Zwei Premieren, Corona-Tests vor Aufführungen

Deutsches Theater Göttingen startet diese Woche mit zwei Premieren

Als Ankündigung hängt das Plakat für „Gewalt & Leidenschaft“ am Deutsches Theater (DT) Göttingen aus.  Donnerstag geht es nun mit „Alles muss glänzen“ wieder los.
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Es geht wieder los: So war es im Spätsommer, als Ankündigung hing das Plakat für „Gewalt & Leidenschaft“ am Deutsches Theater (DT) in Göttingen aus. Donnerstag geht es nun mit „Alles muss glänzen“ endlich wieder los.

Für das Publikum ist es gefühlt der Neubeginn der Spielzeit 2020/21 im Deutschen Theater. Das DT legt sogleich am Donnerstag und Freitag mit zwei Vorstellungen zügig los.

„Ein Zeichen setzen, darum geht es“, wie Intendant Erich Sidler sagt. Er bezieht das, auf das Hin-und-Her seit Beginn der Corona-Pandemie mit Kultur-Lockdown, kurzes Wiederaufleben vor wenigen Zuschauern, Optionen wie „Tankstelle“, Internetpräsenz und Garagenstück. Aber Sidler meint vor allem, jetzt ein Zeichen zu setzen gegen den Stand-By-Modus in den das öffentliche Leben samt Sport und Kultur, aber auch die meisten Menschen geschaltet haben. Begriffe wie „Notbremse“ jedenfalls hörte Sidler gar nicht gerne. „Es ging dabei um eine Ausgangssperre“, – mehr nicht, dennoch einen diskutablen Eingriff in die persönliche Freiheit darstelle.

Jetzt haben Besucher wieder die Freiheit ins Deutsche Theater zu Vorstellungen zukommen. Ein Theater, das sich heruntergefahren hatte, aber stets in Arbeit war, wo man gedanklich danach suchte, etwas zu konzipieren, zu bewegen. „Das ist uns mit Projekten wie der Tankstelle und dem Testzentrum gelungen.“ Aber vieles blieb auf der Strecke, so auch das Erlebnis Schauspiel, des Auftritts, der vollen Konzentration auf den Punkt, nämlich 19.45 Uhr am Abend, aber auch das direkte wie unersetzbare Erlebnis Bühne-Publikum. Der Ersatz, das Spielen vor den eigenen Kolleginnen und Kollegen im DT, war kein wirklicher.

Zwar wird das volle Haus auch jetzt noch nicht erlebbar sein, aber immerhin mehr als die 105 vor der zweiten Welle, sondern „etwa 135 Plätze“ könnten im DT-1, dem Großen Haus, „schachbrettartig besetzt werden, rund 50 Plätze im DT-2“, wie Verwaltungsdirektorin Sandra Hinz sagt.

Los geht es am Donnerstag, 3. Juni, um 19.45 Uhr mit der Premiere „Alles muss glänzen“ von Noah Haidle. Andrea Strube spielt die Hauptrolle Rebecca, die den Tisch für die ganze Familie deckt. Doch Mann und Sohn sind ausgezogen – „und draußen wartet die Apokalypse“, wie Chefdramaturg Matthias Heid sagt. Und dann sind da noch skurrile Nachbarn, die zu Besuch kommen. Eine trostlose Situation – scheinbar. Es ist ein kritisches Sozialdrama mit Bezug zur (Corona-)Zeit. Autor Haidle hat daraus eine lebensfreudige Komödie gemacht, wie Dramaturgin Mona Rieken ergänzt. „Ein zeitgemäßes Stück“, konstatiert Erich Sidler.

Zunächst rätselhafter aber schließlich überaus logisch erscheint Premiere Nummer 2, noch dazu als Uraufführung, am Freitag, 4. Juni, um 20.00 Uhr im DT-1: „Yesterday Reloaded“ von Gernod Grünewald, der auch Regie führt. Es geht um das Leben einer Igelfamilie, einer typisch deutschen Igelfamilie, in deren Leben zwei syrische Goldhamster treten. Einer verliebt sich in die Tochter der Igelfamilie. Ja, es geht um den Rechtsruck einer Gesellschaft und die Frage: Was bedeutet Zukunft? Aber: Gestrickt ist das Stück aus den O-Tönen der AfD-Politiker und -Partei, aus Reden, Parteiprogrammen und Veröffentlichungen in Zeitungen, im Internet, durch Tweets und Posts.

Bereits für Samstag, 12 Juni, steht „Mit dem Moped nach Madrid“ an, eine Uraufführung draußen, open-air auf dem Parkdeck mit der Laderampe als Bühne, was nun als DT-X namentlich durchgeht. „Die Laderampe ist damals als griechisches Theater so gebaut werden, jetzt nutzen wir sie“, freut sich Matthias Heid und Erich Sidler sagt: „Mit der musikalischen Hommage befeuern wir das Fernweh“. Dafür wurde auch schon Sand angekarrt – das Parkdeck wird zum Strand.

„Die Räuber“ von Friedrich Schiller haben dann am Freitag, 18. Juni, Premiere im DT-1. Die gibt es auch als Video-Aufführung, die sich Zuschauer gegen Kauf eines Tickets herunterladen können. „Wir wollten beides machen“, beschreibt Erich Sidler, das Experiment mit einer Präsenz- und Online-Inszenierung.

„Mal sehen, wie lange diese Online-Angebote nachwirken?“, fragt Intendant Sidler, der glaubt, dass diese gegen das Präsenztheater keine Chance haben werden. „Die Menschen suchen Emotionen“, sagt Chefdramaturg Matthias Heid und gibt die Antwort, auch auf Sidlers Frage: „Sie sind hier zu finden, auf der Bühne, mit dem Publikum.“

Zum Live-Erlebnis aber wird noch der offiziell Test-oder der Impfnachweis zählen. Denn das DT geht auf Nummer sicher in der Pandemie, die nicht vorbei ist. Die Mund-Nase-Maske kann nach Einnahme des Platzes aber abgezogen werden. Tests sind vor den Veranstaltungen im DT-Testzentrum jeweils auch von 17.30 bis 19 Uhr ohne Online-Anmeldung möglich – kostenlos, wie Johanna Schwung sagt, die Leiterin des hauseigenen wie öffentlichen Corona-Testzentrums, die im „Nebenberuf“ auch Regie-Assistentin am DT ist.

Tickets: www.dt-goettingen.de und „live“ an der Theaterkasse, Mo bis Fr von 10 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 14 Uhr. (Thomas Kopietz)

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