Komödie im Corona-Modus

DT Göttingen findet neue Form für "Wir sind die Neuen" auf dem Parkdeck

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Die Synchronsprecher vor der Leinwand: Anna-Paula Muth, Gaia Vogel, Marius Ahrendt, Paul Wenning, Angelika Fornell und Andreas Jeßing. 

Die WG-Komödie „Wir sind die Neuen“ hat das Deutsche Theater im Corona-Modus aufbereitet. Als live synchronisierten Video-Mitschnitt können die Zuschauer die Story in der Inszenierung von Erich Sidler auf dem Parkdeck hinter dem Theater verfolgen.

Es ist ein herrlicher Abend, angenehm warm. Decken und die Capes gegen eventuellen Regen konnten die Zuschauer getrost zu Hause lassen. Gegen 21.40 wird es langsam dunkel. Dann ist Einlass zu dem ungewöhnlichen Spielort. Der Parkplatz für die Theatermitarbeiter ist zum „Zuschauerraum“ unter freiem Himmel geworden.

In Reihen stehen knapp 80 Stühle – mal einzeln, mal in Paaren, immer mit Abstand. Wie auch sonst im Theater und Corona geschuldet nutzen nicht alle denselben Zugang: Über die Treppe erhalten Besucher in den vorderen Reihen Zutritt, zu den Plätzen weiter hinten führt die Zufahrt. Aufgeklebt sind Platznummern auf die Plastikstühle, die angesichts mancher getrockneter Farbspritzer vermutlich aus den Werkstätten kommen.

In einheitlichem Schwarz ziehen sechs Schauspieler zu ihren Mikrophonen auf der Rampe. Auf der Leinwand hinter ihnen laufen Umbauszenen: Die Bühne wird auf Anfang eingerichtet. Dann beginnt das Stück im Videomitschnitt. Die Texte zu den laufenden Bildern sprechen die Schauspieler auf der Rampe. Auf der Leinwand prallen die Senioren-WGler Anne (Angelika Fornell), Johannes (Paul Wenning) und Eddi (Lutz Gebhardt) auf die scheinbar zielbewussten Studenten Katharina (Dorothée Neff), Barbara (Gaia Vogel) und Thorsten (Marius Ahrendt). Vor der Leinwand sitzen die Schauspieler entsprechend. Zwei Akteure sind allerdings ausgetauscht. Die Stimme der jungen Katharina hat in der Corona-Version Anna-Paula Muth übernommen. Für Senior Eddi sitzt Andreas Jeßing auf der Rampe.

Mit Beginn der Vorstellung wird klar: Die Schauspieler nutzen nicht nur ihre Stimmen. Aus ihren Kästen und Accessoires, die sie auf die Bühne mitgebracht haben, zaubern sie die unterschiedlichsten Geräusche. Das Rumpeln in einer Kiste wird zu dem Krach, den die Oldies bei ihrem Einzug produzieren. Durch Fingertippen an Flasche oder Mikro wird das unablässige Tippen der Studenten auf ihren Laptops fast schon nervtötend hörbar. Anna-Paula Muth öffnet ihre Schuhe mit Klettverschlüssen vor dem Mikro, als Anne auf der Leinwand ihre Schuhe aufmacht. Und dazu: Die Gedanken, die den Figuren durch den Kopf gehen, werden in gesprochenen Subtexten lebendig.

Auf der Leinwand mit nicht immer messerscharfen Bildern nähern sich die ungleichen Dreierteams an, die Wohnungen schmelzen ineinander. Nach der WG-Party gibt es reichlich Applaus mit Bravo für das gelungene Wagnis. „In Zeiten von Abstand halten rücken die Menschen zusammen“, findet eine Frau ein überzeugendes Bild für die Aufführung im Corona-Modus.

Die nächste Vorstellung „Wir sind die Neuen im Corona-Modus“ ist am Samstag, 20.6., um 22 Uhr vorgesehen. Theaterkasse 0551/49 69-300, aktuelle Telefonzeiten montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr.

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