Doris Dörrie beim Literaturherbst: Schreiben ist harte Arbeit

Auftritt beim Göttinger Literaturherbst: Schriftstellerin Doris Dörrie stellte während einer Lesung im Deutschen Theater in Göttingen ihr neues Buch „Diebe und Vampire“ vor. Foto: dpa

Göttingen. Schreiben kann man lernen, war eine Botschaft der bekannten und berühmten Autorin Doris Dörrie. Mit ihrer Lesung beim Literaturherbst hat sie den Nerv vieler Göttinger getroffen.

Gut gefüllt waren die Plätze im Deutschen Theater. Bei der Veranstaltung der Reihe „Der Norden liest“ des NDR-Kulturjournals hat die Autorin und Filmemacherin Szenen aus ihrem neuesten Buch mit dem Titel „Diebe und Vampire“ gelesen.

Dörrie erzählt die Geschichte von Alice, die davon träumt, einmal Schriftstellerin zu werden. Christoph Bungartz, Abteilungsleiter der Kultur- und Wissensmagazine beim NDR, moderierte die Lesung und machte auch den Titel zum Thema. „Ich klaue Geschichten“, erklärt „die Meisterin“ im Buch. Noch schlimmer sei eine Vampirin, die einem für eine gute Geschichte alles nehme.

Im Fernsehen sei Vampirismus stärker als in Büchern, setzte Dörrie sich auf Nachfrage von Bungartz mit ihren Worten auseinander. Dabei dachte sie an die Reality-Shows, bei denen so mancher ungewollt sein Innerstes nach außen kehre. Viele Mitmacher seien sich darüber nicht im Klaren und fühlten sich danach schrecklich bloß gestellt.

Auf sehr sympathische und direkte Weise erklärte Dörrie, was das Schreiben ihr bedeutet, dass es Arbeit ist, sich in eine Schreibwelt zu vertiefen, dass es Zeit braucht, sich wieder daraus zu befreien. Für die Professorin am Lehrstuhl Creative Writing an der Hochschule für Fernsehen und Film in München steht nicht in Zweifel, dass die Arbeit eines Schriftstellers Handwerk ist – Handwerk, das man erlernen kann und muss.

Die Frau mit Bodenhaftung glaubt nicht an eine Gabe, sondern steht eher zu harter, unermüdlicher Arbeit. Länger als vier Stunden könne sie nicht am Schreibtisch sitzen, sagte Dörrie vor Publikum. Und immer wieder plagten sie Zweifel an dem, was sie in dieser Zeit kreiere.

Im ersten Jahr der Göttinger Literaturherbsts sei sie schon in Göttingen gewesen, erinnerte sich Schriftstellerin, die mittlerweile als „eine der besten Erzählerinnen der deutschen Gegenwartsliteratur“ gehandelt wird. Vor sechs Jahren dann inszenierte sie die Oper „Admeto“ im Rahmen der Händel-Festspiele.

Dörrie konnte weitere Fäden nach Göttingen spinnen. Ihre Eltern hätten in Göttingen studiert, ihr Ur-Ur-Großsvater lehrte an der Uni. Ein Chapeau Claque, den Dörrie in Göttingen erstand, spielt mit bei „den „Grüßen aus Fukushima“.

Nach einem etwas unvermittelten Ende durch den engen Zeitplan im Literaturherbst – Peer Steinbrück stand als nächster bereit – signierte Doris Dörrie ihre Bücher für die, die sie am Bücherstand erstanden hatten. Und für jeden hatte sie ein paar Worte parat.

Neuerscheinung: Diebe und Vampire von Doris Dörrie, Verlag: Diogenes, gebunden, 224 Seiten, ISBN 978-325706918-1, Preis: 21,90 Euro

Von Ute Lawrenz

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