Mahnwache vor dem Verwaltungsgericht

Drei Göttinger Roma-Familien droht Abschiebung

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„Helfen Sie uns“: Osman Osmani (8), dessen Familie von der Zwangsabschiebung betroffen ist, führt den Demonstrationszug durch die Göttinger Innenstadt an. Mit einer Petition protestiert das Göttinger "Bündnis für Bleiberecht" gegen die Abschiebung von 13 Kindern und Jugendlichen aus drei Roma-Familien.

Göttingen. Bleiberecht für unsere Flüchtlingskinder: Unter diesem Motto versammelte sich am Donnerstagnachmittag das Göttinger Bündnis für Bleiberecht vor dem Verwaltungsgericht zu einer Mahnwache und zog in einer Demonstration durch die Innenstadt.

Der Grund: Drei langjährig geduldeten Roma-Familien aus Göttingen droht eine Abschiebung kurz vor Weihnachten in ihre ehemalige Heimat Kosovo.

Bündnis für Bleiberecht

Das Freie Theater Boat People Projekt, der Arbeitskreis Asyl, das Roma Center, die Grüne Jugend, das Antirassistische Bündnis, „Alle Bleiben“ Göttingen, der Ökumenische Arbeitskreis sowie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GFbV) schlossen sich zum Göttinger Bündnis für Bleiberecht zusammen.

Gemeinsam formulierten sie eine Petition gegen die Abschiebung dreier Göttinger Roma-Familien. Die Petition gab das Bündnis am Ende ihrer Demonstration im Neuen Rathaus ab. „Wir finden es einfach nicht richtig, dass die hier aufgewachsenen, zum Teil sogar in Deutschland geborenen und gut integrierten Kinder aus ihrem gewohnten Lebensumfeld gerissen werden“, sagt Jasna Causevic, Südosteuropa-Referentin der GfbV.

Lehrer und Freunde

„Rabia ist sehr fleißig. Einen so wertvollen Menschen dürfen wir nicht hergeben“, sagt Birgit Messerschmidt-Hardege während der Demonstration. Sie ist Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Göttingen, auf die die 14-jährige, von der Abschiebung bedrohte Rabia Krasnici geht.

Dass das Mädchen womöglich bald für eine ungewisse Zukunft in den Kosovo gedrängt werde, findet Messerschmidt-Hardege furchtbar. „Man kann es nicht in Worte fassen!“, sagt sie entrüstet.

Eine Abschiebung der Familie würde einen herben Rückschlag für die Arbeit der vielen Lehrer, Sozialarbeiter, Kirchengemeinden, Menschenrechtler und engagierten Bürger bedeuten, die an der Integration der drei Roma-Familien beteiligt waren.

Roma-Familie Krasnici

Den Kosovo kennen die betroffenen 13 Kinder nur aus den Erzählungen. Brahim Krasnici kam vor 18 Jahren nach Deutschland, nachdem seine Familie die gut laufende Tischlerfirma im Kosovo aufgrund von Krieg und Diskriminierung aufgeben musste.

Er habe sein halbes Leben in Deutschland verbracht, sagt der 32-Jährige: Hier lernte er seine Frau kennen und seine Kinder wurden in Göttingen geboren. Obwohl er jahrelang nicht arbeiten durfte, später kaum Arbeit fand, wurde Deutschland sein Zuhause. Aber: „Niemand stellt jemanden ein, dessen Duldung kurz vor dem Aus steht“, sagt Krasnici . „Ich und meine Kinder haben jetzt Angst, nachts zu schlafen“, sagt er betreten. Denn die Abschiebung könne seine Familie jederzeit unangekündigt treffen.

Abschiebung in den Kosovo: Vor allem Minderheit Roma betroffen

Nach Angaben des Kinderhilfwerks der Vereinten Nationen Unicef gehören die Roma mit etwa acht bis zehn Millionen Angehörigen zu der größten Gruppe Minderheiten Europas.

In den 1990er Jahren flohen viele vor den Bürgerkriegen des Balkans und der Auseinandersetzung zwischen Albanien und Serbien aus dem Kosovo. Damals lebten etwa 200 000 Roma in dem Land, heute wird ihre Zahl auf 35 000 bis 100 000 geschätzt. Die übrigen Kosovo-Roma leben seit einem Jahrzehnt verstreut in Europa.

Die Bundesregierung hat mit den Behörden im Kosovo ein bilaterales Abkommen verhandelt, das vorsieht, in den kommenden Jahren bis zu 2500 Personen pro Jahr aus Deutschland zurück in den Kosovo abzuschieben.

Kritiker fordern ein Bleiberecht für langjährig in Deutschland lebende Roma-Angehörige. Roma-Familien, deren Kinder zum Teil in Deutschland geboren wurden und hier aufwachsen, erwartet im Kosovo weitaus schlechtere Lebensbedingungen: Sie werden häufig diskriminiert und sozial benachteiligt.

www.unicef.de

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