Ziel ist eine Gemeinwohl-Bilanz

Deutsches Theater in Göttingen stellt alles Handeln auf den Prüfstand

Traditionshaus und Blickfang am Rande der Innenstadt: Zu sehen ist das Deutsches Theater (DT) Göttingen mit seinem  Hauptbau samt Glasanbau am Stadtwall im Sommer.
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Traditionshaus und Blickfang am Rande der Innenstadt: Das Deutsches Theater (DT) in Göttingen mit seinem Hauptbau am Stadtwall. Das DT will nun alle betrieblichen Abläufe für eine Gemeinwohl-Bilanz prüfen.

Außergewöhnliche Premiere für das Deutsches Theater Göttingen. Das DT erstellt eine Gemeinwohl-Bilanz – und ist damit das erste Theater in Deutschland, das so etwas macht.

Göttingen - Die Aufgabe ist anspruchsvoll und nicht ohne Brisanz: In den kommenden Monaten will das DT das gesamte unternehmerische Schaffen nach den Punkten Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung durchleuchtet, so das Deutsche Theater in einer Pressemitteilung. Nachhaltigkeit sei eines der Themen, die in der Theaterbranche lautstark diskutiert würden, heißt es.

Der Ressourcenverbrauch um das Bühnengeschehen sei erheblich: „Ist ein Stück abgespielt, landet das Material oftmals auf dem Müll.“ Gemessen am gesellschaftlichen Anspruch der Branche stelle sich die Frage: „Kann und will eine Ressourcen-intensive Branche in der Zeit von Fridays for Future es sich noch leisten, Material einfach in die Tonne zu werfen?“

„Letztendlich geht es um unsere gesellschaftliche Verantwortung füreinander“, sagt Carlsson Kemena, Assistent der Geschäftsleitung und am Deutschen Theater zuständig für das Projekt. Als kommunales Theater diene man in erster Linie den Menschen aus Stadt, Kreis und Bundesland. „Aber überall da, wo wir am Wirtschaftskreislauf teilnehmen, nehmen wir Einfluss auf Mitmenschen und Umwelt bis auf die andere Seite des Globus. Das müssen wir als Theater und als Wirtschaftsakteur überprüfen.“

Ziel sei es, dass die Gemeinwohl-Ökonomie-Bilanz genauso wichtig wie der Zahlenbericht werde, sagt Kemena. Ein Aufsichtsrat frage dann in Zukunft nicht mehr als erstes, wie es um die Auslastung einer Spielstätte bestellt sei, sondern nach der Einhaltung der Menschenwürde und der nachhaltigen Ziele im Theater.

Das Thema berge laut der DT-Verantwortlichen auch Konfliktpotenzial: „Da könnte dann beispielsweise rauskommen, dass die Hausbank von nebenan die Einlagen in Rüstungsgeschäfte investiert oder ein Zulieferer Kinderarbeit fördert. Das wären die äußeren Faktoren. Intern hingegen muss man in die Belegschaft das Bewusstsein für die Mitverantwortung bei der wirtschaftlichen Tätigkeit bekommen.“ (Thomas Kopietz, mit epd)

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