Göttingen/Herzberg

Drogen im Kofferraum: 29-jähriger Angeklagter gehört offenbar einer Großfamilie an

Ein kleiner, durchsichtiger Plastikbeutel mit der Aufschrift Kokain und weißem Pulver darin
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Im Kofferraum im Auto eines 29-Jährigen wurde unter anderem Kokain (Foto) gefunden. (Symbolbild)

Das Landgericht Göttingen verurteilte einen 29-Jährigen wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungs- sowie Dopingmitteln. Seine Familie soll im Bereich Clankriminalität aufgefallen sein.

Göttingen/Herzberg – Knapp sieben Monate nach einem Drogenfund im Kofferraum eines Autos in Herzberg ist am Dienstag, 29. Juni, vor dem Landgericht Göttingen der Prozess gegen den Hauptnutzer des Fahrzeugs zu Ende gegangen.

Die Kammer verurteilte den 29-jährigen wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie des Besitzes von Dopingmitteln in nicht geringer Menge zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht setzte die Strafe zur Bewährung aus.

Prozess nach Drogenfund in Auto in Herzberg: 200 Stunden gemeinnützige Arbeit

Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Polizei hatte bei der Durchsuchung des Pkw im vergangenen Dezember auch 8400 Euro Bargeld gefunden. Da dieses Geld nach Überzeugung des Gerichts aus Drogengeschäften stammt, wird der Betrag eingezogen.

Die Kammer blieb mit ihrem Urteil deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren plädiert hatte. Der Verteidiger hatte dagegen beantragt, seinen Mandanten vom Vorwurf des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln freizusprechen und nur wegen des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz zu einer Geldstrafe zu verurteilen.

Prozess nach Drogenfund in Auto in Herzberg: Familie des 29-Jährigen im Bereich Clankriminalität aufgefallen

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 29-Jährigen in ihrer Anklage unter anderem unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln mit Waffen vorgeworfen. Nach Ansicht des Gerichts fanden sich im Zuge der Beweisaufnahme jedoch keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte selbst mit Drogen gehandelt hatte.

Die in dem Reserveradlager des von ihm genutzten Autos aufgefundenen Drogen – 16 Gramm Kokain und 443 Gramm Amphetamin – seien zwar für den Handel bestimmt gewesen. Diesen Handel habe aber nicht er, sondern eine Person aus dem familiären Umfeld betrieben, vermutlich der Bruder des Angeklagten. Der Angeklagte habe auch keine Beihilfe dazu geleistet.

Der 29-Jährige gehört einer libanesischen Großfamilie an, die im Bereich der Clankriminalität aufgefallen ist. Deshalb führte nicht die Staatsanwaltschaft Göttingen, sondern die Staatsanwaltschaft Braunschweig das Verfahren. Dort ist seit dem 1. Oktober eine von insgesamt vier Zentralstellen zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen in Niedersachsen eingerichtet. (Heidi Niemann)

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