Urteil

Drei Jahre Haft für Überfall mit Hackmesser auf Göttinger Spielhalle

Göttingen. Wegen eines Raubüberfalls mit einem Hackmesser muss ein 27-jähriger Mann für drei Jahre ins Gefängnis. Das hat am Donnerstag das Landgericht Göttingen entschieden.

Die Kammer befand den Angeklagten des besonders schweren Raubes und der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig. Der 27-Jährige hatte gestanden, Anfang Februar gegen 1 Uhr nachts kurz vor der Schließung eine Spielhalle in der Innenstadt von Göttingen überfallen zu haben. Er bedrohte die Aufsicht mit einem Hackmesser und forderte sie zur Herausgabe des Bargeldes auf. Da die Mitarbeiterin die Tageseinnahmen bereits im Tresor eingeschlossen hatte und der Angeklagte den zu Boden gefallenen Schlüssel nicht entdecken konnte, erbeutete er lediglich ihre Handtasche mit 100 Euro Bargeld.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren beantragt hatte. Die Verteidigung plädierte auf eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren, außerdem sollte eine Therapie zur Behandlung seiner Alkohol- und Drogensucht angeordnet werden.

Überwachungskameras

Da die Spielothek mit Überwachungskameras ausgestattet ist, konnten sich die Prozessbeteiligten einen direkten Eindruck von dem Ablauf des Überfalls verschaffen. Die Kammer habe keinen Zweifel, dass auf den Videoaufnahmen der Angeklagte zu sehen sei, sagte der Vorsitzende Richter Patrick Gerberding.

Nach Ansicht des Gerichts ist nicht auszuschließen, dass die Steuerungsfähigkeit des 27-Jährigen zur Tatzeit erheblich vermindert war. Laut dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen kann die Mischintoxikation durch die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Medikamenten Verwirrtheitszustände auslösen. Die Angaben des Angeklagten zu seinem Tablettenkonsum seien stimmig. Seine Angaben zu den angeblich konsumierten Alkoholmengen seien dagegen vollkommen unplausibel, sagte der Vorsitzende Richter. Die Kammer hielt dem 27-Jährigen zugute, dass er nicht vorbestraft ist, geständig war und Reue zeigte. Gegen ihn spreche die „erhebliche Brutalität seiner Vorgehensweise“. Die Mitarbeiterin der Spielhalle habe erhebliche psychische Folgen davongetragen, die sie bis heute nicht verwunden habe.

Dass das Gericht die Tat am Ende als minder schweren Fall bewertete, lag daran, dass neben der eingeschränkten Schuldfähigkeit auch die Voraussetzungen für den Täter-Opfer-Ausgleich erfüllt sind. Der 27-Jährige hat sich in einem Vergleich zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 6000 Euro verpflichtet. Dies zeige, dass der Angeklagte ernsthaft um Schadensausgleich bemüht sei. In seinem Schlusswort bekundete er noch einmal seine Reue: „Ich habe nie gedacht, dass ich zu solch einer Tat fähig bin.“

Rubriklistenbild: © bsc

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