse zu geben und Prozesse zu begleiten. „Und das Projekt Dorfmoderation hakt genau dort ein“, so der Landrat. Inzwischen sei sogar eine Trendwende in Richtung Leben im ländlichen Raum spürbar. „Und so etwas funktioniert nur, wenn Menschen aktiv dabei sind, bei ihrem Wirken aber auch unterstützt werden.“

Für Reuter und Kreisrätin Christel Wemheuer steht deshalb auch außer Frage, dass der Prozess der Dorfmoderation auch künftig vom Landkreis begleitet wird. „Dafür wird eigens eine Koordinierungsstelle eingerichtet“, kündigte Wemheuer an. Schließlich könne man inzwischen genau sehen, dass dort, wo Dorfmoderatoren unterwegs seien, auch Erfolge erzielt werden.

„Die Dorfmoderation ist ein voller Erfolg“, freute sich Projektkoordinatorin Regina Meyer. Sie sei nicht nur ein Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der beteiligten Dörfer als Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum, sondern auch eine Ergänzung zu vorhandenen, guten demokratischen Strukturen.

Durch die Initiative von Dorfmoderatoren wurden bislang nicht nur Dorfvereine gegründet, Carsharing-Angebote oder digitale Kommunikationsplattformen ins Leben gerufen.

In Bühren etwa entstand eine Plattdeutschrunde und in Jühnde wurde mitten im Dorf ein Zirkuswagen aufgestellt und dient seither als Büchertauschbörse.

„Die Ergebnisse des Modellprojektes zeigen aber auch, dass es verlässliche Ansprechpartner und stabile Netzwerke braucht“, sagt Regina Meyer.

Der Landkreis stehe den ehrenamtlichen Dorfteams daher weiterhin mit seinem Referat Demografie und Sozialplanung zur Seite. „Nach Ende des Modellprojektes können Gemeinden, Orte und interessierte Bürger bei der Qualifizierung und Etablierung von Dorfteams vom Landkreis Unterstützung bekommen“, sagte Demografiebeauftragte Meyer. Und die Nachfrage sei groß.

„Obwohl in Sachen Dorfmoderation und Qualifizierung im vergangenen Jahr wegen Corona viel weniger gelaufen ist, haben wir aktuell 20 Interessierte aus 14 Ortschaften, die eine Qualifizierung zum Dorfmoderator machen wollen“, so die Projektkoordinatorin. (per)

Karte: Diese 16 Orte sind dabei

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