Landtagsabgeordnete in St. Johannis-Kirche

Doris Schröder-Köpf spricht in Göttingen über Flüchtlingssituation

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Doris Schröder-Köpf zu Gast in Göttingen.

Göttingen. Riesiger Besucherandrang herrschte am Donnerstagabend im Gemeindesaal der Göttinger St. Johannis-Kirche, wo die Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf zu Gast war.

Gemeinsam mit Dana Gaef, dem Leiter des Migrationszentrums für Stadt und Landkreis Göttingen, berichtete sie über die aktuelle Situation geflüchteter Menschen.

„Weltweit sind aktuell 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung oder auf der Suche nach einem sichereren und besseren Leben“, begann Schröder Köpf, die auch Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe ist und mit ihrem Besuch einer Einladung der Evangelischen Stadtakademie Göttingen gefolgt war.

"Bedenklicher Zustand"

„Die Welt befindet sich in einem bedenklichen Zustand und wir spüren die Folgen der Politik in aller Herrenländer unmittelbar nach wenigen Tagen auch hier bei uns“, sagte sie. Das sei ganz besonders im Jahr 2015 der Fall gewesen, als 102.002 Flüchtlinge nach Niedersachsen kamen. 2016 sei diese Zahl auf 31.065 zurückgegangen und in diesem Jahr seien bislang 1423 Flüchtlinge registriert worden.

„2016 hatten wir drei Erstaufnahmelager mit zusammen 1700 Plätzen, in Spitzenzeiten aber 50.000 Flüchtlinge, die zu betreuen waren“, berichtete Schröder-Köpf. Das habe dazu geführt, dass die Politik quasi rund um die Uhr damit beschäftigt war, Unterkünfte und Betten zu organisieren.

Sprachangebote müssen besser werden

„Die Aufnahme so vieler Geflüchteter ist eine gewaltige Aufgabe, die Ausdauer und Geduld erfordert und die des Zusammenhalts der Gesellschaft bedarf“, meinte sie. Die Zeitspanne für eine mögliche Integration eines Geflüchteten bis in den Arbeitsmarkt bezifferte die Landtagsabgeordnete mit fünf Jahren. „Ich glaube, dass wir in Niedersachsen die Weichen für eine erfolgreiche Integration gestellt haben, auch wenn noch nicht alles rund läuft.“

Besonders bei den Sprachlernkursen müsse das Angebot besser aufeinander abgestimmt werden. „Da rumpelt es hier und da noch, aber das bekommen wir auch noch in den Griff“, so Schröder-Köpf. Ihr ganz besonderer Dank ging an die über drei Millionen Niedersachsen, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete engagieren. „Sie sind das Rückgrat der Gesellschaft und lassen sich auch vom schlecht gelaunten Teil der Deutschen nicht beirren“, lobte sie.

Aktuelle Zahlen 

Für Göttingen nannte Dana Gaef die aktuellen Flüchtlingszahlen. Demnach leben hier derzeit 1112 Asylbewerber mit laufendem Asylverfahren, 852 Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung, 421 abgelehnte Asylbewerber und 64 minderjährige Flüchtlinge. Im Landkreis Göttingen seien es 1427 Asylbewerber mit laufendem Verfahren und 510 „geduldete“. „Die Kommune spielt bei der Integration von Flüchtlingen eine wichtige Rolle, weil sie die erste Anlaufstelle nach der Ankunft in Deutschland ist“, sagte Gaef. Die Unsicherheit, wie das Asylverfahren ausgehen werde, belaste viele und führe zu Frustration und sinkender Integrationsmotivation. Dasselbe gelte für endlos lange Verfahren zur Familienzusammenführung. Die aktuelle Lage in Göttingen bezeichnete er als „sehr friedlich“. Ein Problem sei jedoch, dass der Wunsch der meisten Flüchtlinge nach eigenen vier Wänden und damit verbundener Privatsphäre nur in den seltensten Fällen erfüllt werden könne.

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